Arthur von Wartburg – der Inbegriff von Vereinstreue

Portrait
Donnerstag, 07.09.2017 // 09:34 Uhr

Das Porträt über Arthur von Wartburg stellt die Fortsetzung einer Serie über ehemalige Spieler des FC Basel 1893 dar, die hier auf www.fcb.ch publiziert wird. Bisher wurden Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017) und Hervé Tum (21. Juni 2017) porträtiert.

Insgesamt 355 Spiele auf nationaler und internationaler Ebene hat er für den FC Basel 1893 absolviert. Insgesamt 23 Tore hat er dabei erzielt. Der Mittelfeldspieler Arthur „Turi“ von Wartburg hat sehr viel geleistet für den rotblauen Stadtclub. Heute wohnt von Wartburg in Wintersingen. Er arbeitet bei der aufstrebenden und hoch angesehenen IMMO FAMILY AG mit Sitz in Aesch.

 

Bernard Thurnheer, der schweizweit bekannte Fussballreporter, hatte seinerzeit, am Ende der Saison 1976/77 die Ehre, in einer Radio-Live-Reportage über das alles entscheidende Spiel der Schweizer Meisterschaft in Bern zu berichten. Der FC Basel traf an jenem Abend im Berner Wankdorfstadion im Entscheidungsspiel um die Schweizer Meisterschaft auf den Servette FC, diese Partie war nötig geworden, weil die beiden Teams am Ende der Saison punktgleich gewesen waren. 50'000 Zuschauer waren gekommen, die Mehrheit unter ihnen rückte aus Basel an. Der FCB-Anhang wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil – die Rotblauen erteilten den Servettiens eine Lektion. 2:1 gewannen sie diesen kapitalen Match. Arthur von Wartburg vom FCB war mittendrin.

 

Wichtigstes Tor

 

Doch blenden wir zurück zu Bernard Thurnheer. Den entscheidenden Treffer von Turi kommentierte „Beni National“ damals in dieser legendären Radio-Reportage wie folgt: „Nielsen legt den Ball Tanner hin. Tanner schiesst aber nicht, obschon er Gelegenheit gehabt hätte, sondern gibt zu von Wartburg. Von Wartburg dribbelt, kommt in den Strafraum, hat eine Schussmöglichkeit, nimmt sie wahr und Tooooor. Tooooor durch von Wartburg, 2:1!“ Turi von Wartburg muss schmunzeln, wenn er auf diese denkwürdige Spielszene angesprochen wird. In seiner gesamten Karriere hat er zwar einige Treffer erzielt, aber kein Goal war so wichtig wie dieses. Der FC Basel wurde dadurch Schweizer Meister – und dies gegen die klaren Favoriten mit dem grossen Budget aus der Calvinstadt.

 

Umsichtiger Regisseur mit glänzender Technik: Arthur von Wartburg.

Insgesamt 355 Mal trug Arthur von Wartburg das rotblaue Trikot, seit er 1973 vom FC Concordia für die damalige Rekordsumme von 120'000 Franken zum FCB gewechselt hatte. Es gibt in der über 120-jährigen Geschichte des FCB nur elf Spieler, die in punkto Einsätze auf derartige Werte kommen. Massimo Ceccaroni steht da ganz vorne, die anderen heissen Otto Demarmels, Jörg Stohler, Karl Odermatt, Erni Maissen, Benjamin Huggel, Scott Chipperfield, Peter Ramseier, Werner Bopp, Seppe Hügi und Bruno Michaud. Zehn Europacupspiele hat Turi absolviert, plus eine ganze Reihe von weiteren Partien auf internationaler Ebene. Zuhause besitzt er drei Medaillen, zwei Meistermedaillen und eine Cupmedaille. Den Cup gewann er 1975 – er spielte sämtliche Partien bis auf den Final. Dort setzte Benthaus auf die älteren Akteure wie Odermatt, Eigil Nielsen, Ottmar Hitzfeld, Walter Balmer und Marcel Kunz.

 

Entscheidendes Spiel in Zürich

 

