


Diesmal konnten wir ein Interview mit dem Youngster Orhan Mustafi führen. Vor sechs Monaten noch in der U18 des FC Zürich, kann er heute bereits auf mehrere Einsätze in der Axpo Super League zurückblicken. Vor kurzem hatte er auch seine Premiere in der Champions League. Ein sicher steiler Aufstieg und trotzdem ist er auf dem Boden geblieben.
Name: Orhan Mustafi
Nationalität: Mazedonien
Position: Angriff
Trikotnummer: 29
Geburtsdatum: 04.04.1990
Grösse: 190 cm
Gewicht: 82 kg
Clubs: FC Zürich, Grasshopper Club Zürich, FC Ems
Zur Person
Was ist dir in deinem Leben neben Fussball sonst noch wichtig?
Auf jeden Fall meine Familie, die ist mir als einziges auch wichtiger als der Fussball. Als ich von GC ein Angebot hatte, hat mein Vater seinen guten Job aufgegeben und meine ganze Familie (ich habe noch zwei jüngere Brüder, die auch Fussballspielen) ist mit mir zusammen nach Zürich gezogen. Dies möchte ich irgendwann zurückgeben können.
Was war das bisher Schwierigste, was du je in deinem Leben tun musstest?
Das waren sicher meine beiden Meniskus-Verletzungen mit Knorpelschaden, welche offensichtlich nicht optimal behandelt wurden. Ich konnte zwei Jahre nicht mehr spielen und die Ärzte zweifelten daran, dass ich überhaupt je wieder spielen könnte. In dieser Phase hat mir meine Familie vor allem mit ihrer moralischen Unterstützung sehr geholfen. Ich musste hart arbeiten um wieder spielen zu können.
Bei welcher Gelegenheit hattest du das letzte Mal Herzklopfen?
Das war im Qualifikationsspiel gegen Guimaraes in Portugal, als ich eingewechselt wurde. Das war mein erstes internationales Spiel, da war ich vor dem Spiel doch etwas nervös, doch mit der Zeit wurde es immer besser.
Gibt es etwas, was dich in Panik versetzen könnte oder wovor du Angst hast?
Eigentlich nicht, ich versuche jeweils locker zu bleiben.
Was bringt dich zum Lachen?
Das ist schwierig – aber wenn ich im Spiel gute Szenen habe, oder ich gar ein Tor schiesse, dann bringt mich dies zwar nicht gerade zum Lachen, aber fröhlich, ja das bin ich dann schon ;-).
Was würdest du mit deinen letzten CHF 50.00 tun?
Ich würde mir einen Fussball für CHF 50.00 aussuchen und spielen gehen.
Hast du eine Ausbildung gemacht?
Ich habe eine spezielle Fussballschule gemacht und danach eine Lehrstelle gesucht und eigentlich auch gefunden. Leider wäre diese mit relativ viel Reisen verbunden gewesen und deshalb mit meiner Fussball- Karriere nicht vereinbar. Da ich alles was ich mache gerne mit 100% mache, habe ich mich auf den Fussball konzentriert.
Wie und / oder wo verbringst du deine Sommerferien?
Meine Sommerferien verbringe ich immer in Mazedonien in meinem Heimatort Kumanova. Dort lebt ein grosser Teil meiner Familie und ich kann mich jeweils gut erholen.
Welche Schlagzeilen oder Behauptungen möchtest du nie über dich lesen müssen?
Irgendetwas über einen schlimmen Skandal, was nicht stimmen würde. Ich denke, da würde ich mich recht schlecht fühlen.
Was wäre der absolute Albtraum für dich?
Eine schlimme Verletzung, gerade jetzt, wo ich gut drauf bin.
Liebst du Überraschungen?
Ja sicher, natürlich nur wenn es positive sind, das liebt ja wahrscheinlich jeder.
Hast du eine Freundin und falls ja, was schätzt du am meisten an ihr?
Nein im Moment nicht mehr, die notwendige Zeit fehlt mir im Moment einfach. Am meisten schätze ich an einer Frau Charakter.
Du bist Mazedonier, hast du auch das Schweizer Bürgerrecht? Wenn ja, ist die Schweizer Nationalmannschaft ein Thema für dich?
Wir sind daran, das Schweizer Bürgerrecht zu erhalten. Von Mazedonien und Albanien habe ich bereits Aufgebote erhalten, aber es wäre eine Ehre und gleichzeitig ein erklärtes Ziel für mich, für die Schweizer Nationalmannschaft zu spielen. Deshalb habe ich den beiden anderen Verbänden abgesagt.
