Scott Chipperfield – der Australier mit dem eigenen Fan-Lied

Portrait
Mittwoch, 15.11.2017 // 16:12 Uhr

Das Porträt über Scott Chipperfield stellt die Fortsetzung einer Serie über ehemalige Spieler des FC Basel 1893 dar, die hier auf www.fcb.ch publiziert wird. Bisher wurden Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017), Hervé Tum (21. Juni 2017) und Arthur von Wartburg (7. September 2017) porträtiert.

Siebenmal war er Schweizermeister, sechsmal Cupsieger – und das immer mit dem FC Basel 1893. Scott Chipperfield ist dank diesen Erfolgen zum FCB-Rekord-Titelsammler avanciert. Auch auf internationalem Parkett war Scotty mit den Rotblauen höchst erfolgreich. Er stand im Final des UI-Cups gegen Aston Villa und bestritt zahlreiche legendäre Europacup-Partien.

 

Wir sehen ihn in Gedanken heute noch vor uns, wenn wir im St. Jakob-Park im Sektor A hinter der FCB-Spielerbank sitzen und aufs Feld schauen. Mit seiner Kurzhaarfrisur dribbelt sich Scott Chipperfield mit dem Ball am Fuss Richtung Grundlinie durch. Von dort aus bringt er Mal für Mal phantastische Flanken an. In bester Erinnerung geblieben sind auch seine  überraschenden Torschüsse und seine entscheidenden Kopfbälle, die auf stupender Technik beruhen. Der heute 42-jährige Australier ist zweifellos einer der berühmtesten Akteure, der je beim FC Basel gespielt hat. Sein draufgängerischer Spielstil nach dem englischen Motto «Running and fighting» ist unvergessen.

 

Aller Anfang war auch für den Australier schwer. Als er zu Beginn der Saison 2001/2002 zum FCB stiess, vernahm er bei seiner Ankunft auf dem Flugplatz das erste Resultat seiner neuen Teamkameraden in der NLA-Meisterschaft. Der FCB hatte fürchterlich Schiffbruch erlitten, mit dem Steinzeitresultat von 1:8 in Sion. Scott Chipperfield fragte sich damals, ob er nicht gescheiter zum FC Lorient hätte wechseln sollen. Dieser Verein mit unter anderem Pascal Feindouno, Jean-Claude Darcheville, Pape Malick Diop und Seydou Keita im Kader war im Buhlen um Chipperfield mit dem FCB in einem Kopf-an-Kopf-Rennen gewesen. Doch Scott hatte Basel fest zugesagt. Und wer A sagt, muss auch B sagen.

 

Scotty, wie man ihn kennt – zweikampfstark und unwiderstehlich.

Scott Chipperfield musste in der Rheinstadt anfänglich hartes Brot essen. Bei seinen ersten Einsätzen im Joggeli wurde er von einigen sauglatten Zeitgenossen als «Chippendales» und «Copperfield» betitelt. Nach der Kanterniederlage in Sion ging es dann allerdings für die Bebbi steil aufwärts. Die Kritiker verstummten. Chipperfield da – Chipperfield dort. Unter Führung von Christian Gross folgte für die Basler ein Sieg auf den anderen. Und der FCB errang in dieser Saison den Titel des Schweizermeisters. Die Stadt stand Kopf. Die Spieler tobten auf dem Balkon des Stadtcasinos, der Barfi verwandelte sich in eine Festhütte. Scott Chipperfield – einer der Hauptverantwortlichen für diese sensationelle Entwicklung – liess den anderen bei den Siegerinterviews den Vorrang. Still im Hintergrund genoss er den Trubel. Er konnte damals noch nicht wissen, dass Basel für ihn mehr als nur eine Durchgangsstation werden würde.

 

Grosse Zeiten im rotblauen Trikot

 

In den folgenden Jahren räumte Scotty, wie ihn in Basel bald alle nannten, sportlich regelrecht ab. Gemeinsam mit Leuten wie Pascal Zuberbühler, Christian Gimenez, Julio Hernán Rossi, Matías Emilio Delgado, den Yakin-Brüdern, Mario Cantaluppi und seinem Landsmann Ivan Ergic führte er die Rotblauen zu immer neuen Highlights. Mit der Zeit wurde auch sein Anfangssalär richtigerweise zünftig aufgestockt. Im Lauf der Jahre spielte er mit vielen bekannten Fussballern, die heute noch im Ausland aktiv und erfolgreich sind – unter anderem mit Ivan Rakitic, Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Felipe Caicedo, Jacques Zoua, Eren Derdiyok, David Abraham, Behrang Safari und Yann Sommer. Zu seinen schönsten Erinnerungen zählt er die Quervergleiche mit Manchester United, Deportivo La Coruña und Juventus Turin, bei denen der FCB auch mit positiven Resultaten glänzte. Insgesamt bestritt er 78 Europacupspiele. Er rangiert damit auch in dieser Statistik ganz zuvorderst. Fast hätte es zu einer internationalen Trophäe gereicht. Aber Aston Villa war in den beiden UI-Cup-Finals (Hinspiel in Basel 1:1, Rückspiel in Birmingham 1:4 – Basler Goal durch Chipperfield) stärker.

