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18
26
29.08.2010 | sport.ch
Proschwitz: ''Finks Aussagen motivieren mich''
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Nicht selten scheiterten die Top-Torschützen der Challenge League in der höchsten Schweizer Spielklasse. Nicht so Nick Proschwitz. Der deutsche Angreifer beim FC Thun fand sich in der Super League auf Anhieb zurecht und steuerte bereits drei Treffer zum Höhenflug der Berner Oberländer bei, die als einziges ASL-Team in dieser Saison noch ungeschlagen sind.

Kann der 23-Jährige auch beim Spitzenkampf in Luzern für Furore sorgen? Im Interview mit sport.ch spricht der 23-Jährige über den starken Saisonstart, sein Traumziel Bundesliga und Thorsten Finks Interview.

sport.ch: Thun steht nach sechs Runden auf Platz 2 in der Tabelle, nun steht der Spitzenkampf gegen Leader Luzern steht an. Hat Sie der furiose Saisonstart überrascht?

Nick Proschwitz: Wir hatten zwar eine gute Vorbereitung mit ansprechenden Testspiel-Ergebnissen, trotzdem konnten wir nicht damit rechnen, nach sechs Runden da oben zu stehen. Wir haben an uns geglaubt und waren uns unserer Stärke bewusst, trotzdem ist es immer schwierig als Neuling in der Liga.

Waren die vier Heimspiele in den sechs Runden ein Vorteil? War es so ein wenig einfacher, sich in der Super League zurechtzufinden?

Sicher hat uns das etwas geholfen, dennoch war unsere Startprogramm nicht das leichteste. Im Nachhinein wäre aber sogar noch der eine oder andere Punkt mehr dringelegen.

Sie sprechen die Last-Minute-Ausgleiche gegen YB und GC an. Mit diesen vier Punkten mehr auf dem Konto wären Sie jetzt Leader...

Das ärgert mich schon ein bisschen, doch was geschehen ist, ist geschehen. Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen, nach vorne blicken und die Führungen nächstes Mal über die Zeit schaukeln.

Sie haben schon gegen YB, GC und Basel gespielt. Diese Teams hatten das internationale Geschäft im Fokus und verschoben ihre Prioritäten teilweise auch in diese Richtung. Lassen Sie dies als Argument gelten, dass es für Thun so einfacher war, Punkte zu ergattern?

Gegen Basel könnte ich das gelten lassen, die anderen beiden Teams sind in Bestbesetzung gegen uns angetreten. Und der FCB hat auch in der Breite genug Qualität im Kader, da ist der zweite Anzug besonders hungrig und motiviert, schliesslich wollen sich alle Spieler für die Stammelf aufdrängen.

Sie merken, ich versuche die Leistung des FC Thun zu schmälern, auch Thorsten Fink hat sich schon fast despektierlich über Ihr Team geäussert. Ist das eine zusätzliche Motivation für euch oder ärgert Sie die fehlende Anerkennung?

Ich habe Finks Worte gehört. Auch wenn wir vielleicht nicht um den Titel mitspielen können, hoffen wir dennoch, ihn im Verlauf der Saison noch ein wenig ärgern zu können, solche Aussagen verleihen schon einen Extraschub Motivation. Ausserdem, was heisst fehlende Anerkennung? Ein Blick auf die Tabelle reicht, um zu wissen, was wir erreicht haben.

Sie haben jetzt einige Spiele absolviert in der Super League, können mittlerweile die die Stärke des eigenen Teams in etwa abschätzen. Ist es wie Trainer Murat Yakin gesagt hat, liegt für den FC Thun ab Platz 2 alles drin?

Wir haben bislang gegen jeden Gegner mitspielen können, wir können jeden schlagen. Das ändert aber nichts an unserer Zielsetzung, welche nach wie vor Platz 8 lautet. Wir müssen jetzt versuchen, weiterhin Punkte zu holen, damit wir das angestrebte Ziel möglichst bald erreichen. Dann können wir uns vielleicht noch andersweitig orientieren. Aber zum jetzigen Zeitpunkt wäre eine Änderung der Zielvorgabe verfrüht.

