Eigil Nielsen – Stratege mit genialen Ideen

Portrait
Donnerstag, 16.07.2015 // 13:29 Uhr

Das Porträt über Eigil Nielsen stellt die Fortsetzung einer Serie über ehemalige Spieler des FC Basel 1893 dar, die hier auf www.fcb.ch publiziert wird. Bisher wurden Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015) und Erni Maissen (6. Mai 2015) porträtiert.

Schweizer Meister und Cupsieger wurde er mit dem FC Basel 1893. In der Folge spielte Eigil Nielsen noch zwei Jahre beim FC Luzern, ehe er seine Karriere verletzungshalber beenden musste. So reiste er mit seiner Familie zurück in seine dänische Heimat. Nach einem längeren Abstecher nach Fuerteventura wohnt er heute wieder in seinem Heimatort Hjörring in Dänemarks Norden.

 

„Nielsen legt den Ball Tanner hin. Tanner schiesst aber nicht, obschon er Gelegenheit gehabt hätte, sondern gibt zu von Wartburg. Von Wartburg dribbelt, kommt in den Strafraum, hat eine Schussmöglichkeit, nimmt sie wahr und Toooooor! Toooooor durch von Wartburg: 2:1! 29. Minute der zweiten Halbzeit, 74. Minute insgesamt, Von Wartburg bringt den FC Basel 2:1 in Führung!“

 

Soweit die Schlüsselszene aus der packenden Radio-Reportage des bis in die Haarspitzen motivierten Bernard Thurnheer aus dem legendären Meisterschafts-Entscheidungsspiel FC Basel-Servette Genf vom 28. Juni 1977. 50’000 Zuschauer – darunter gut 20'000 rotblaue Anhänger – drängten sich damals im Berner Wankdorf-Stadion. An diesem Abend erlebten die FCB-Spieler in diesem mythischen Betonkessel ihre Sternstunde. Die Basler waren absolut parat für diesen einen, einzigartigen Moment. Im Lager der Rotblauen wusste man, was es geschlagen hatte. Man musste die favorisierten Genfer in die Knie zwingen. Jeder ging mutig für jeden. Gemeinsam trieben die ganz in Weiss gekleideten FCBler die Millionarios von Servette ins Elend.

 

Eigil Nielsen, der Basler Regisseur, war mittendrin. Der ruhige, blonde Däne zog umsichtig die Fäden im Zentrum des Spiels. Er schickte die quirligen Basler Angreifer immer wieder nach vorne und er verfügte über einen zentimetergenauen Pass, der die FCB-Anhänger von damals noch heute schwelgen lässt. Man kann mit Fug und Recht sagen, Eigil Nielsen hat diesen dramatischen, hin- und herwogenden Match aus Basler Sicht in die richtige Richtung gelenkt. Doch wer ist dieser Eigil Nielsen, woher kommt er, was macht er heute? Wir sind vor einigen Jahren auf Spurensuche gegangen. Jetzt liegt – nach langer Suche und minutiösen Recherchen – das Resultat vor.

 

Anfänge in Dänemark

 

Eigil Nielsen spielte schon in frühster Jugend sehr gerne Fussball. Mit sieben Jahren trat er seinem damals zweitklassigen Heimatclub Hjörring IF bei und verbrachte dort insgesamt 13 Jahre. Mit dem Wechsel zum traditionsreichen Hauptstadtclub KB Kopenhagen in die 1. Division Dänemarks wurde für ihn dann alles etwas ernster. Aus dem gelernten Bankkaufmann wurde ein Berufsfussballer. In Dänemark wurde man schon früh auf Nielsens Talent aufmerksam. Er wurde dann auch für die Nationalmannschaft aufgeboten und erlebte als persönliches erstes Highlight die Qualifikation für die Olympischen Spiele in München. In der Region Nordjütland war ein Stern aufgegangen.

 

Die Meistermannschaft von 1977 mit Eigil Nielsen, der die Faust in die Höhe reckt.