In der Meisterschaft führte der läuferisch starke und technisch sehr beschlagene Arthur von Wartburg nach Karli Odermatts Wechsel zu YB umsichtig Regie. Auch drei Jahre nach dem eingangs erwähnten Grosserfolg ging es im Schweizer Championnat drunter und drüber. Am Schluss stand der FCB wieder einmal ganz zuoberst. Im Auswärtsmatch gegen den FC Zürich ging es erneut um alles oder nichts. Das Benthaus-Team, welches wie so oft von einer Riesenschar von rotblauen Schlachtenbummlern begleitet wurde, reiste mit viel Zuversicht in die Limmatstadt. „Wir wussten: Wir gehen jetzt dorthin  und gewinnen diesen Match, denn wir wollen unbedingt den Titel“, berichtet von Wartburg über die damaligen Stunden vor dem Spiel. Der Match, der auf der legendären Videocassette „Loos wie d’Füürweer“ verewigt ist, lief von A bis Z für die Rotblauen. Mit einer grimmigen „Jetzt oder nie“-Stimmung ähnlich wie in einem Cupfinal setzten Arthur von Wartburg und seine Getreuen vor 25'000 Zuschauern auf dem alten Letzigrund alles auf eine Karte. Erni Maissen erzielte mit einem knallharten Weitschuss von der Kante des Sechzehners aus ins Lattenkreuz das 1:0. Detlev Lauscher gelang nach genialer Einzelaktion samt krönendem Dribbling am FCZ-Goalie Karl Grob vorbei das 2:1. Hinzu kamen ein kurioses Slapstick-Eigentor Alberto Erbas zum 3:1 plus eine phänomenale Direktabnahme ins hohe Eck zum 4:1 durch Peter Marti.

 

Die Nacht war rotblau. Die Mischung stimmte perfekt. Basel war Schweizer Meister. In der Höhle des Löwen. Auf dem Letzigrund. Im rotblauen Triumphzug, begleitet von „Singing Ay Ay“-Gesängen und flatternden Fahnen, ging es noch am gleichen Abend auf den Basler Marktplatz. Ziel war das Restaurant Mövenpick. Zu vorgerückter Stunde bat FCB-Präsident Dr. René Theler einige der beim Seiteneingang wartenden FCB-Anhänger zum Mitfeiern auf den Balkon. Der Schreibende hatte das Vergnügen, bei diesem unvergesslichen Fest mit den Spielern auf dem Balkon persönlich mit dabei zu sein.

 

Internationale Erinnerungen

 

Gegen Mannschaften aus ganz Europa stand Arthur von Wartburg seinen Mann. Er spielte auch in der zur Ankurbelung des Sport-Toto-Wettbewerbs gegründeten Alpencup-Konkurrenz. Unter anderem gegen den FC Metz, den FC Nantes, die AJ Auxerre, Stade Reims, den SC Bastia (mit Roger Milla), den FC Girondins Bordeaux (mit Albert Gemmrich, Alain Giresse und Jean Tigana) und Olympique Lyon. In den Partien gegen Lyon und Bordeaux stand ein gewisser Bernard Lacombe (Toptorschütze von anno dazumal mit 255 Treffern in der Première Division und berühmter Nationalspieler der Equipe Tricolore) auf der Gegenseite. Noch schöner sind Turis Erinnerungen an den Alpencupfinal 1981 – Basel schwang vor 6000 Fans im Joggeli gegen Sochaux nach einem 2:2 nach Verlängerung im alles entscheidenden Penaltyschiessen obenaus. Von Wartburg erhielt für diesen Final Bernard Genghini, einen schlaksigen, torgefährlichen Nationalspieler, als Gegenspieler zugeteilt. Im Penaltyschiessen versenkte Turi den Ball vom Punkt aus zum zwischenzeitlichen 3:1. Der Endstand in dieser Ausmarchung lautete 5:3 für den FCB.

 

Auf „Turis“ perfekte Steilpässe und auf seine Übersicht konnten sich seine Teamkameraden jederzeit verlassen.

Auch im Europacup, welcher damals noch in die Kategorien Cup der Meister, Cup der Cupsieger und UEFA-Cup unterteilt war, sorgten die Basler damals das eine oder andere Mal für Furore. In den Direktvergleichen mit Atletico Madrid (mit Torjäger Ruben Ayala) und Athletic Bilbao schaute vor respektablen Zuschauerkulissen jeweils ein beachtliches 1:1 heraus. Zuhause siegte man auch gegen Glentoran Belfast und warf damit die Nordiren aus dem UEFA-Cup. Weniger gute Erinnerungen hat Turi dann an den UEFA-Cup-Match gegen den VfB Stuttgart. Die Schwaben, welche mit Hansi Müller, Dieter Hoeness, Hermann Ohlicher und den Förster-Brüdern antraten, hatten in Basel mit 3:2 die Nase vorne. Basel lag noch 1:0 in Führung. In der 40. Minute wurde der zuverlässige Denker und Lenker im Mittelfeld vom Referee McGinlay aus unerfindlichen Gründen mit Gelb-Rot bedacht. Er musste den Platz vorzeitig verlassen. Das war notabene der einzige Platzverweis in seiner gesamten Karriere.

