Andrej Bacanin: «Ich sehe Erwartungen nicht als Druck, sondern als Privileg»

Andrej Bacanin
Donnerstag, 19.02.2026 // 17:00 Uhr

Mit 18 Jahren den Schritt ins Ausland gewagt, raus aus der Belgrader Komfortzone und hinein in ein neues Kapitel bei Rotblau: Seit Juli 2025 steht Andrej Bacanin beim FC Basel 1893 unter Vertrag und ist inzwischen auch sportlich angekommen. Neben Kochtipps per Video-Call und Klassiker-Euphorie spricht der junge Mittelfeldspieler im Interview über Geduld, Glauben und grosse Träume. 

Andrej, du bist jetzt seit knapp sieben Monaten in Basel. Wie hast du dich am Rheinknie eingelebt? 
Andrej Bacanin: Ich habe mich vom ersten Tag an sehr wohlgefühlt. Die Jungs in der Kabine und alle im Verein haben mich unglaublich herzlich aufgenommen. Es war schon von Anfang an so, als wäre ich schon seit vielen Jahren hier. Ich habe auch rasch eine Wohnung gefunden und mich eingelebt. Natürlich war ich gespannt, wie es wird, das erste Mal ohne meine Eltern im Ausland zu leben. Aber ich habe viel Unterstützung, denn auch ein Teil meiner erweiterten Familie lebt in der Nähe. Mein Cousin, der für mich wie ein Bruder ist, zog vor drei oder vier Jahren mit seiner Frau nach Basel. Das war Zufall, aber es bedeutet mir sehr viel, weil ich eine Menge Zeit mit ihnen verbringen kann und sie mir auch die Stadt gezeigt haben. Basel ist wirklich wunderschön. 

Ein Wechsel ins Ausland ist mit 18 Jahren ein grosser Schritt. Was war für dich persönlich die grösste Umstellung und wie bist du mit dieser neuen Situation umgegangen?  
Es war eine grosse Veränderung, vor allem, weil ich seither zum ersten Mal allein in einem anderen Land lebe. In Belgrad war ich in meiner Komfortzone – ich hatte mein ganzes Leben dort verbracht. Hier musste ich mich an neue Menschen, eine neue Kultur, einen neuen Verein und eine neue Sprache gewöhnen. Ich habe einfach weiter hart gearbeitet und daran geglaubt, dass sich alles fügen würde. Das hat auch Dank meinen Mitspielern wie Bare, Soti, Albi (Anm. d. Red.: Barisic, Soticek, Ajeti) und den anderen gut geklappt, denn sie haben mich sehr herzlich aufgenommen. Ich weiss noch: Am Anfang hat mir meine Mutter per Videoanruf beim Kochen geholfen. Heute klappt das aber allein (schmunzelt)

Der serbische U19-Nationalspieler hat bisher 21 Partien für den FCB bestritten.

Zu Beginn warst du noch nicht oft Bestandteil der Startelf. Wie hast du diese Phase mit wenig Spielzeit erlebt und was hat dir geholfen, dranzubleiben?  
Es war nicht leicht. Man kommt mit grossen Erwartungen und merkt dann schnell, dass es nicht so einfach wird. Aber der Club und das Trainerteam haben an mich geglaubt. Sie wussten, dass alles neu für mich war, und gaben mir Zeit. Diese Geduld hat mir geholfen, dranzubleiben. Zudem ist die Religion ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Sie hilft mir, schwierige Situationen zu meistern und gibt mir viel Kraft, sowohl auf als auch neben dem Platz. 

Seit Dezember kommst du regelmässiger zum Einsatz. Woran hast du konkret gearbeitet, um dich aufzudrängen?  
Vor allem an meiner körperlichen Verfassung. Bevor ich hierherkam, hatte ich zweieinhalb Monate lang kein Spiel bestritten, weil mein ehemaliger Verein wusste, dass ich woanders unterschreiben würde. Ich habe auch nicht viel mit der Mannschaft trainiert, deshalb war ich auch noch nicht in Topform und brauchte Zeit. Gleichzeitig habe ich intensiv an meinem Spielverständnis gearbeitet. Das Trainerteam hat mir geholfen, auf dem Platz bessere Entscheidungen zu treffen und genau zu verstehen, was sie von mir erwarten. Jetzt macht es mir richtig Freude, auf dem Platz zu stehen. 

