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14.04.2013 01:00 Uhr

Das isch emol e Abschied

Autor: Remo Meister Aktualisiert: 15.04.2013 09:55 Uhr

Das 3:1 (0:1) gegen dem FC Zürich war das letzte Spiel von Alex Frei als Profifussballer. Und natürlich bestritt er das nicht, ohne noch ein letztes, sein 108. Tor für den FC Basel 1893 zu erzielen. Mit dem 33-jährigen Baselbieter verlässt ein ganz Grosser des Schweizer Fussballs die Bühne des grünen Rechtecks. Einer, der es in seiner beeindruckenden Karriere zum Rekordtorschützen der Nationalmannschaft gebracht hat, der bei Rennes Torschützenkönig der französischen Ligue 1 und bei Borussia Dortmund zum Publikumsliebling wurde. Beim FC Basel 1893 schliesslich war Alex Frei seit Sommer 2009 mit seinen insgesamt 108 Toren sowie seiner starken Persönlichkeit auf und neben dem Platz massgeblich am fantastischen nationalen und internationalen Erfolg beteiligt. Der FCB sagt deshalb: „Dangge Alex!“

Es geht nicht lange und da fliessen am Sonntagnachmittag im St. Jakob-Park die Tränen. Rund eine Viertelstunde vor dem Kickoff gegen den FC Zürich betritt Alex Frei alleine das bereits schön gefüllte „Joggeli“. Unter gewaltigem Applaus schreitet er durch ein Spalier von 107 Personen aus dem FCB-Umfeld – Junioren, Nachwuchstrainer, Mitarbeiter und Verwaltungsräte –, bis er den Mittelkreis des Stadions erreicht. Dort warten Präsident Bernhard Heusler und Geschäftsführerin Barbara Bigler auf den Ausnahme-Stürmer, dessen Augen längst nicht mehr trocken sind. Heusler spricht dem 33-Jährigen zum Abschied im Namen des FCB den grösstmöglichen Dank aus und übergibt ihm zum Andenken ein grosses Bild mit Fotos von vielen seiner besten Szenen im rotblauen Dress. Dazu gibt es von Barbara Bigler einen Blumenstrauss und von den weit über 30‘000 Zuschauern einen herzerwärmenden, lang anhaltenden Applaus.



„Ihr habt einen Platz in meinem Herzen gewonnen. Vielleicht habe ich auch einen in eurem gewonnen“, sagt der Verabschiedete mit zittriger Stimme zum Basler Publikum und bedankt in erster Linie bei seiner Familie und seinen Freunden für „16 Jahre grossartige Unterstützung während meiner Karriere“. Dann läuft Alex mit seinen Geschenken wieder zurück in die Katakomben, um die Mannschaft gegen den FCZ als Captain auf das Feld zu führen. Die Fans singen „Das isch emol e Gool, das isch emol e Gool, das isch emol e Gool“ und die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel.

 




Eine Viertelstunde vor Kickhoff betritt Alex Frei das Stadion, dem er so viel Freude bereitete.





Zum Abschied erhielt Frei unter anderem ein Bild mit vielen seiner besten Szenen überreicht.




Im Spiel selber nimmt Alex Frei dann von Beginn weg Einfluss, obschon die Basler nicht richtig in die Gänge kommen. Als der FCB noch nach der Pause mit 0:1 zurückliegt, wird es dem Routinier in seinem letzten Spiel zu bunt. In der 58. Minute setzt er bei einem Freistoss aus rund 25 Metern den Ball und zirkelt diesen in seiner unnachahmlichen Art ins linke Lattenkreuz. FCZ-Torhüter Da Costa hat gut reagiert und die Ecke geahnt – aber der Freistoss ist zu platziert, es steht 1:1. Der Jubel im „Joggeli“ ist grenzenlos, gut 32‘000 Zuschauer gönnen Alex dieses Tor zum Abschied von ganzem Herzen. Wie oft durfte man sich als Basler Fussballfan in den letzten dreieinhalb Jahren über solche Treffer der Marke Alex Frei freuen. Man wird es vermissen, wie der Ball nach seinen insgesamt 108 Toren für Rotblau im Netz zappelte. Vor dem geistigen Fan-Auge läuft ein Film mit den schönsten Frei-Toren ab, er traf gegen Teams wie Bayern München und Manchester United, in er Schweiz wurde er zweimal hintereinander Torschützenkönig. Alex Frei verkörperte den Spielertyp des absoluten Goalgetters, der unzählige Male genau am richtigen Ort stand, der aber auch mit einem unvergleichbar guten rechten Fuss gesegnet war.