Deine Familie ist seinerzeit extra wegen dir aus dem Graubünden nach Zürich gezogen. Hat sie dies bei deinem Wechsel nach Basel wieder gemacht oder wo wohnst du heute in Basel?
Meine beiden jüngeren Brüder gehen in Zürich in die Schule und deshalb ist dies diesmal nicht gegangen, obwohl mein Vater eigentlich mit wollte. Ich habe ihm aber gesagt, dass Basel ja nicht so weit von Zürich entfernt ist.
Kochst und wäschst du selber oder hast du da eine Hilfe?
Ja natürlich, schliesslich sollte man als junger Mensch auch selbstständig werden.
Hast du schon den Führerschein und was für ein Auto fährst du?
Nein, ich bin gerade daran, diesen zu erwerben, was eben auch zeitlich nicht ganz einfach ist. Wenn ich dann den Schein habe, werde ich auf jeden Fall „klein“ beginnen, schliesslich bin ich erst 18 Jahre alt...
Hast du als Graubündner auch eine Beziehung zum Eishockey und für welchen Club fieberst du mit?
Früher, als wir noch in Graubünden wohnten, war ich ein erklärter Fan des HC Davos und habe mit meinen Freunden auch die Spiele besucht.
Du kommst ja ursprünglich aus Domat / Ems im Graubünden. Bist du da auch Skigefahren und vermisst du das heute, da du es vermutlich ja nicht mehr ausüben darfst?
Ja sicher, heute ist es halt wegen der Verletzungsgefahr einfach zu gefährlich.
Fussball
Wie bist du zum Fussball gekommen, wer hat dich "entdeckt", wer hat deine Karriere am meisten gefördert?
Ich hatte zwei gute Jahre beim FC Zürich und dort auch Trainer, die mich weitergebracht haben, wie z.B. Urs Meier, der ja auch Assistenztrainer der Nationalmannschaft Liechtensteins ist. Effektiv entdeckt wurde ich von Guga, einem Berater, der bei einer Agentur arbeitet. Nach dem " Blue Stars - Turnier " gab es offenbar Angebote aus Deutschland, Italien und Holland. Mein Berater hat mir aber davon abgeraten und mir empfohlen, mich zuerst in der Schweiz durchzusetzen. Berater haben ja häufig nur ihre eigenen Interessen im Auge und da bin ich wirklich froh, dass ich hier Leute um mich herum habe, die wirklich auch meine Interessen verfolgen.
Was schätzt du besonders an Christian Gross?
Er ist eine sehr grosse Persönlichkeit, die auch viel Wert auf Disziplin legt, was ich persönlich sehr schätze. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal mit ihm arbeiten darf, er ist für mich schlicht ein sensationeller Trainer.
War dein Weg zum Profi-Fussballer ein steiniger, gab es Rückschläge, Verletzungen, Motivationsprobleme, oder ist dir immer alles leicht gefallen?
Sowohl als auch. Natürlich hatte ich meine beiden schweren Verletzungen, so gesehen war es ein steiniger Weg. Auf der anderen Seite ist es zum Schluss sehr schnell gegangen. Vor einem halben Jahr habe ich beim FC Zürich noch in der U18 gespielt, und nun hatte ich schon meinen ersten Champions League Einsatz. Man muss aber darauf achten, dass man am Boden bleibt, es kann jeweils auch sehr schnell wieder nach unten gehen.
Was hast du für ein Ziel vor Augen (kurz- mittel- und längerfristig)?
Mein ursprüngliches Ziel war mal, ein paar Einsätze in der ersten Mannschaft zu haben, was ich ja auch schon erreicht habe. Auf dem will ich natürlich aufbauen und darauf hinarbeiten, dass ich noch mehr Einsätze erhalte. Bis in etwa 2 – 3 Jahren möchte ich dann Stammspieler beim FC Basel sein - und der Rest ergibt sich mit der Zeit.
Wann hast du mit Fussballspielen angefangen?
Mit 5 Jahren habe ich bei den Junioren des FC Ems mit Fussballspielen begonnen.
Stammst du aus einem fussballverrückten Umfeld und teilt deine Familie deine Leidenschaft?
Absolut. Mein Onkel hat bei den Amateuren von Bayer Leverkusen gespielt. Aber auch den Rest der Familie kann man fussballverückt im positiven Sinn nennen.
Was war dein bisheriges fussballerisches Highlight?
Da gibt es kein Zögern: Mein Einsatz im Champions League - Spiel gegen Donetsk.
Hast du eine spezielle Bezugsperson beim FCB, sei dies im Team oder aber auch im weiteren Umfeld (Medi-Team, Geschäftsstelle, Vorstand) des FCB?