Ihnen scheint die Umstellung von Challenge League auf Super League ohne Probleme gelungen zu sein. Ist das so oder täuscht der Eindruck?

Mir ist gegen YB ein Einstand nach Mass geglückt, darüber bin ich natürlich sehr froh. Auch danach lief es gut, ich kam in jedem Spiel zu Chancen und hab auch weitere Tore erzielt. Der Unterschied zur Challenge League ist schon deutlich spürbar, das Spiel ist schneller, die Mannschaften taktisch besser, dennoch glaube ich, dass mir die Umstellung bislang ziemlich gut geglückt ist.

Trainer Murat Yakin hat gesagt, dass ihm Milaim Rama leid tue, weil er nicht an Ihnen vorbei kommt. Rama ist eine Kultfigur im Berner Oberland. Ehrt es sie, dass Sie ihn verdrängt haben, oder muss das ganz einfach ihr Anspruch sein?

Ich bin ganz klar mit dem Ziel nach Thun gekommen, Stammspieler und Leistungsträger zu werden. Es freut mich, wenn der Trainer so etwas sagt. Das soll aber nicht heissen, dass ich ein Problem mit Milaim habe, wir verstehen uns gut. Ich habe grossen Respekt vor seinen Leistungen. Er ist nun aber auch in einem gewissen Alter, da muss es schon mein Ziel sein, ihn zu verdrängen. Obwohl ich mir auch vorstellen könnte, gemeinsam mit ihm aufzulaufen.

Als Deutscher dürfte es wohl Ihr grosses Ziel sein, irgendwann in der Bundesliga zu spielen?

Absolut, es ist mein Traum, nochmals in Deutschland als Profi zu spielen, wenn möglich natürlich in der Bundesliga, welche meiner Meinung nach zusammen mit der Premier League den attraktivsten Fussball bietet. Und in beiden Ligen ist das Zuschaueraufkommen enorm.

Welches wäre ihr Wunschverein in der Bundesliga?

Da habe ich keine Vorlieben, mir wäre jeder der 18 Vereine recht (schmunzelt).

Denken Sie, dass es möglich wäre, direkt vom FC Thun in die Bundesliga zu wechseln oder müssten Sie noch einen Zwischenschritt, beispielsweise bei einem Spitzenverein in der Schweiz oder der zweiten Bundesliga einlegen?

Wenn ich in einer Saison 25 bis 30 Tore erziele, wäre es sicher möglich (lacht). Nein, das dürfte schwierig werden, da müsste wohl das konkrete Interesse eines Trainers vorliegen, den ich überzeugt hätte. Aber so weit denke ich noch nicht, ich habe einen Dreijahresvertrag beim FC Thun und gerade mal sechs Partien in der Super League gespielt.

Sprechen wir noch über den Gegner Luzern, der auch eher überraschend ganz vorne anzutreffen ist in der Tabelle. Wie schätzen Sie die Innerschweizer ein, stehen sie zurecht zuoberst?

Luzern spielt einen sehr attraktiven Offensivfussball und hat mit Hakan Yakin den überragenden Spielmacher der Super League in seinen Reihen. Für mich zählt der FCL nebst Basel, YB und dem FCZ zu den Topteams der Liga, deshalb bin ich nicht wirklich überrascht. Dass sie aber gleich die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung anführen, damit habe ich nicht gerechnet.

Luzern hat mit Abstand die meisten Tore erzielt, stand hinten aber nicht immer sattelfest. Da muss man um die Taktik wohl kein grosses Geheimnis machen...

Wir wären schlecht beraten, uns hinten rein zu stellen. Aber das haben wir bis jetzt auch nie gemacht. Wir wollen mitspielen und versuchen, den FCL unter Druck zu setzen. Dann können wir auch in Luzern punkten.

Von Daniel Bossi

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