Erni Maissen – nach wie vor unter den Top Drei

Erni Maissen
Mittwoch, 06.05.2015 // 13:12 Uhr

Das Porträt über Erni Maissen stellt die Fortsetzung einer Serie über ehemalige Spieler des FC Basel 1893 dar, die hier auf www.fcb.ch fortgesetzt wird. Bisher wurden Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015) und Nestor Subiat (18. März 2015) porträtiert.

„Nach vorne spielen und immer gewinnen“ – so lautete schon früh Erni Maissens Motto beim Fussballspielen. In Trun, einem Dorf in der Surselva im schönen Graubünden, ist er aufgewachsen. Als Achtjähriger zügelte Erni Maissen mit seiner Familie nach Reinach, wo der Vater eine Stelle als Maschinenschlosser bei der Habasit erhalten hatte. In dieser Zeit betrieb Erni Maissen zwei Sportarten – Fussball und Kunstturnen. Schliesslich entschied er sich dem Fussball den Vorzug zu geben. Der Trainer setzte ihn notabene als Verteidiger ein, nicht etwa als Stürmer. „Von Anfang an musste ich stets mit Älteren zusammenspielen“, erinnert er sich. „Zwar war ich der Kleinste in der Mannschaft, aber ich kannte keine Angst und war unglaublich ehrgeizig. E giftige Chaib eben“.

 

Im B-Junioren-Alter ging es dann richtig los. Nach einem Probetraining bei Heini Keller, dem damaligen Trainer der B-Inter-Junioren des FC Basel 1893, war alles klar: Erni Maissen wechselte zu den Rotblauen. Ein Jahr lang erzielte er im B-Inter Tore wie am Fliessband, im Aufbau und als Stürmer. Dann rückte er ins A-Inter auf. Bei Toni Schnyder hatte er es ebenfalls sehr gut. Nach einigen Partien mit den Reserven des FC Basel durfte er mit den grossen Tenören vom FCB nach Wildhaus ins Trainingslager einrücken. Daniel Hagenbuch, der eigentlich als Stürmer vorgesehen gewesen war, fiel verletzt aus. Erni Maissen konnte seinen Platz einnehmen. In dieser Zeit absolvierte er auch seine Lehre, bei Jacky Maeder als Spediteur KV. „Ausser Markus Tanner und Detlev Lauscher haben beim FCB alle Spieler neben dem Fussball zu 100 Prozent gearbeitet. Das reine Profitum von heute gab es noch nicht.“

 

Einstand mit einem Goal

 

Im jungen Alter von 18 Jahren bestritt Erni Maissen sein erstes Meisterschaftsspiel für die Rotblauen in der Nationalliga A. Auf der Pontaise in Lausanne war dieser Match und prompt gelang ihm ein Tor. Auch in den darauffolgenden Spielen schoss er immer wieder wichtige Treffer. So konnte er sich bei den Baslern trotz namhafter Konkurrenz im Sturm (Serge Muhmenthaler, Peter Marti und Roland Schönenberger waren die anderen Angreifer) behaupten. Doch da der Aufwand für den Fussball stetig höher wurde, wurde auch Maissen ein Jahr später Halbprofi. Nochmals ein Jahr später setzte er voll und ganz auf die Karte Berufsfussballer: „Wir waren damals eine kleine Gruppe mit etwa sechs Leuten, die am Morgen mit Trainer Helmut Benthaus trainierte. Die anderen kamen gegen Abend hinzu.“

 

Lebt den Fussball noch heute mit Temperament und Engagement: Erni Maissen.

Seine Goals erzielte der quirlige Mann mit dem spektakulären Stil bald mit dem linken, bald mit dem rechten Fuss, aber auch per Kopf. „Tore schiessen ist ein bisschen Instinktsache“, erklärt er. „Der Laufweg zum Ball muss stimmen, das Timing muss optimal sein und zudem braucht man einfach das Vertrauen, dass der Ball hineingeht. Ich habe beispielsweise auch Tore gemacht, bei denen ich den Ball nicht sauber getroffen habe.“

 

Schweizer Meister mit dem FCB

 

Auf nationaler Ebene holten Erni Maissen & Co. zwei weitere wertvolle Meistertitel nach Basel. Den ersten sicherte sich der FCB 1976/77, als man Servette Genf in einem dramatischen Entscheidungsspiel vor der beeindruckenden Kulisse von weit über 50'000 Fans im alten Berner Wankdorf dank Toren von Walter Mundschin und Arthur von Wartburg mit 2:1 besiegen konnte. „Ein Meister, den niemand erwartete“, stand daraufhin in der Basler Zeitung zu lesen. Den zweiten Coup landeten die FCBler 1979/80, als sie den FCZ in dessen eigenem Heimstadion Letzigrund vor 23'000 Zuschauern mit 4:2 in die Knie zwingen konnten und am so am allerletzten Spieltag noch Meister wurden. In diesem Match zimmerte Erni Maissen nach einem Alleingang den Ball wunderbar wuchtig zum 1:0 ins hohe Eck und bahnte seinem FCB damit den Weg zum Erfolg – die restlichen Tore erzielten Detlev Lauscher, Peter Marti sowie ein Zürcher Eigentorschütze.