Keine spezielle, ich habe eigentlich Bezugspersonen bei der Mannschaft, aber auch beim Staff und der Geschäftsstelle.
Hast du immer auf der momentanen Position oder auch schon auf anderen Positionen gespielt? Welches ist deine Lieblingsposition?
Eigentlich bin ich ein gelernter Innenverteidiger, in der U15 des FC Zürich habe ich auch schon hinten links gespielt, auch im B-Kader der Schweizer Nati habe ich schon auf dieser Position gespielt. Dann habe ich es irgendwann auch als Stürmer versucht, und das ist definitiv die Position die mir am besten liegt.
Gibst du gerne Interviews?
Dies ist eigentlich mein erstes richtig langes Interview und ich muss gestehen, dass es mir durchaus Spass macht ;-).
Was waren deine Eindrücke bei den ersten Trainings mit der ersten Mannschaft? Was hat dich am meisten überrascht oder beeindruckt?
Es war ein grossartiges Gefühl, zum ersten Mal als Mitglied dieses Teams mitzutrainieren. Auch das Trainingslager war beeindruckend. Mir wurde die ganze Professionalität dieses Vereins bewusst. Dies beginnt bei der Geschäftsstelle, geht über den Staff bis zu den Mitspielern, welche ja teilweise über eine immens Erfahrung verfügen.
Welche Trikotnummer (generell / beim FCB) würdest du nie auswählen?
Das ist mir völlig egal, Hauptsache meine Trikotnummer ist auf der Startaufstellung ;-).
Was ist besser: ein langsames Heranführen an die Super League durch Teileinsätze oder der Wurf ins kalte Wasser durch mehrere voll durchgespielte Spiele hintereinander ?
Natürlich kann ich nur für mich sprechen, aber ich denke, das Heranführen ist die bessere Variante. Gerade wenn es nicht läuft, kann es für einen jungen Spieler auch eine Belastung sein, wenn er mehrere Spiele voll durchspielt. Wenn man aber langsam herangeführt wird, wie es Herr Gross in meinem Fall macht, dann hat dies meines Erachtens nur Vorteile. Herr Gross hat mir gegen Vaduz das Vertrauen geschenkt und ich konnte zwei Tore erzielen. Dann hat er mich pausieren lassen, sodass ich nicht unter Druck gesetzt wurde, Christian Gross macht dies meiner Meinung nach sehr gut.
Bist du vor einem Spiel nervös? Was tust du dagegen?
In den ersten zwei, drei Spielen war ich sicher sehr nervös, aber in der Zwischenzeit hat sich dies gelegt. Natürlich bin ich schon noch ein wenig nervös, aber ich sage mir dann einfach – Orhan das ist dein Job.
Lässt du dich durch Zeitungsartikel oder Spielerbewertungen beeinflussen?
Ich lese natürlich die Zeitungskommentare nach einem Spiel, aber ich lasse mich da eigentlich nicht davon beeinflussen.
Du warst zuerst bei GC und danach beim FC Zürich. Spieler mit einer solchen „Vergangenheit“ haben es sonst schwer bei den Basler Fans. Worauf führst du deine Akzeptanz bei den Fans zurück?
Die beiden Tore gegen Vaduz haben mir meinen Einstand bei den Fans sicher erleichtert. Auf der anderen Seite war ich ja streng genommen, weder bei GC noch beim FCZ in der ersten Mannschaft sondern, im Beispiel des FCZ im Nachwuchs. Ausserdem bin ich Bündner.
Dein Wechsel vom FCZ zum FCB verlief nicht ohne Nebengeräusche. FCZ-Sportchef Fredy Bickel sprach gar von einer moralischen Enttäuschung und dass der Transfer vor allem des Geldes wegen zustande kam. Wie sieht deine Sicht der Dinge aus?
Wenn es mir wirklich ums Geld ginge, dann hätte ich ins Ausland gewechselt. Ich hatte wie schon gesagt gute Jahre in Zürich und auch keine Probleme. Aber da kam der FC Basel, und in der Schweiz ist halt der FC Basel einfach das Mass aller Dinge. Ich denke das Ziel der meisten Spieler in der Schweiz ist es, einmal für den FC Basel zu spielen. Und dann sind da natürlich auch noch die Fans, die sind einfach sensationell. Wenn ich im Stadion einlaufe, bin ich 200% motiviert und ich denke, das spüren die Fans auch. Ich hoffe, diese Aussage wird mir nicht als " Einschleimen " verstanden, denn es ist einfach so. Punkt.
