Walter Mundschin – der Kopfball-Trumpf des FCB

2018
Donnerstag, 29.03.2018 // 11:54 Uhr

Das Porträt über Walter Mundschin stellt die Fortsetzung einer Serie über ehemalige Spieler des FC Basel 1893 dar, die hier auf www.fcb.ch publiziert wird. Bisher wurden Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017), Hervé Tum (21. Juni 2017), Arthur von Wartburg (7. September 2017), Scott Chipperfield (15. November 2017) und Reto Baumgartner (11. Februar 2018) porträtiert.

Sechsmal Meister und zweimal Cupsieger war er mit dem FC Basel 1893, er holte auch den Ligacup und zweimal den Alpencup. Er bestritt für die Rotblauen auf nationalem und internationalem Parkett insgesamt 339 Spiele und erzielte dabei 53 Tore. Doch Walter Mundschin war als Libero natürlich auch mit der Abwehrarbeit beschäftigt. Dank seiner Kopfballstärke konnte er auch da brillieren. Nach Abschluss seiner aktiven Fussballzeit machte er auch beruflich Karriere. Er brachte es bis zum ersten Landschreiber im Kanton Basel-Landschaft.

 

Walter Mundschin sitzt im Restaurant Harmonie in Basel und schaut sich einen alten Zeitungsartikel aus der Basler Zeitung an, den ihm der Schreibende vorgelegt hat. Er liest aufmerksam und lächelt da und dort in seiner für ihn typischen Art. Schliesslich deutet er auf eine Foto und sagt: „Das war mein schönstes und wertvollstes Tor, daran werde ich mich immer erinnern.“ Der langjährige FCB-Akteur hat den Zeitungsbericht über das Entscheidungsspiel um die Schweizer Meisterschaft vor sich. Hier nochmals die Kurzversion, wie es zu diesem aussergewöhnlichen Match gekommen war: Damals, am Ende der spannenden Saison 1976/77, lagen die Rotblauen aus Basel nach einem 3:0-Auswärtssieg in Bern (zwei Mundschin-Tore und ein Stohler-Tor) und die Grenats vom Servette FC aus Genf punktgleich an der Tabellenspitze. Gemäss dem damals gültigen Reglement musste somit ein Entscheidungsspiel den Schweizer Meister bestimmen.

 

Das FCB-Wunder in Bern

 

Besagtes Entscheidungsspiel fand an einem Dienstagabend im alten Berner Wankdorf statt, vor der gewaltigen Kulisse von 50'000 Zuschauern. Der grösste Teil davon waren Basler Schlachtenbummler. Das Spannende an diesem kapitalen Match war, dass er zunächst gar nicht nach den Wünschen der Basler lief. Denn die mit vielen Tenören gespickten Servettiens legten los wie die Feuerwehr und kamen in der 31. Minute durch Kudi Müller zum 1:0.

 

Walter Mundschin markiert gegen YB im zweitletzten Spiel der Saison 1976/1977 ein Kopfballtor.

Doch in diesem Match schien Alfred Hitchcock persönlich Regie zu führen. Denn in der 37. Minute rückte FCB-Captain Walter Mundschin bei einem Basler Corner weit nach vorne, so wie er es bei Eckbällen eigentlich immer zu tun pflegte. Doch diesmal segelte der Ball von Arthur von Wartburg hoch in den Strafraum und landete perfekt bei Mundschin. Der 1.90 grosse Hüne schraubte sich in unnachahmlicher Manier hoch und köpfelte das Leder wuchtig und unhaltbar für Servette-Torhüter Karl Engel ins Netz. 1:1 – die Freude in den Basler Publikumssektoren war riesig. Und als dann Von Wartburg in der 75. Minute nach einem stupenden Sololauf das 2:1 gelang, lag das berühmte Momentum plötzlich ganz klar auf FCB-Seite.

 

Als Schiedsrichter Rudolf Renggli abpfiff, brachen auf der Seite der Bebbi alle Dämme. Basel hatte das Husarenstück fertiggebracht, es hatte dem hohen Favoriten vom Genfersee den Meister gezeigt. Walter Mundschin durfte als erster den mit edlem Weisswein gefüllten Becher stemmen. „Der FC Basel in grossem Stil“ und „Mundschins gefährlicher Kopf“ – so oder ähnlich lauteten die Schlagzeilen der damaligen Zeitungen. Walter Mundschin, Basels Mann mit der Rückennummer 3, schmunzelt auch heute noch: „Mit meinem prominenten Gegenspieler von Servette Genf, dem ehemaligen englischen Nationalstürmer Martin Chivers, habe ich über alle Begegnungen hinweg eine 5:1-Bilanz. Ich habe gegen ihn fünfmal getroffen, er gegen mich nur einmal.“

 

Sursee-Basel-Liestal

 

Gestartet hatte der Baselbieter Walter Mundschin seine Karriere beim FC Sursee. Seine Familie wohnte damals im Luzernischen, weil der Vater dort als Kaufmännischer Angestellter tätig war. Schon als Bub durfte er bei den Elitejunioren des FC Sursee mittun. Weil er zu jung war und trotzdem eingesetzt wurde, musste sein Club für ihn sogar eine Busse bezahlen.