Im Klassiker gegen Zürich ist dir mit dem Assist zum 2:1 die erste Torbeteiligung im rotblauen Trikot gelungen. Wie hast du diesen Moment erlebt? 
Seit ich in Basel bin, haben alle über den Klassiker und die Rivalität zwischen Zürich und Basel gesprochen und gesagt, dass es das grösste Derby der Schweiz ist. Als wir dann in der letzten Minute den Siegtreffer gegen sie erzielten und ich meinen ersten Torbeitrag leisten konnte, war ich wirklich glücklich und sehr emotional. Die Fans und die Atmosphäre waren unglaublich. Das hat nicht nur mir Selbstvertrauen gegeben, sondern der ganzen Mannschaft. Wir haben Charakter gezeigt und sind nach einem Rückstand zurückgekommen. Auf solchen Momenten können wir aufbauen. 

In der 96. Minute brechen nach dem Siegtor gegen den FC Zürich alle Dämme.

Die Fans lernen dich gerade erst kennen. Wie würdest du dich selbst beschreiben – als Mensch und als Spieler auf dem Platz?  
Als Person denke ich... Es ist immer schwierig, über sich selbst zu sprechen. Da muss ich ein wenig nachdenken… 

Assistenztrainer Matthias Kohler, der im Raum bei der Kaffeemaschine steht und mithört, schaltet sich ein: «Das ist doch einfach. Du bist sehr reflektiert, du denkst, bevor du redest, du bist freundlich, hast Empathie – alles positive Attribute, die sich auch auf dem Feld widerspiegeln.» 

(Lacht) Danke, Matze. Ich würde schon sagen, dass ich höflich bin. Ich versuche, andere Menschen zu verstehen sowie ihnen zu helfen, wenn ich kann. Mit den Jungs im Team bin ich immer offen und möchte, dass sich alle wohlfühlen. Als Spieler bringe ich dann aber schon gerne Aggressivität und Energie ins Team. Meine Stärken würde ich in meinem Spielverständnis sehen, wenn ich versuche, Situationen gut zu lesen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

Wie verbringst du deine Zeit am liebsten, wenn du nicht gerade auf dem Platz stehst? Entdeckst du Basel auch ausserhalb des Trainingsgeländes? 
Ja, mit Barisic und Soticek habe ich schon viele Orte in Basel besucht. Wir gehen oft in Restaurants oder machen Spaziergänge in der Stadt. Ich war auch einmal mit meiner Familie in Interlaken. Das war sehr beeindruckend. Ausserdem habe ich mit Deutschunterricht begonnen. Ich verstehe schon viel, beim Sprechen brauche ich aber noch etwas Zeit. Ich möchte einfach keine Fehler machen.

Dass Andrej Bacanin nicht gern über sich selbst spricht, ist typisch für seine bescheidene und authentische Art.

Was sind deine persönlichen Ziele? 
Ich will mit Basel etwas gewinnen. Wenn ich eines Tages auf meine Karriere zurückblicke, möchte ich sagen können, dass ich hier Grosses erreicht habe. Der Club gibt mir viel, da möchte ich etwas zurückgeben – auch den Fans, die von Anfang an immer positiv mir gegenüber waren. Klar, gibt es auch langfristige Visionen wie meinen Lieblingsverein Liverpool und auch von der Champions League habe ich als Kind immer geträumt. Aber alles Schritt für Schritt. Jetzt zählt Basel. 

Gibt es Mitspieler oder Vorbilder, von denen du besonders viel lernst? 
Um ehrlich zu sein, lerne ich täglich am meisten von meinen Eltern. Auch wenn ich sie und meine beiden kleinen Brüder derzeit leider nur etwa einmal im Monat live sehe. Im Sport schaue ich hoch zu Grössen wie Novak Djokovic und Cristiano Ronaldo, der mein Lieblingsspieler ist. Aber auch bei uns im Team gibt es viele Persönlichkeiten, von denen man lernen kann. 

Als junges Talent sind die Erwartungen schnell hoch, besonders in der derzeit sportlich schwierigen Phase des Clubs. Wie gehst du mit diesem Druck um? 
Erwartungen gehören dazu. Wir sind Profis – das ist unser Beruf. Ich sehe das nicht als echten Druck, sondern als Privileg. Wir dürfen das tun, was wir lieben. Wenn überhaupt, dann bin ich es selbst, der sich eigene Ziele hoch setzt. An meinem Umgang damit arbeite ich mit meinem Mentalcoach. Denn wichtig ist, dass ich innerlich stabil bleibe. Aber als echten Druck würde ich eher bezeichnen, wenn Menschen kämpfen müssen, um ihre Familien zu ernähren. Dagegen ist Fussball ein Geschenk. Wir müssen in schwierigen Momenten einfach zusammenhalten, noch härter arbeiten, uns verbessern und so schnell wie möglich aus der Situation herauskommen. 

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