 

Auf internationalem Parkett sind dem Vollblutfussballer die Spiele in Nordirland gegen Glentoran Belfast und in Belgien gegen den FC Brügge in Erinnerung geblieben. Beide Male durfte er sich als Torschütze feiern lassen – und beide Male kam der rotblaue Stadtclub eine Runde weiter. Die Spiele gegen Roter Stern Belgrad, die für lange Zeit die letzten Europacup-Spiele des FCB bleiben sollten, waren für ihn ebenfalls denkwürdig, obschon der FCB damals nach einem 1:0-Sieg zuhause und einer 0:2-Niederlage auswärts knapp ausgeschieden ist. Alles in allem traf der trickreiche Maissen für die Rotblauen in 406 Spielen insgesamt 143 Mal ins gegnerische Netz. Er figuriert damit nach wie vor in den Top Drei der FCB-Rekordtorschützen aller Zeiten, hinter Seppe Hügi II und neuerdings auch hinter Marco Streller, aber noch vor Karl Odermatt, René Bader, Christian Gimenez, Alex Frei und Helmut Hauser.

 

Den FCB vor dem Abstieg gerettet

 

Natürlich lief auch in der Fussballkarriere von Erni Maissen nicht immer alles nach Wunsch. So wechselte er einmal nach Zürich und erlebte dort ein Trainerkarussell sondergleichen. Nach nur einem Jahr bei den Limmatstädtern zog er die Reissleine und kehrte reumütig wieder zurück. In der Saison 1986/87 kam es für den FCB knüppeldick. Die Bebbi hatten Finanzprobleme und bekundeten in der NLA-Meisterschaft allergrösste Mühe. Das Abstiegsgespenst ging um. Nach vielen verkorksten Partien stand zum Schluss ein entscheidendes Spiel gegen Wettingen auf der Schützenmatte an. Zu diesem Zeitpunkt wusste man, dass Erni Maissen den FCB ein zweites Mal verlassen würde. Aber mit vier blitzsauberen Goals rettete er damals den FCB und schickte die Aargauer vor 5000 Zuschauern mit 7:0 nach Hause. Die prägnante Schlagzeile zum Bericht von Josef Zindel in der Basler Zeitung am darauffolgenden Tag lautete: „Aus der Not eine Tugend, aus dem Spiel der Angst ein Fussballfest gemacht.“ Es folgten für Erni Maissen zwei gute Jahre bei den Berner Young Boys. Der FC Basel konnte sich Maissens Lohn in jener Epoche übrigens schlicht nicht mehr leisten. Die FCB-Erfolgszahlen und die dank Champions League blitzblank polierten Bilanzen von heute lagen damals noch in weiter Ferne.

 

Der FCB, mit Erni Maissen, feiert den Meistertitel 1977.

Nach Abschluss seiner Karriere betätigte sich Erni Maissen als Kolumnist beim Baslerstab und später beim Blick. Schon als Spieler hatte er immer seine Meinung klar und deutlich kundgetan, und so tat er es fortan auch als Schreiber. Er betrieb in dem Sinn keine Hofberichterstattung, sondern sprach mit spitzer Feder klar und deutlich diejenigen Punkte an, die es beim FCB zu verbessern gelte. Es versteht sich von selbst, dass diese offene, unverblümte Art der Berichterstattung nicht überall auf Gegenliebe stiess und dass er damit gelegentlich ziemlich aneckte. Erni Maissen ist deswegen niemandem böse. Er will für sich auch nicht herausnehmen, dass er alles weiss und zu jeder Frage ein allgemeingültiges Patentrezept präsentieren kann. „Im Fussball ist alles Ansichtssache“, sinniert er.

 

Rückkehr zu den Wurzeln

 

Heute ist Erni Maissen wieder zu jenem Verein zurückgekehrt, bei dem er einst gestartet war, zum FC Reinach. Dort spielen derzeit auch seine Söhne Mirco (37) und Nicolas (30) in der 2. Liga Fussball. Und Erni Maissen leitet dort zweimal monatlich das Stürmertraining. Mit seinen Schützlingen trainiert er Angriffsauslösung, Laufwege, Technik und das Mentale – denn dieser Faktor ist heute wichtiger denn je. Erfreulicherweise kann der Altstar nach wie vor selber aktiv Fussball spielen. Mit Temperament und Elan, und so lange ihn seine Füsse tragen, rennt er mit dem ihm eigenen Feuereifer dem runden Leder nach. Bei der Ü50-Mannschaft des FC Reinach agiert er mit viel Geschick und grosser Übersicht im Fünf-Meter-Tor. Er interpretiert dabei seine Rolle zuweilen als spielender Libero, der auch einmal ganz nach vorne mitgeht. Auch hier wieder ist er der alte Erni Maissen, wie man ihn kennt. Er will nach vorne spielen. Und er will immer gewinnen.  

 

Steckbrief

 

Name: Maissen

 

Vorname: Erni

 

Geburtsdatum: 1. Januar 1958

 

Position: Mittelfeldspieler/Stürmer

 

Vereine:

 

Bis 1975: FC Reinach (Junioren)

 

1975-1982 FC Basel (zuerst Junioren, dann 1. Mannschaft)

 

1982-1983 FC Zürich

 

1983-1987 FC Basel

 

1987-1989 BSC Young Boys

 

1989-1991 FC Basel

 

Erfolge: Schweizer Meister 1976/77 und 1979/80 mit dem FC Basel. Alpencupsieger 1981 mit dem FC Basel (Finalsieg im Penaltyschiessen gegen Sochaux). Zahlreiche Europacupspiele mit dem FC Basel, dem FC Zürich und dem BSC Young Boys. 29 Länderspiele für die Schweizer Nationalmannschaft.

 

Maissen beim Spiel der FCB-Friends gegen die FCB-Frauen im letzten Herbst.

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