 


Ein grosser Moment für Mundschin: „Doo isch er, mr hänn en!“

 

Später trat Mundschin den FCB-Junioren bei und gab im Frühjahr 1966 sein Debüt im Fanionteam. GC hiess damals der Gegner, der berühmte Schwede Ove Grahn war sein Gegenspieler. Der Match endete 2:2 unentschieden. Walter Mundschin machte in der Folge im FCB-Team mit Marcel Kunz, Peter Ramseier, Karli Odermatt, Otti Demarmels, René Hasler, Walter Balmer und Ottmar Hitzfeld die ganz grossen Zeiten mit, erlebte unter dem Spiritus Rector Helmut Benthaus nicht weniger als sechs Meistertitel und das dreimalige Scheitern im Cupfinal – doch den drei verlorenen Finals stehen auch zwei schöne gewonnene Cupfinals gegenüber, gegen Lausanne und gegen Winterthur.

 

„Damals gab es zahlreiche Meisterschaftsanwärter, die Basel Konkurrenz machten, zum Beispiel Zürich, GC, YB, Servette, Lausanne. Heute duellieren sich ganz zuvorderst nur noch Basel und YB um den Titel“, hält der langjährige FCB-Abwehrmann fest. Er betont aber auch folgendes: „Die heutige Basler Fussballbegeisterung wäre ohne Helmut Benthaus’ Wirken nicht möglich gewesen.“

 

Internationale Auftritte

 

Im Europacup mag sich Walter Mundschin noch an einige attraktive FCB-Spiele im alten Joggeli erinnern, unter anderem gegen natürlich das 6:4 gegen den FC Brügge und das 3:2 gegen Celtic Glasgow, beides unvergessliche Partien, über welche im Rahmen dieser Serie schon eingehend berichtet wurde. Beim Auswärtsspiel in Glasgow gelang ihm ein Kopfballtreffer zum 2:1. In diesem Moment wurde es nach Mundschins Worten fast totenstill im weiten Rund. Ebenfalls in bester Erinnerung behält er die Erfolge gegen Spartak Moskau und Glentoran Belfast, sowie die beiden beachtlichen Heim-Unentschieden gegen Atletico Madrid und Athletic Bilbao.

 

Umsichtig in der Abwehr, gefährlich gegen vorne: Walter Mundschin.

Spannend ist auch die Randnotiz, dass Walter Mundschin im Juli 1974 im damaligen Alpencupwettbewerb gegen Olympique Lyon spielte, gegen Fussball-Persönlichkeiten wie Aimé Jacquet (Weltmeister-Trainer von Frankreich), Raymond Domenech (National-Trainer von Frankreich) und Bernard Lacombe (Europameister 1984 und Toptorjäger von Lyon) notabene.

 

Vom Fussball in die Politik

 

Die Geschicke des FC Basel verfolgt der sympathische Altmeister nach wie vor mit regem Interesse. Allerdings geht er nicht mehr so oft ins Stadion. Von den taktischen Diskussionen mit der Dreierkette oder der Viererkette in der Abwehr hält er nur bedingt etwas. „Zu unserer Zeit war es so, dass jeder der drei Verteidiger vor mir je einen Stürmer übernehmen musste. Ich als Libero hatte dann die Aufgabe, die Löcher zu stopfen, sofern sich solche ergaben. Beim heutigen FCB ist im Moment in der Grundaufstellung die Dreierabwehr angesagt. Aber die Spieler müssen stets flexibel sein, das ist das wichtigste. Denn im modernen Fussball gibt es so viele Situationen, dass man immer blitzschnell reagieren muss.“

 

Nach seiner Aktivzeit wechselte der heute pensionierte Walter Mundschin in die Politik. Er wurde zuerst zweiter Landschreiber im Kanton Basel-Landschaft und avancierte dann nach einigen Jahren zum ersten Landschreiber. Dieses Amt, bei dem er mit der Regierung, aber auch mit Leuten aus den verschiedensten Parteien im Landrat in engem Kontakt stand, bekleidete er schliesslich volle 20 Jahre lang. „Mir hat der Fussball viel geholfen“, bilanziert er. „Im Fussball lernst Du gewinnen und verlieren. Du musst auch mit sehr unterschiedlichen Typen auskommen, mit ihren Stärken und Schwächen leben. So gesehen ist der Fussball eine gute Lebensschule. Mir persönlich hat es viel gebracht.“

 

 

Steckbrief

 

Name: Mundschin

 

Vorname: Walter

 

Geburtsdatum: 17. Oktober 1947

 

Position: Libero

 

Vereine:

 

Nachwuchs FC Sursee

 

Nachwuchs FC Basel 1893

 

1. Mannschaft FC Basel 1893: 1967-1978

 

Erfolge: Schweizer Meister mit dem FC Basel 1966/67, 1968/69, 1969/70, 1971/72, 1972/73, 1976/77.  Cupspieger mit dem FC Basel 1967 und 1975. Ligacupsieger mit dem FC Basel 1972.  Alpencupsieger mit dem FC Basel 1969 und 1970. Uhrencupsieger mit dem FC Basel 1969 und 1970. 57 Europacupspiele und insgesamt vier Tore für den FCB.  Sieben Spiele für die Schweizer Nationalmannschaft.

 

Farbfotos: Josef Zimmermann

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