Auch im Spiel 1 als Schweizer Meister 2012 gewinnt der FCB weiter
Im ersten Spiel nach der rauschenden Meisterfeier in der Basler Innenstadt gewann der FC Basel 1893 am Mittwoch, 2. Mai 2012, mit einer ziemlich stark veränderten Mannschaftsaufstellung gegen den FC Thun mit 2:1 (1:1). Die Treffer für die Basler erzielten vor 26‘561 Zuschauern im St. Jakob-Park Stephan Andrist und Alex Frei per Foulpenalty. Auch für das Thuner Erfolgserlebnis war ein FCB-Spieler zuständig – Pechvogel Joo Ho Park erzielte den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich mit einem Eigentor. Nach diesem neuerlichen Vollerfolg bleibt der FC Basel auch im 24. Ligaspiel hintereinander ungeschlagen und bricht den bisherigen Rekord seit Bestehen der Super League aus der Saison 2003/2004.
Man kann nicht sagen, dass beim FC Basel 1893 in den vergangenen Wochen und Monaten besonders viel schief gelaufen wäre. Deshalb schien es für die Basler einigermassen verkraftbar zu sein, dass Linksverteidiger Joo Ho Park im Heimspiel gegen den FC Thun in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit ein kleines Malheur unterlief. Der Südkoreaner wollte eine Flanke Enrico Schirinzis von der linken Seite ganz sanft ins Corner-Aus klären – doch stattdessen lenkte er den Ball zu seinem grossen Erstaunen ins eigene Tor. Einen kurzen Moment sass Park ungläubig am Boden und blickte in Richtung Muttenzerkurve, eher er – unter aufmunterndem Applaus der Zuschauer – zur Halbzeitpause in die Kabine schritt.
Vermutlich lässt sich ein solches Missgeschick etwas besser verschmerzen, wenn man Teil einer Mannschaft ist, die sich gerade eben zum vorzeitigen Schweizer Meister küren lassen konnte. Kommt hinzu, dass sich Park und seine Teamkollegen mit fünf weiteren Spielen inklusive Cupfinal mental noch keineswegs in die Sommerpause verabschiedet haben und deshalb auch nach dem Seitenwechsel alles daran setzten, gegen die Berner Oberländer als Sieger vom Platz zu gehen. Dies gelang am Ende dieses Fussballabends im St. Jakob-Park, doch die Aufgabe hatte sich alles andere einfach gestaltet. Denn das Team von Trainer Bernard Challandes war hervorragend auf den FCB eingestellt.
Schönes Volleytor von Stephan Andrist
Joo Ho Parks Eigentor kurz vor der Pause bedeutete den 1:1-Ausgleich. Die Basler waren bis dahin spielbestimmend gewesen und auch ziemlich früh durch Stephan Andrist in Führung gegangen: Der Berner Oberländer traf in der 16. Minute gegen seinen Ex-Club, in dem er bei einem sehr schönen FCB-Angriff die perfekte Flanke von Park volley zum 1:0 verwertete – es war Andrists zweites Saisontor für die Basler. Der rechte Flügel kam im Vergleich zum Lausanne-Spiel vom Sonntag neu in die Startaufstellung des FCB, ebenso wie Torhüter Massimo Colomba, Philipp Degen, Radoslav Kovac, Gilles Yapi, Cabral, Valentin Stocker und Jacques Zoua.
Trotz der optischen Überlegenheit konnte sich die Equipe von Trainer Heiko Vogel verhältnismässig wenig zwingende Chancen erarbeiten. Die Thuner standen von Beginn weg weit in die Basler Platzhälfte hinein und störten den FCB mit aggressivem Pressing im Spielaufbau. Dies führte dazu, dass der FCB zwar das Spiel weitgehend kontrollierte, in der gegnerischen Hälfte die letzte Präzision aber bisweilen vermissen liess. „Thun hat das sehr gut gemacht“, lobte Vogel hinterher, „wir konnten dem Spiel – anders als sonst – phasenweise überhaupt nicht den Stempel aufdrücken.“ Er sei deshalb froh, so der FCB-Trainer, dass im Endeffekt dann noch die individuelle Klasse in seinem Team abrufbar gewesen sei.
Damit war in erster Linie Alex Frei gemeint. Der Basler Topskorer erzielte in der 70. Minute per Penalty gewohnt souverän den 2:1-Siegtreffer, nachdem er selbst von Torhüter David Da Costa gefoult worden war. Auch aufgrund mehrerer guter Chancen für die Berner Oberländer, die immer wieder vom starken Ersatztorhüter Massimo Colomba zunichte gemacht wurden, sagte Trainer Vogel hinterher: „Wir haben diesen Sieg etwas glücklich errungen, es wäre sicher auch weniger möglich gewesen.“ Thun-Trainer Challandes sprach nach dem Spiel deshalb davon, dass Fussball manchmal „bitter ist, denn wir haben wirklich gut gespielt hätten es für einmal verdient gehabt, gegen Basel zu gewinnen“.
So aber hat der alte und neue Schweizer Meister nun – bei wieder einmal gleicher Anzahl Spiele – bereits sagenhafte 21 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten FC Luzern. Auf den FC Zürich, gegen den der FCB am kommenden Sonntag im Letzigrund spielt, sind es gar 33 Zähler.
Geld für den Nachwuchs und ein Theater-EM-Titel
Vor dem Spiel hatte es im St. Jakob-Park noch zwei besondere Ehrungen gegeben: Zunächst wurden Aleksandar Dragovic und Alex Frei vom „Blick“ respektive von dessen Lesern als beste Super-League-Spieler der vergangenen zwei Monate ausgezeichnet – der Preis dafür sind je 2000 Franken für die Nachwuchsabteilung des FCB. Danach wurde der FC Theater Basel von Benjamin Huggel für den Sieg an der 44. Theater-Europameisterschaft vom 1. Mai 2012 geehrt. Die Basler sind die erste Schweizer Mannschaft, welche diesen Titel erringen konnte. Es gelang ihnen dank eines 1:0-Siegs über die Opéra National de Paris.
(Remo Meister)
Das Telegramm:
FC Basel 1893–FC Thun 2:1 (1:1)
St. Jakob-Park. – 26‘561 Zuschauer. – SR Patrick Graf.
Tore: 16. Andrist 1:0 (Park). 46. (1.HZ) Park (Eigentor) 1:1. 70. Alex Frei 2:1 (Foulpenalty).
FC Basel: Colomba; Ph. Degen, Abraham, Kovac, Park; Andrist (72. Buess), Cabral, Yapi, Stocker (90. Granit Xhaka); Alex Frei, Zoua (84. Fabian Frei).
FC Thun: Da Costa; Bigler (83. Matic), Schindelholz, Ghezal, Wittwer; Bättig; Hediger, Christian Schneuwly, Demiri (89. Volina), Schirinzi; Marco Schneuwly (67. Rama).
Bemerkungen: FCB ohne Chipperfield, Voser und Pak (alle verletzt), restliche Spieler ohne Aufgebot. Thun ohne Reinmann, Lüthi, Siegfried, Vieira, Schneider (alle verletzt). – Verwarnungen: 54. Bigler (Foul). 59. Kovac (Foul). 62. Yapi (Foul). 64. Frei (Reklamieren). 69. Da Costa (Foul).