


Der 44-jährige Jurassier Michel Kohler ist seit anfangs dieser Saison 2009/2010 als Nachfolger von Peter Knäbel Nachwuchschef des FC Basel 1893. Der ehemalige Trainer des FC Concordia gibt Auskunft über die Partnerschaften, die der FCB im Nachwuchsbereich seit geraumer Zeit mit anderen Vereinen pflegt.
Michel Kohler, der FCB pflegt im Nachwuchsbereich derzeit mit drei anderen Vereinen in der Region Partnerschaften. Wie kam es dazu?
Michel Kohler: Diese Partnerschaften sind eine Vorgabe des Schweizerischen Fussballverbandes SFV, um die Qualität in der Nachwuchsförderung zu erhöhen. Momentan gibt es in der Schweiz, Liechtenstein mit eingerechnet, 14 solche Partnerschaften. Diese unterscheiden sich von Fall zu Fall. Der FC Basel arbeitet derzeit mit dem FC Concordia Basel, dem FC Solothurn und dem sogenannten Team Jura zusammen. Die Kooperation von vier Vereinen ist momentan die Obergrenze.
Team Jura? Was ist darunter zu verstehen?
Das Team Jura ist kein Verein, sondern 51 Junioren-Mannschaften aus dem Kanton Jura haben sich zusammengeschlossen, um die besten Spieler in einem Team spielen zu lassen. Jedes Mitglied zahlt einen Beitrag, dessen Höhe sich nach der Ligazugehörigkeit richtet, um das Team Jura zu unterhalten. Es gibt natürlich Vereine, die noch nie einen Spieler ins Team Jura gebracht haben, und bezahlen trotzdem diese jährliche Pauschale. Doch es gibt auch verschiedene andere Modelle. Beim Team Ticino etwa zahlt jeder Club einen Beitrag entsprechend der Anzahl Spieler, die er stellt. Das Team Vaud dagegen ist eine Stiftung.
Gibt es auch Partnerschaften über die Landesgrenzen hinweg?
Wir arbeiten mit dem FC St-Louis zusammen, mit dem SV Weil und mit dem FC Lörrach, mit diesen Clubs pflegen wir gute Kontakte. In unseren Mannschaften hat es auch immer wieder ein, zwei französische oder deutsche Spieler. Zudem haben wir Vereinbarungen mit diesen Vereinen, die Trainer tauschen sich gegenseitig aus. Gerade der FC St-Louis möchte in der Region Elsass gerne eine grössere Rolle spielen. Aber gleiche Partnerschaften wie mit den Schweizer Teams sind nicht möglich.
Wie unterscheiden sich die Partnerschaften in der Schweiz?
Beim FC Concordia bin ich natürlich sehr nahe dran, beim Team Jura auch, da ich im Jura wohne. Jetzt in der Rückrunde besuche ich auch vermehrt den FC Solothurn, bei dem ich inzwischen schon ein paar Mal war und Spiele des Nachwuchses beobachtet habe. Wir haben aber in jedem Partnerteam jemanden beauftragt, die technische Leitung zu führen. Ich kenne diese drei Mitarbeiter seit langem sehr gut und stehe auch in engem Kontakt zu ihnen.
Wie können die Partner voneinander profitieren?
Die Zusammenarbeit äussert sich vor allem dadurch, dass wir unseren Partnern unser Knowhow zur Verfügung stellen. Ich freue mich sehr, wenn ein Trainer eines anderen Vereins eine Hospitation bei uns machen will. Dafür übernehmen wir die besten Spieler unserer Partner und bieten ihnen eine gute Ausbildung und eine Plattform, sich zu profilieren.
Wie geben Sie das Knowhow weiter?
Die anderen Vereine erwarten sehr viel vom FCB. Zum Beispiel wurde ich angefragt, ob wir unseren Torhütertrainer manchmal zum Team Jura schicken könnten. Um effizient zu arbeiten, wäre es aber besser, sie würden sich einen eigenen Torwarttrainer suchen, der dann eng mit unseren Spezialisten zusammenarbeitet. Ich denke, es wäre in diesem Fall besser, jemanden aus der Region zu nehmen, da er diese kennt und dort sein Beziehungsnetz hat. In gewissen Bereichen, zum Beispiel beim Konditionstraining, macht eine Kooperation mehr Sinn. Man kann die Übungen eins zu eins übernehmen. Beim technischen Bereich sehe ich dies anders, da das Niveau einfach zu unterschiedlich ist.
Woher kommen diese Unterschiede?
Das hat damit zu tun, dass der FCB-Nachwuchs in den letzten Jahren einfach einen grossen Sprung gemacht hat. Aber die Schwerpunkte der Ausbildungsphilosophie ab der U14, zum Beispiel die Leistungstests, probieren wir so gut wie möglich zu vereinheitlichen. Diese Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen müssen wir in Zukunft vielleicht noch verstärken. Dann findet sich ein Spieler, der von diesen Vereinen zu uns stösst, besser zurecht. Die besten Spieler jener Mannschaften müssten vielleicht auch schon früher zu uns kommen. Es gibt hierfür keine Regel, ab wann die Spieler wechseln sollten, sondern es müssen immer individuelle Lösungen gesucht werden. Man kann ja einen Spieler auch mal zu einem Turnier einladen, oder zu Zusatztrainings. Wenn wir weiter so gut arbeiten, werden in Zukunft wenige Spieler aus diesen Partnerschaften erst in der U16 zu uns wechseln, sondern früher!
