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19.08.2010 | Interview: Remo Meister
„Wir müssen die Balance wieder finden“

FCB-Verteidiger Behrang Safari hat von den bisher acht Partien der laufenden Saison bereits wieder beinahe alle durchgespielt – bis auf eine Auswechslung in Bellinzona in der 54. Minute. Der 25-jährige Linksverteidiger und schwedische Nationalspieler ist einer der Dauerläufer beim FC Basel 1893. Im Interview spricht Safari über den FC Sheriff, die zwei Niederlagen in der Meisterschaft, die Champions League und Spaziergänge am Rhein.

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Behrang Safari, wie hast du den knappen Sieg über den FC Sheriff am Mittwochabend erlebt?
Behrang Safari: Ich finde wir haben ein gutes Spiel gezeigt. Vor dieser Partie hatten wir in der Meisterschaft zweimal in Serie verloren. Es ging darum, wieder zu unserem Spiel zurückzufinden, mit dem wir erfolgreich waren. Vielleicht dachten vor der Partie gegen Sheriff viele Leute, das werde einfach für den FCB. Wir wussten, dass dies nicht stimmt – schliesslich geht es um die Qualifikation für die Champions League. Das Wichtigste war, dass wir gewonnen haben.

War am Ende die Freude der Mannschaft über den 1:0-Sieg grösser als die Enttäuschung, einen möglichen höheren Erfolg verpasst zu haben?
Natürlich trauerten wir der einen oder anderen klaren Torchance ein wenig nach, es immer gut im internationalen Wettbewerb viele Treffer zu erzielen. Entscheidend und sehr erfreulich war aber, dass wir keinen Gegentreffer kassierten. 1:0 ist ein gutes Hinspiel-Resultat für uns.

Habt ihr die Mannschaft aus Tiraspol so erwartet, wie sie dann auch tatsächlich aufgetreten ist im St. Jakob-Park?
Ja, denn die kamen nicht umsonst so weit in der Champions-League-Qualifikation. Die müssen schon eine gewisse Qualität haben. In der letzten Saison spielten sie in der Gruppenphase der Europa League, und das gelingt keinem schlechten Team. Wir hatten erwartet, dass sich der FC Sheriff auf seine solide Defensive konzentrieren und uns über schnelle Konter angreifen würde – und genau das taten sie.

Wie schätzt du nun die Ausgangslage für den FCB vor dem Rückspiel nächsten Dienstag in Moldawien ein?
Ich glaube der Druck liegt jetzt beim Gegner, weil sie ein Tor erzielen müssen. Das wird uns wohl ein bisschen mehr Platz verschaffen für unser Offensivspiel, als wir es im Hinspiel hatten. Entscheidend wird sein, dass uns ein Auswärtstor gelingt. Meiner Meinung nach sieht die Sache gut aus für uns!

Du bist einer von vielen Nationalspielern beim FCB und hast entsprechend ein grosses Pensum zu bewältigen mit Meisterschaft, internationalem Wettbewerb und Nationalmannschaft. Spürst du die starke Belastung?
Ja, manchmal fühlt man das schon. Wenn die Spiele eng aufeinander folgen und man wenig Zeit für die Regeneration hat. Ich versuche dann, die Kräfte ein bisschen einzuteilen. Wenn ich komplett erholt bin – so fühlte ich mich etwa am Mittwoch gegen Sheriff – dann kann ich sehr viel nach vorne rennen. Wenn ich ein bisschen müder bin, konzentriere ich mich in erster Linie auf die Defensive.


Behrang Safari war gegen den FC Sheriff - wie hier - einer der Basler Aktivposten.


Als nächstes folgt das Auswärtsspiel in Thun am Samstag. Wie geht die Mannschaft mit dem Wechsel zwischen internationalem und nationalem Fussball um?
Das darf eigentlich kein Problem sein für einen Profifussballer. Wir kennen unsere Stärken, und nur darauf konzentrieren wir uns – egal wer der Gegner ist. Mit dieser Einstellung haben wir in der letzten Saison das Double gewonnen, obwohl wir in der Vorrunde im Europa-Cup vertreten waren und dort sehr gute Spiele gezeigt haben. Also wir sollten mit der Doppelbelastung umgehen können.

Du hast es vorhin angesprochen: Die letzten beiden Meisterschaftsspiele hat der FCB verloren. Was war aus deiner Sicht das Problem?
Manchmal hat jedes Team eine Phase, in der es verliert. Man weicht etwas vom Weg ab, vom Plan des eigenen Spiels. In Bellinzona ist uns das passiert, weil wir dort überhaupt nicht das taten, was wir ansonsten immer tun: offensiven Fussball spielen. Wir kamen nicht zu vielen Chancen, dann bekamen wir ein Tor – und so verloren wir. Gegen Luzern spielten wir dann als Reaktion darauf vielleicht etwas zu offensiv und verloren die Abwehrarbeit ein bisschen aus den Augen. Jetzt geht es darum, unsere Balance von vorher wieder zu finden. Das ist auch eine mentale Frage, der Fokus des Teams muss stimmen.

Siehst du den FCB dabei auf einem guten Weg?
Ja, wir sind auf jeden Fall auf gutem Weg. Wir haben ein sehr starkes Team. Und wenn wir wirklich unser Spiel durchziehen, bin ich hundert Prozent zuversichtlich, dass wir wieder Titel gewinnen und in der Champions League spielen können. Keine Frage.

Kannst du erklären, was es für einen Spieler und für einen Club bedeutet, die Champions League zu erreichen? Du warst ja vor zwei Jahren mit dem FCB schon mal dabei.
Der FC Basel hat die Ambition, jedes Jahr im internationalen Wettbewerb vertreten zu sein. Das gehört hier einfach dazu, in dieser Stadt mit diesem Club. Für mich persönlich und meine Mannschaftskollegen ist es der zweitgrösste Fussball-Anlass nach der Weltmeisterschaft, es ist riesig, man träumt immer davon, gegen all die grossen Clubs zu spielen. Vor zwei Jahren waren wir dabei und es war ein unglaubliches, sehr starkes Gefühl, sich mit den Top-Mannschaften zu messen. Es ist ein Abenteuer, ein sehr wichtiges Abenteuer. In Tiraspol müssen wir nun zeigen, wie wichtig es uns ist. Wir haben es in den Händen.

Hast du neben den vielen Spielen noch Zeit für Beschäftigungen abseits des Fussballs?
Im Moment bleibt mir nicht besonders viel Zeit. Ich versuche, so oft wie möglich zu Hause Energie zu tanken. Aber es gibt schon Zeiten, in denen ich mehr draussen bin. Ich bin jetzt seit zwei Jahren in Basel und mag die Stadt sehr. Ich gehe gerne an den Rhein um zu spazieren oder in die Stadt um in den vielen verschiedenen Restaurants zu essen. Ich fühle mich wirklich wohl hier.

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