Und dann wird es noch einmal ohrenbetäubend laut im St. Jakob-Park. Es läuft die 64. Minute, als Trainer Murat Yakin Alex Frei aus dem Spiel nimmt. An der Seitenlinie wartet Freis langjähriger Weggefährte Marco Streller, der andere Teil eines genialen Sturmduos, wie es der FCB in seiner Geschichte nicht oft gesehen hat. Während Alex vom Platz schreitet, zieht er sein Trikot aus – drunter trägt er ein Shirt mit der Aufschrift „Für die geile Zeit, danke Basel!“ auf dem Rücken. Jetzt fliessen wieder die Tränen, mit einer langen Umarmung von Streller endet offiziell Alex Freis Zeit als Spieler des FC Basel 1893. Und wie so oft in der Vergangenheit, hinterlässt der 33-Jährige auch an diesem schönen Sonntagnachmittag seine Spuren auf dem Feld – sein 1:1 war die Basis zu dem, was später mit einem 3:1-Sieg der Basler gegen den FCZ enden wird.





Ein Grosser kommt für einen Grossen - Marco Streller kommt für Alex Frei ins Spiel.



Nach dem Spiel wird Alex von seinen Teamkollegen auf den Schultern über den Platz getragen, als ihn die Fans zum letzten Mal verabschieden. Danach beginnt der Medienmarathon für Frei – auch damit schliesst sich ein Kreis für den Goalgetter. Über kaum einen anderen Schweizer Fussballer wurde so viel geschrieben wie über Alex Frei. Ganz viel positives, auch einiges negatives. In den allermeisten Fällen war ihm aber der Respekt für seine ausserordentlichen Leistungen sicher.





Ein letztes Mal ins Stadion winken - die Basler und der FCB werden Alex Frei vermissen.



An der offiziellen Medienkonferenz nach dem Spiel versucht Alex Frei in Worte zu fassen, was er soeben erlebt hat bei seinem letzten Spiel als Profifussballer: „Diese Verabschiedung ist wirklich optimal gelungen. Es war ein toller Moment für mich und sicher auch für die Fans. Als dieser Film auf dem Stadionscreen lief und ich die Kurzzusammenfassung meiner 16-jährigen Karriere vorgezeigt bekam, was das schon speziell. Im Spiel konnte ich mich dann gut konzentrieren, und dass mir noch ein Tor gelungen ist, ist auch ein bisschen typisch für meine Karriere. Ich hatte oft das Glück, im richtigen Moment einen Treffer zu landen. Dass danach das Spiel wieder eine etwas andere Dynamik bekam, freut mich natürlich. Leider habe ich mir beim Freistoss einen Muskelfaserriss an der linken Wade zugezogen. Aber ich fahre zum Glück einen Automaten und brauche den linken Fuss nicht… Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich während all den Jahren unterstützt mit mir zusammengearbeitet haben. Ich habe unglaublich gerne für diesen Club und in dieser Mannschaft gespielt. Jetzt durfte ich einen sehr positiven, runden Abschluss erleben.“



Auch Trainer Murat Yakin unterstreicht an der Medienkonferenz noch einmal den Wert seines abtretenden Stürmers: „Nur grosse Spieler wie Alex Frei können in diesem Moment ein solches Freistosstor erzielen, welches das Spiel wieder in unsere Richtung gelenkt hat. Ich möchte Alex dafür danke und ihm ein grosses Kompliment machen, wie er sich während dieser Schlussphase nochmals richtig auf den FCB fokussiert und uns geholfen hat. Das war ganz stark!“

 




Im Spiel gegen den FCZ unterstrich der Top-Stürmer ein letztes Mal seinen Wert für das Team.





Im Basler Stadion gibt es keine zwei Meinungen über Alex Frei.



(Fotos: Sacha Grossenbacher)