Ist das nicht problematisch für auswärtige Spieler, die für ein paar Jahre beim FCB trainieren, den Sprung dann aber nicht schaffen?
Wenn die Spieler den Sprung dann nicht schaffen, ist das schon nicht so einfach, da sie viel Zeit und Energie investiert haben.
Einfacher ist da sicher die Partnerschaft mit dem FC Concordia.
Die Partnerschaft mit Concordia ist schon allein wegen der räumlichen Nähe ein extremer Vorteil für uns. Beide Mannschaften trainieren auf den St. Jakob-Anlagen. Da kann ich in der Mitte eines Feldes stehen und sehe auf der einen Seite 20 Junioren vom FCB und auf der anderen Seite 20 Junioren von Concordia. Somit kann ich vierzig Spieler der gleichen Altersstufe auf einmal beobachten. Die Trainer können sich gegenseitig austauschen. Durch diese Breite mit einer guten Ausbildung gibt es eine sehr starke Selektion im Bereich der U16, U17, was sich auch positiv auf die U18 auswirkt. Dort haben wir dann eine Mannschaft mit den Toptalenten der Region.
Welche Anliegen hätten Sie zur Verbesserung in der Kooperation?
Verbessern könnten wir die Zusammenarbeit mit den Vereinen in der Nordwestschweiz, die nicht zur offiziellen Partnerschaft gehören. Denn die Partnerschaft gibt es nur mit Clubs, die „U-Mannschaften“ haben. Ich finde, auch die Topspieler jener Teams, die im Nachwuchs nur regionale Meisterschaften bestreiten, sollten zu uns kommen, weil sie bei uns die beste Ausbildung in der Region bekommen, gegen die Besten der Restschweiz spielen und auch internationale Turniere bestreiten können. Und auch wenn sich ein Spieler bei uns nicht durchsetzen kann, hat er immer noch die Möglichkeit, beim FC Concordia Nachwuchsspitzenfussball zu spielen.
Gibt es da keine Probleme mit den anderen Vereinen? Diese lassen ja ihre besten Spieler sicher auch nicht immer gerne ziehen.
Wenn sich ein Spieler für die Nationalmannschaft profilieren will, kann er das nur über den Juniorenspitzenfussball tun. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber in der Regel läuft dies so. Wenn dies nicht so wäre, würden wir unsere Arbeit nicht gut machen, oder die Zusammenarbeit würde nicht gut laufen. Natürlich müssen wir auch immer je nach Situation entscheiden. Denn es macht ja keinen Sinn, einen Spieler zu holen, der bei uns gar nicht zum Einsatz käme, weil wir auf seiner Position überbesetzt sind. Dies gilt insbesondere für ältere Nachwuchsspieler.
Und wenn ein ehemaliger Spieler eines Partnerclubs dann später vom FCB zu einem dritten Verein weiterwechselt?
Das ist im Fussball halt so. Geatan Frund hat bei uns gespielt und ging dann zum FC Laufen. Ich wurde gefragt von der SR Delémont, weshalb wir diesen Spieler nicht ihnen angeboten haben. Da habe ich zurückgefragt, ob er bei ihnen dann gespielt hätte, was sie verneinten. Da war es doch für Frund die bessere Lösung, nach Laufen zu gehen. Wohin ein Spieler geht, hängt auch immer vom Engagement eines Clubs gegenüber seinem ehemaligen Spieler und den Möglichkeiten ab, die sich dem Spieler bieten. Ich übe da keinen Druck auf die Spieler aus. Was wir machen müssen, ist aber, den Partnervereinen klar zu kommunizieren, wenn uns ein Spieler verlässt.
Mit dem Zwangsabstieg des FC Concordia hat der FCB einen Partnerclub in der Challenge League verloren. Wie liess sich dieses Problem lösen?
Wir haben zwar schon Lösungen gefunden für Spieler, die in der Challenge League spielen können. Aber es ist halt nicht mehr so einfach wie vor einem Jahr, als wir diese zu Concordia ausleihen konnten. Bei Concordia kam dazu, dass ich als Trainer nicht einen solchen Druck hatte, da von uns der Aufstieg nicht erwartet wurde. Ich bin sehr glücklich, dass Murat Yakin bereit ist, jetzt beim FC Thun mit jungen Spielern in der Challenge League zu arbeiten und einige Nachwuchskräfte von uns übernommen hat. Diese erleben natürlich einen ganz anderen Druck, sind aber viel weiter weg von uns. Die Situation so ist bestimmt nicht schlecht, aber es muss unser Ziel sein, in den nächsten Jahren wieder einen Challenge-League-Club als Partner für uns in der Region zu finden. Es kommt natürlich darauf an, wie sich die Challenge League entwickelt und wie viele Teams in Zukunft dort spielen werden.
Wäre es da nicht besser, die U21 würde in der Challenge League mitspielen?
Für die Spieler wäre es natürlich gut, wenn in der Challenge League auch U21-Mannschaften spielen könnten. Aber wenn dann ganze Regionen vom Spitzenfussball ausgeschlossen werden müssen dafür, kann dies auch nicht die Lösung sein. Da müssen wir zuerst die Entwicklung abwarten. Sollten in der Zukunft nur noch zehn Mannschaften in der Challenge League spielen, wäre die Erste Liga sportlich für unsere U21 bestimmt noch interessanter als jetzt.