Beim FC Winterthur unter Trainer Willy Sommer ging Eigil Nielsen sein erstes Ausland-Engagement ein. Auf der Schützenwiese avancierte er schnell zu einem der wichtigsten Spieler. Im Team mit Hans Küng, Ernst Meyer, Herbert Dimmeler und Hilmar Zigerlig, dem später auch Roland Paolucci, Kurt Grünig und Peter Risi angehörten, fiel er durch seinen leichtfüssigen Laufstil und durch seine temperierten Pässe auf. Immer wieder gelangen ihm auf Freistösse und durch Schüsse aus der zweiten Reihe wichtige Tore. Insgesamt traf er für Winterthur in 54 Spielen 13 Mal. Ein Erfolg in Form eines Titels blieb ihm jedoch trotz zweimaligen Einzugs in den Ligacup-Final noch verwehrt. Doch dann kam der Tag, an dem der FC Basel anklopfte. Basel war nach den all den Erfolgen in der Benthaus-Ära zum damaligen Zeitpunkt eine der besten Adressen im Schweizer Fussball. Eigil Nielsen unterschrieb beim FCB: Er wusste: „Jetzt beginnt ein neues Kapitel“.

 

Rotblau – die neue Lieblingsfarbe

 

So tauschte dieser geniale Techniker nun also das beige Leibchen mit den zwei züngelnden Löwen und den drei rostroten Streifen gegen das leuchtende rotblaue Leibchen ein. Eigil Nielsen kam nach Basel, zum FCB, bei dem sich zu der Zeit bekanntlich alles um Karli Odermatt drehte. Karli war als Captain die Seele des Teams. Er war in Basel auch für Freistösse und Weitschüsse zuständig. Wenn er gut spielte, lief es dem Team phantastisch. Nach den Spielen im alten Joggeli standen die Buben scharenweise bei Karli für Autogramme an. Und so musste der zurückhaltende Nielsen in seiner ersten Saison etwas zurückstehen. Im Cupfinal 1975 dann durfte er an der Seite von Karli Odermatt mittun. An Einzelheiten aus dem Cupfinal FC Basel-FC Winterthur erinnert er sich zwar nicht mehr, aber schon allein der Gewinn der begehrten Sandoz-Trophäe war für ihn eine Riesensache. Nachdem Karli Odermatt den FCB auf die Saison 1975/76 hin verlassen hatte, trat der technisch versierte Eigil Nielsen gemeinsam mit seinen Teamkollegen Markus Tanner und Arthur von Wartburg die schwere Nachfolge an. Als die Rotblauen am Ende der Saison 1976/77 dank dem eingangs geschilderten Prachtstor im alles entscheidenden Spiel den goldenen Meisterbecher in die Stadt zurückbrachten, kannte die Begeisterung zwischen Rheingasse, Barfüsserplatz und Spalentor keine Grenzen mehr.

 

Bester ausländischer Spieler in der Schweiz

 

Wie erklärt sich der dänische Altstar, der in der Meistersaison im Mittelfeld Regie führte und insgesamt für den FCB in 133 Partien 27 Goals erzielte, diese wunderbaren Erfolge der Basler in jener Phase? „Wir hatten einen tollen Zusammenhalt in der Mannschaft“, resümiert er. „Zudem war der FC Basel ein sehr gut geführter Verein mit netten und kompetenten Leuten – vom Präsidenten Felix Musfeld bis hin zu Bruno Michaud. Auch die Betreuer der Mannschaft waren top.“ Eigil Nielsen wurde in dieser Meistersaison notabene erst noch zum besten ausländischen Spieler der Schweiz gekürt. Im Anschluss an seine Basler Zeit wirkte er noch eine Zeitlang beim FC Luzern. Leider wurde seine Karriere im Jahre 1981 durch einen Wadenbeinbruch mit Knöchelbänderriss im Spiel gegen St. Gallen abrupt gestoppt. Für ihn war damit die Fussballkarriere vorzeitig beendet.