Letztes Jahr hattest du ja nur einen Einsatz in der ersten Mannschaft beim FCZ gegen den FC St. Gallen. Nun hast du bereits deine Champions League - Taufe hinter dir. Erstaunt dich dieser schnelle Aufstieg und macht dir dies evtl. auch Angst?
Erstaunt bin ich schon, wie schnell es letztlich gegangen ist. Ich realisiere manchmal immer noch nicht, dass ich wirklich in der Champions League gespielt habe. Aber Angst? Nein Angst habe ich wirklich nicht, es ist einfach wichtig auf dem Boden zu bleiben und da habe ich ja die notwendigen Menschen in meinem Umfeld, die dafür sorgen.
Bist du mit deinen bisherigen Leistungen zufrieden?
Durchaus. Ich arbeite aber auch jeden Tag dafür. Vor oder nach dem Training gehe ich jeweils noch Velofahren, um meine Muskulatur zu kräftigen und so weiteren Verletzungen vorzubeugen. Da ist niemand dabei, der mich anstosst und motiviert, sondern dies muss von mir selber kommen. Aber ich habe im Moment noch nichts erreicht und kann mich somit nicht selbstzufrieden zurücklehnen. Aber ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg.
Wie ist der Kontakt mit dem FCB zustande gekommen?
Ruedi Zbinden hat mich mal angerufen und wir haben uns in Zürich zu einem Gespräch getroffen. Er hat mir dann vom FC Basel und seinen Möglichkeiten erzählt. Ich habe mir das Ganze dann noch lange, etwa zwei Minuten ;-), überlegt - und danach zugesagt.
Du hast bei deinem ersten Tor für den FCB in einem Freundschaftsspiel das FCB-Wappen geküsst? Was hatte das für eine Bedeutung?
Das war purer Stolz. Der FCB war nun mein neuer Arbeitgeber und ich konnte eine erste Rate in Form eines Tores zurückzahlen ;-).
Spielst du lieber in einem System mit zwei oder gar drei Stürmern?
Schwerer und aufwändiger ist es sicher in einem System mit nur einem Stürmer zu spielen. Aber letztlich spielt es keine Rolle. Der Trainer bestimmt das System, und als Spieler hat man das Beste daraus zu machen. Wenn es aber nur ein Stürmer ist, dann habe ich nichts dagegen, wenn ich dieser Stürmer bin ;-).
Standardfragen
Was war das Verrückteste / Mutigste / Absurdeste, was du je gemacht hast?
Vom FC Zürich zum FC Basel zu wechseln ;-)?
Wenn du einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?
Ich würde jedem jungen Fussballspieler wünschen, dass er Profispieler werden kann und somit seine Hobby zum Beruf machen kann, denn ich weiss nun, wie es ist, wenn ein Traum wahr wird.
Gibt es eine Persönlichkeit (Sportler, Politiker, Künstler, Aktivist o.ä.), die dich beeindruckt und warum?
Thierry Henry – er ist mein grosses Vorbild. Ich möchte mal so werden wie er, und nun habe ich sogar die Möglichkeit, ihn persönlich kennen zu lernen, wenn wir gegen den FC Barcelona spielen.
Was bringt dich in Rage?
Wenn wir verlieren oder ein Goal kassieren. Es ist jeweils nur ein kurzer Moment, denn danach muss man wieder aufstehen und sich neu konzentrieren, es hat keinen Sinn sich, zu lange darum Gedanken zu machen.
Was machst du in 20 Jahren?
Keine Ahnung ;-). Das lasse ich auf mich zukommen.
Welches Talent hättest du gerne?
Ich würde gerne die Zeit vorhersehen können ;-)
Welches ist die stärkste Liga für dich?
Die englische Premier League.
Welches ist dein Traumverein ausser dem FCB?
Chelsea
In welchem Stadion würdest du gerne einmal spielen?
Camp Nou oder Old Trafford, aber es gibt ja viele schöne Stadien.
Du hast die Möglichkeit 3 absolute Topspieler in das Team des FCB zu holen. Welche würdest du verpflichten?
Welche Frage, die unbedingt in dieses Interview gehört, haben wir nicht gestellt und wie lautet die Antwort?
Welche Sportart ist am beliebtesten auf dieser Welt? Natürlich Fussball !
Besuchst du regelmässig www.fcb.ch?
Eigentlich jeden Tag.
Wieviele Hits ergibt im Google die Eingabe von Orhan Mustafi?
20 – 30? (Ist etwas sehr bescheiden, in Wirklichkeit sind es 5'450 Hits)
Das Interview führte Urs Dünner