22.03.2010 | Interview: Caspar Marti
Kofi Nimeley: „Wichtig ist, dass man bei so einem Turnier als Team auftritt“

Kofi Nimeley ist Nachwuchsspieler in der U18 des FC Basel 1893. Er hat bereits dreimal am Nike Premier Cup teilgenommen und wurde mit der Schweizer U17 Weltmeister in Nigeria. Im Interview spricht der 17-jährige schweizerisch-ghanaische Doppelbürger über seine bisherige Karriere, den Nike Premier Cup, die Weltmeisterschaft und seine Ziele.

 

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Kofi Nimeley, welche Erinnerungen haben Sie an den Nike Premier Cup?
Kofi Nimeley: Sehr schöne! Ich konnte mich an diesem Turnier zum ersten Mal mit der Weltspitze messen. Ich war dreimal dabei, einmal mit den Älteren, einmal mit den Gleichaltrigen und ein drittes Mal, um die vom Jahrgang 1993 zu unterstützen. Es waren drei wunderschöne Erlebnisse, auch weil wir jeweils sehr erfolgreich waren. Es brachte mir fussballerisch und mental sehr viel.


Was war es für ein Gefühl, erstmals gegen europäische Topteams zu spielen?
Ich konnte diese Erfahrung bereits früher machen, schon mit der U13 reisten wir an internationale Turniere. Aber am Nike Premier Cup ging es zum ersten Mal wirklich um etwas. Das genoss ich sehr, meistens kamen wir als Underdog ans Turnier – und haben dann einige überrascht.


Können Sie der heutigen U15 des FCB irgendeinen Tipp geben für das Turnier?
Wichtig ist, dass man bei so einem Turnier als Team auftritt und spielt. Als pure Ansammlung von Einzelspielern kann man dort nichts gewinnen. Des Weiteren muss man jeden Gegner ernst nehmen, auch einen vermeintlich schwächeren.


Sie sind schweizerisch-ghanaischer Doppelbürger. Haben Sie eine Beziehung zu Ghana?
Ja, meine Mutter lebt dort. Ich lebe hier mit meinem Vater und meiner Stiefmutter in Basel. Ghana wird auf jeden Fall immer meine Heimat sein – genauso wie die Schweiz.
 

Ist es für Sie ein Thema, irgendwann einmal für die ghanaische Nationalmannschaft zu spielen?
Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Es ist eine Entscheidung, die mir sicherlich nicht leicht fallen wird, sollte ich sie einmal treffen müssen. Deshalb werde ich mich intensiver damit befassen, sobald der Zeitpunkt dafür da ist. Momentan könnte ich es mir nicht vorstellen, für Ghana zu spielen, aber man weiss ja nie, wie das in der Zukunft aussieht.


War es für Sie etwas Besonderes, den Weltmeistertitel mit der Schweizer U17-Nationalmannschaft ausgerechnet in Afrika feiern zu dürfen?
Ja natürlich! Ich habe mir immer gesagt, wenn die erste Weltmeisterschaft in Afrika gespielt wird, dann will ich dabei sein. Dass dies so schnell gehen würde, hätte ich nicht gedacht. Es war wirklich ein grossartiges Erlebnis, diesen Titel auf dem afrikanischen Kontinent feiern zu dürfen.

 


Was hat sich für Sie verändert durch diesen Titel?
Von gewissen Leuten wird man jetzt logischerweise anders gesehen. Was ein Vorteil und ein Nachteil sein kann… Viele Leute, die man gar nicht kennt, drängen sich nun manchmal ein wenig auf. Ansonsten hat sich bei mir nicht viel verändert, ich lebe gleich weiter wie vorher, da ich ja noch viele Ziele erreichen will.


Haben Sie danach viele Angebote anderer Clubs erhalten?
Ja, das Interesse anderer Clubs war schon da, das war auch nach der Europameisterschaft schon der Fall. Aber für mich gilt es jetzt, mich beim FC Basel durchzusetzen. Der FCB ist mein Club!