 

Heute noch verfolgt der unterdessen 66-jährige die Geschicke des FC Basel am Fernsehen. „Normalerweise schaue ich Bundesliga, ich bin ein grosser Fan von Bayern München“, schmunzelt er. „Aber wenn der FC Basel spielt, schaue ich mir gerne diese Partien an“. Natürlich ist es bis nach Hjörring vorgedrungen, dass der FC Basel mit Daniel Hoegh vom Odense BK inskünftig wieder einen Dänen unter Vertrag hat. Eigil Nielsen freut sich sehr über diesen Transfer. Er kommentiert ihn wie folgt: „Der Transfer von Daniel Hoegh ist sicher ein vielversprechender Schachzug. Dieser junge Spieler kommt von Odense BK, einem hervorragend geführten Verein aus Dänemark. Odense BK war auch im Europacup engagiert und hat in der Saison 1994/95 sogar das Kunststück geschafft, das grosse Real Madrid auszuschalten.“

 

Fuerteventura und der EM-Titel

 

Von damals bis heute hat sich noch einiges mehr ereignet. So weilte Eigil Nielsen beispielsweise während immerhin zehn Jahren in Fuerteventura und genoss dort die Sonne und das Dolce far niente. Doch jetzt ist er zurück. Das Heimweh nach seinem geliebten Dänemark war letztendlich dann doch zu stark. Zu den schönsten Highlights zählt Eigil Nielsen als waschechter Däne natürlich Dänemarks Gewinn des Europameistertitels. „Das war eine einmalige Geschichte“, blickt er zurück. „Dänemark war ja eigentlich schon ausgeschieden, aber weil Jugoslawien wegen des Bürgerkriegs disqualifiziert wurde, rückten die Dänen in letzter Minute doch noch nach. Alle Spieler waren zu diesem Zeitpunkt schon in den Ferien. Sie mussten nochmals zusammengerufen werden. Und dann dies – der Erfolg über Deutschland im Final. Das ist nach wie vor unglaublich.“

 

Heute ist Eigil Nielsen pensioniert. Er schiebt dementsprechend eine ruhige Kugel. Das Sportgeschäft, welches er jahrelang führte, hat er verkauft. Dem FC Basel wünscht der sympathische, stets faire Sportsmann, der immer noch beneidenswert gut deutsch mit witzigem dänischem Einschlag spricht, für die Zukunft alles Gute. Wir dürfen darauf zählen: Eigil Nielsen wird bei den kommenden grossen Partien der Rotblauen bei sich zuhause in Nord-Dänemark am Bildschirm sitzen und in seiner ureigenen, ruhigen und gelassenen Art mit „seinen“ Baslern mitfiebern.    

 

Der Kontakt mit Eigil Nielsen kam dank Torben Vandsted, dem Pressechef der Damenfussballmannschaft Fortuna Hjörring und Mitorganisator des Dana Cup zustande. Herzlichen Dank für die wertvolle Mithilfe!

 

 

Steckbrief:

 

Name: Nielsen

 

Vorname: Eigil

 

Geburtsdatum: 6. Dezember 1948

 

Beruf: Bankkaufmann, Fussballprofi, Sportartikel-Händler

 

Karriere:

 

Ab 1955 Hjörring IF (Junioren)

 

Ab 1966-69: Hjörring IF

 

1970-71: BK Kopenhagen

 

1971-74: FC Winterthur

 

1974-78: FC Basel

 

1978-80: FC Luzern

 

Erfolge: Cupsieger mit dem FC Basel 1975, Schweizer Meister mit dem FC Basel 1976/77, 23 Europacupspiele mit dem FC Basel, 6 Tore, insgesamt 133 Spiele und 27 Tore für den FC Basel, zweimal Ligacup-Finalist mit dem FC Winterthur, zehn Einsätze mit der dänischen Nationalmannschaft, Qualifikation für die Olympischen Spiele in München.

 

(Fotos: Kurt Baumli)

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