 

Brügge und Roter Stern Belgrad

 

Zum Glück durfte der FCB in der Saison 1980/81 nochmals eine Europacup-Kampagne bestreiten, und die avancierte dann zu einer grandiosen Geschichte. Nach zwei Siegen gegen die Top-Elf des FC Brügge (unter anderem mit Jan Ceulemans und Walter Meeuws – Turi von Wartburg traf im Heimspiel zum 3:1) erhielten die Basler schliesslich Roter Stern Belgrad zugelost. Die Rotweissen von Crvena Zvezda, welche zu der Zeit praktisch die ganze Nationalmannschaft von Jugoslawien stellten, zählten zu den besten Equipen von ganz Europa. Dennoch gelang es den Baslern sie zu besiegen. Vor 30'500 Zuschauern im Joggeli gewann der FCB 1:0 durch einen phantastischen Freistoss aus 22 Metern von Detlev Lauscher. Der Match bot grossartiges fussballerisches Spektakel. Die Stimmung im alten Joggeli, sie war schlicht unbeschreiblich gewesen. Fast wäre im Rückspiel in Belgrad die Sensation perfekt geworden. Doch im imposanten Marakanastadion, auf dessen flach ansteigenden Rängen sich offiziell 90'000 und laut inoffiziellen Schätzungen sogar 115'000 Leute drängten, gewannen die Belgrader das Rückspiel mit 2:0.

 

Der FCB verpasste in diesem bis zum Siedepunkt aufgeheizten Hexenkessel gemäss dem Bericht von Beat Caspar in der Basler Zeitung mehrere gute Chancen auf das Auswärtsgoal. Jörg Stohler und Peter Marti im Duett bei einem gemeinsamen Konter waren ganz nahe beim Erfolg. Dann scheiterte Markus Tanner mit zwei gut gezielten Gewaltschüssen nur um Haaresbreite. Turi Von Wartburg, welcher einen wuchtigen Schuss in Richtung der vorderen Torecke abgab, hatte ebenfalls kein Glück. Detlev Lauscher schliesslich kam dem FCB-Happyend sogar noch ein Stückchen näher. Doch zum Leidwesen der Bebbi konnten all diese Möglichkeiten nicht verwertet werden. Noch heute denkt der einstige Basler Regisseur daran, was anschliessend alles möglich gewesen wäre. Als potentieller Gegner der Rotblauen in der darauffolgenden Runde hätte Inter Mailand gewartet. „Ich brauchte damals ziemlich lange, bis ich diese Niederlage verdaut hatte“, bekennt Turi von Wartburg. Doch seine Fussballkarriere, zu der auch fünf offizielle und mehrere inoffizielle Länderspiel-Einsätze gehörten, kann sich so oder so sehen lassen.

 

Schöner Job, gute Aussichten

 

Während vielen Jahren war Arthur von Wartburg als Ringhändler an der Börse tätig. Später wirkte er während 13 Jahren bei Bernhard Burgener in der Filmbranche. Jetzt arbeitet er nach erfolgreichen Jahren in der Selbständigkeit wieder im Anstellungsverhältnis – in der Immobilienbranche. Er ist bei der IMMO FAMILY AG mit Sitz in Aesch angestellt. Dort kann er in einem elfköpfigen Team arbeiten und verfügt in Sven Gloor und Jan Winteler über ausgewiesene und tolle Vorgesetzte. Familienvater von Wartburg (seine Söhne sind Michael und Sven) ist nebst der Vermittlung von Immobilien als Spezialist für das „Verkaufen im Alter mit Sorglospaket“ verantwortlich. Seniorinnen und Senioren berät und begleitet er beim Umzug aus dem Eigenheim in eine Altersresidenz. Er steht diesen Menschen für alle Fragen hilfreich zur Seite und organisiert auf Wunsch Dienstleistungen aller Art.

 

„Obwohl ich an sich in einem Jahr pensioniert sein werde, werde ich weiterhin arbeiten, und dies mit grosser Freude und Dankbarkeit. Der Job hier gefällt mir ausserordentlich gut“, gibt er zu Protokoll. Selbstverständlich ist er nach wie vor sehr am FCB interessiert. Wenn immer möglich, verfolgt er Spiele vor Ort. „Ich habe drei Jahreskarten im Sektor B5. Es kribbelt mich immer noch, wenn die Rotblauen zu einem Spiel einlaufen“, lächelt er.

 

 

Steckbrief:

 

Name: Von Wartburg

 

Vorname: Arthur

 

Geburtstag: 25.12.1952

 

Position: Mittelfeldspieler

 

Vereine:

 

FC Concordia Basel: Bis 1972

 

FC Basel: 1973-1984

 

FC Grenchen: 1985

 

Erfolge:

 

Schweizer Meister mit dem FC Basel 1976/77 und 1979/80. Cupsieger 1974/75 mit dem FC Basel. Alpencupsieger 1981 mit dem FCB. Cupfinalist, Ligacupfinalist und Alpencupfinalist mit dem FCB. Meistercup-Teilnahmen mit dem FCB 1977/78 gegen Innsbruck und 1980/81 gegen Brügge und Roter Stern Belgrad. Zahlreiche weitere Auftritte im internationalen Fussball mit dem FCB. Aufstieg mit dem FC Grenchen in die Nationalliga A 1984/85. Fünf Länderspiele.

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