 

Vollends zur FCB-Ikone avancierte der zweikampfstarke Kämpe anlässlich der «Finalissima» vom 16. Mai 2010 auswärts gegen den BSC Young Boys, als er nach brillanter Massflanke von Valentin Stocker den Ball an YB-Torwart Marco Wölfli vorbei chipperfieldete und per Kopf das 2:0 markierte. Dieses Kopfballtor gegen die Laufrichtung des Goalies ist bis heute eines der schönsten seiner Art in der Geschichte des FCB geblieben. 31’210 Zuschauer erlebten diese Sternstunde live mit. Basel holte damit auf dem letzten Drücker den Meistertitel. Aus diesen erfolgreichen Zeiten stammt auch der berühmte Fangesang «Scott, Scott Chipperfield, 1:0, 2:0, 3:0, 4:0», nach der Melodie des Songs «Dschinghis Khan» vom gleichnamigen Schlagerorchester. Es gibt übrigens mehrere Strophen in Versform auf Baseldytsch davon. Der Schreibende hat sich diese einst notiert und ist gerne bereit, sie auf Wunsch herauszurücken.

 

Scott Chipperfield traf auch immer wieder per Kopf in die Maschen.

Zwischendurch hatte Dauerläufer Chipperfield auch immer wieder Angebote von Vereinen aus dem Ausland. Marseille, Lyon, Anderlecht, Panathinaikos, Charlton Athletic, Crystal Palace, Arminia Bielefeld, Nantes, Borussia Mönchengladbach und Hertha Berlin – sie alle klopften an. Am grössten war das Interesse bei den Herthanern. Scott rückte im Januar 2009 bei den Blauweissen aus der deutschen Hauptstadt ins Trainingslager ein. Aber dennoch kam es nicht zur bei Transfers üblichen finalen Unterschriftszeremonie. Grund dafür waren Unklarheiten beim Medizinischen Check. Zum Glück für den FCB kam auch dieser Transfer nicht zustande. Denn 2010 sicherte sich der FCB mit Chipperfield das Double, und hamsterte in den nachfolgenden Jahren noch zu zweiten Malen den Meistertitel. Scott steht damit in einer Reihe mit all den Fussballern, die dem FCB acht nationale Titel in Serie beschert haben.

 

Neuorientierung

 

Nach seiner Karriere versuchte sich der berühmteste Australier Basels beruflich neu zu orientieren. Unter anderem betrieb er eine Fussballschule und war ein gerne gesehener Stargast im beliebten Foodstore «Scotty’s Corner» im Joggeli. Unterdessen hat er sehr gut Deutsch gelernt und ist ins Spielerbetreuer-Geschäft eingestiegen. Junge australische Fussballspieler berät er für ihre ersten Karriereschritte. Erfahrung dafür hat er ja genug. Er war mit den «Socceroos» ja jahrelang selber international aktiv, auch an Weltmeisterschaften. Für das treue Basler Publikum sind natürlich Scottys Grosstaten im rotblauen Dress das wichtigste. Er hat sich damit zu Lebzeiten ein Monument gesetzt. Heute wohnt Scott Chipperfield mit seiner Lebenspartnerin in Möhlin und verfolgt alle FCB-Spiele mit wachem Interesse und Kennerblick. «Meine Söhne sind beide im Fussball aktiv und sehr talentiert. Liam spielt beim FCB und bei der Nachwuchs-Nationalmannschaft, Naven beim FC Rheinfelden», berichtet er. Es chipperfieldet somit weiterhin auf Helvetiens Fussballplätzen. Gut möglich, dass sich diese Youngsters dereinst einmal für höhere Aufgaben empfehlen können.

 

 

Steckbrief:

 

Name: Chipperfield

 

Vorname: Scott

 

Geburtsdatum: 30. Dezember 1975

 

Position: Mittelfeldspieler

 

Vereine:

 

Bellambi Rosellas, Tarrawanna und Fernhill bei den Junioren.

 

Wollongong FC: 1996-2001

 

FC Basel 1893: 2001-2012

 

FC Aesch: 2012-2015

 

FC Möhlin/Ryburg/ACLI: 2016

 

Erfolge: Zweimal australischer Meister und einmal auch OFC-Champions-League-Sieger mit Wollongong FC. Siebenmal Schweizermeister, sechsmal Cupsieger mit dem FC Basel. 78 Europacupspiele (8 Tore) und 385 Meisterschaftsspiele (85 Tore) mit dem FCB. UI-Cup-Finalist 2001 mit dem FC Basel. Viermal Uhrencupsieger mit dem FC Basel. 68 Partien (12 Tore) mit der australischen Nationalmannschaft. Gewinn des OFC-Nationen-Pokals 2000 mit Australien.

(Fotos: Hans-Jürgen Siegert)

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