Sie haben in Ihrer noch jungen Karriere schon viele Titel gewonnen. Welcher war für Sie der schönste?
Natürlich der WM-Titel, aber auch die beiden Erfolge beim Nike Premier Cup in der Europa Ausscheidung waren sehr schön, einfach in einem anderen Mass.


Sie sind sowohl in der Abwehr wie auch im zentralen Mittelfeld einsetzbar. Wo spielen Sie lieber?
Lieber im zentralen Mittelfeld, da ich dort viel mehr Einfluss auf das Spiel nehmen und mehr Verantwortung übernehmen kann.
 

Sie werden als grosses Talent gehandelt. Was denken Sie wird in den nächsten Jahren wichtig sein, um dereinst einmal den grossen Sprung in den Profifussball schaffen zu können?
Ich denke das Wichtigste ist, auf dem Boden zu bleiben, womit ich keine Probleme habe. Ausserdem gilt es, jeden Tag meine Leistung zu bringen, das heisst konstant gut zu spielen und so zu beweisen, dass ich eben in den Profifussball gehöre.
 

In der Meisterschaft läuft es der U18 des FCB gut - Ihr Team liegt souverän an der Tabellenspitze. Wie motivieren Sie sich für jedes Spiel neu?
Für mich persönlich ist es ein Ansporn, dass einige meiner Kollegen schon weiter oben sind – also in der U21 oder gar in der Nähe der ersten Mannschaft. Diese haben auch das Glück, dass auf ihren Positionen grundsätzlich immer wieder jüngere Spieler eingesetzt werden, während auf meiner Position Erfahrung ein wichtiger Faktor ist. Daher nehme ich jedes Spiel wie einen kleinen Final. Ich gewinne durch jedes Spiel an Erfahrung und setze mir auch für jede Partie neue Ziele.


Was sind denn die Ziele für die laufende Meisterschaft?
Leider sind wir aus dem Cup ausgeschieden, daher bleibt eigentlich nur das Ziel, die Meisterschaft zu gewinnen.
 

Was bringt Ihnen die Ausbildung beim FCB neben dem Fussballerischen?

Man wird beim FC Basel auch sehr gut auf das Leben vorbereitet, etwa im mentalen Bereich. Zum Beispiel wird einem klar gemacht, dass man nichts geschenkt kriegt und dass man für den Erfolg hart arbeiten muss. Trainer Remo Gaugler beispielsweise ist für viele von uns wie ein Mentor, der uns mental auch auf schwere Zeiten vorbereitet, damit wir auch einem gewissen Druck standhalten können.

 


Sie hatten eine langwierige Verletzung, einen Kreuzbandriss, wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Auch hier komme ich wieder auf die Trainer zurück und den Staff, der mich in dieser schweren Zeit unterstützt und mir diese erleichtert hat. Es war aber auch ein gutes Erlebnis, einmal zu sehen, wie es ohne Fussball ist. Dadurch merkte ich, dass ich wirklich Fussballprofi werden will. Ich nahm nur Positives aus dieser Zeit mit.


Hatten Sie nie Zweifel, ob Sie den Anschluss wieder schaffen?
Ich habe mir von Anfang an gesagt, dass ich, sobald ich wieder gesund bin, meinen Stammplatz zurück erkämpfen will, da ich der Meinung bin, dass ich nicht auf die Bank gehöre. Das habe ich auch erreicht. Dass ich dieses Vertrauen von den Trainern bekommen habe, war für mich eine Bestätigung für meine Arbeit während der Verletzung.


Könnten Sie uns zum Schluss erzählen, was Ihre fussballerischen Ziele über den Tag hinaus sind?
Mein grosses Ziel ist es, mich beim FC Basel durchzusetzen, in der Super League zu spielen. Dann vielleicht einmal weiterzugehen und solange wie möglich Fussball zu spielen.


Hätten Sie auch einen Plan B, falls es mit der Profikarriere nicht klappen sollte?
Ich mache ja noch das Gymnasium, hätte also sicher noch andere Möglichkeiten. Irgendetwas, das mit Sport zu tun hat, müsste es aber schon sein.