Patrick Rahmen (41), der Trainer der U21 des FC Basel 1893, hat mit seinem Team eine schwierige Saison auf dem zweiten Schlussrang abgeschlossen. Im Bilanz-Interview sprach er sowohl über die vergangene Saison wie über die Zukunft.
Patrick Rahmen, wie stufen Sie die vergangene Saison im Vergleich mit der vorherigen ein?
Patrick Rahmen: Aus verschiedenen Gründen war es eine schwierige Saison. Sie war geprägt von vielen Wechseln, bedingt durch Verletzungen und Nationalmannschaftstermine. Aber es gab Spieler, die sich sehr gut weiterentwickelt haben. Wir hätten den ersten Platz erneut erreichen können, wenn wir nicht vier Punkte durch Forfait-Entscheide verloren hätten. Trotz einigen Hängern, die vielleicht ein bisschen zu extrem waren, denke ich aber, dass der Auftrag erfüllt ist. Ich ziehe eine positive Bilanz aus dieser Saison.
Was war Ihr persönlicher Höhepunkt in dieser Saison?
Das Double der ersten Mannschaft. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass Valentin Stocker und Xherdan Shaqiri soviel Verantwortung übernommen haben und sich weiterentwickelt haben. Das ist ja auch der Ansporn für uns, dass wir weiterhin solche Spieler in die erste Mannschaft bringen.
Und was hat Ihnen in dieser Spielzeit nicht gefallen?
Ich fand es ärgerlich, dass wir die internationalen Turniere in Zürich und Bellinzona nicht in Bestbesetzung bestreiten konnten. Dazu kamen dann einige weniger starke Leistungen in der Meisterschaft, die auf die hohe Belastung zurückzuführen sind. Es gibt noch Verbesserungspotential in der Koordination von Länderspielen und Meisterschaft.
Ist da Besserung in Sicht?
Es ist natürlich nicht so einfach, da der Terminkalender sehr eng ist. Gleichzeitig wird einfach vom FC Basel erwartet, dass die U21 an gewissen internationalen Turnieren teilnimmt. Wenn mir dann die Nationalspieler fehlen, ist es schwierig, ein gutes Resultat zu erspielen. Dann müsste man sich fragen, ob es noch sinnvoll ist, an solche Turnieren zu gehen. Das Bestreben des Verbandes ist aber da, dies zu verbessern.
Was muss sich bei der Mannschaft bessern?
Man muss sehen, dass wir mit Tim Klose und Nico Schindelholz in der Abwehr zwei wichtige Spieler abgegeben haben, die wir noch nicht eins zu eins ersetzen konnten und die nun mit dem FC Thun als unbestrittene Stammspieler in die Super League aufgestiegen sind. Dazu kam die Verletzung von Niki Wiedmann, der eigentlich die Führung dieser neuen Abwehr übernehmen sollte. Er fiel jedoch fast die gesamte Saison aus. Durch diese Schwächung waren wir in der Defensive nicht ganz so gut, wie im letzten Jahr.
War dies möglicherweise eine stärkere Erstliga-Gruppe als jene der vergangenen Jahre?
Die Mittelfeldmannschaften waren etwa gleich stark wie die Jahre zuvor. Aber die Spitze war mit YF Juventus, der U21 des FCZ und der SR Delémont, aber auch mit dem FC Breitenrain, der einen schlechten Start hatte und trotzdem noch Achter wurde, klar stärker
Wie erlebten Sie die beiden Derbys gegen die Old Boys mit dem Trainerduell gegen Ihren alten Mannschaftskollegen Massimo Ceccaroni?
Da ich und Massimo Ceccaroni eine enge Freundschaft pflegen, ist dies immer etwas Besonderes. Natürlich wollen wir beide gewinnen, aber darunter leidet unsere Freundschaft nicht. Im Gegenteil: Wir gingen jeweils nach den Derbys zusammen essen und analysierten das Spiel. Die Jahre zuvor hatten wir die Old Boys dominiert, in diesem Jahr kamen wir beim ersten Spiel unter die Räder. Beim zweiten Spiel hatte ich sehr viele Ausfälle, und wir spielten trotzdem noch unentschieden. Diese Derbys sind auch wertvoll für die Entwicklung der Spieler, da es immer hart umkämpfte und emotionale Spiele sind.
Wie sehr schmerzen Sie die vier Punkte, die Ihnen am „Grünen Tisch“ abgezogen wurde? Sie kosteten den ersten Platz, der aber sportlich auch nicht mehr gebracht hätte, weil Ihr Team ohnehin nicht aufsteigen darf...
Es ärgert mich einfach, dass es passiert ist. Wir haben eine Super- Infrastruktur und eine Super-Organisation beim FCB. Aber wo gearbeitet wird, da werden Fehler gemacht. Schlussendlich müssen wir einfach daraus lernen, dass uns so ein Administrativfehler, der zu zwei Forfaitniederlagen führte, nicht mehr passiert.
Wie haben Sie das erste Jahr mit Thorsten Fink erlebt?
Die Zusammenarbeit ist eine andere als mit Christian Gross – eine andere, nicht eine bessere oder schlechtere. Ich habe mit Christian Gross gerne gearbeitet habe. Zu ihm hatte ich zwar nicht einen so engen Kontakt, aber ich konnte viel profitieren von ihm. Es war eine sehr lehrreiche Zeit. Thorsten Fink ist sehr offen, wir verstehen uns gut. Wir tauschen uns auch manchmal ausserhalb der Arbeitszeiten aus. Wie die Spieler konnte auch ich mich wieder weiterentwickeln in dieser neuen Situation.
Hat die neue Spielphilosophie einen grossen Einfluss auf ihre Arbeit gehabt?
In der U21 müssen wir einige Dinge sicher anpassen, dies war auch der Wunsch von Thorsten Fink. So dass die Spieler, die in die erste Mannschaft kommen, gewisse Dinge schon kennen. Daher habe ich einige Sachen von ihm übernommen. Dass war auch schon bei Christian Gross so.
Xherdan Shaqiri spielte vor einem Jahr noch bei Ihnen, jetzt ist er an der WM dabei! Haben Sie ihm noch etwas mitgegeben auf den Weg?
Nein, für das sind Thorsten Fink und Ottmar Hitzfeld da. Ich verfolge natürlich seinen Weg genau, wie den aller meiner ehemaligen Spieler. Und ich sehe ihn natürlich manchmal. Aber es ist nicht nötig, dass ich ihm noch Tipps gebe.
Welche Spieler sind denn jetzt auf dem Sprung in die erste Mannschaft?
Janick Kamber sowie Taulant und Granit Xhaka trainierten ja schon die ganze Rückrunde mit der ersten Mannschaft. Sie werden bestimmt ins Trainingslager mitgehen. Ebenfalls ins Trainingslager mitgehen wird Matthias Baron.
Was für Änderungen wird es sonst noch geben in der Mannschaft?
Wir sind der Meinung, dass es für Dominic Schilling und Ramon Cecchini Zeit ist, den nächsten Schritt zu machen und suchen Lösungen für sie in der Challenge League.
Der Ball ruht jetzt bei der U21. Gehen Sie während Ihren Ferien an die Weltmeisterschaft?
Nein, ich verbringe meine Ferien voraussichtlich in der Schweiz.