Thomas Hauser: Heute noch englische Fans

2018
Sonntag, 03.06.2018 // 10:02 Uhr

Das Porträt über Thomas Hauser stellt die Fortsetzung einer Serie über ehemalige Spieler des FC Basel 1893 dar, die hier auf www.fcb.ch publiziert wird. Bisher wurden Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017), Hervé Tum (21. Juni 2017), Arthur von Wartburg (7. September 2017), Scott Chipperfield (15. November 2017) und Reto Baumgartner (11. Februar 2018) und Walter Mundschin ( 29. März 2018) porträtiert.

Früher war Thomas Hauser ein treffsicherer Angreifer, ein Strafraumstürmer mit hervorstechenden Qualitäten im Kopfballspiel. Seit dem Abschluss seiner Fussballerkarriere pendelt er zwischen Rigi Kaltbad und Binningen hin und her. Beruflich wirkt er jetzt als Verkaufsleiter eines auf den Verkauf von Treibstoff spezialisierten Tankstellen-Netzes im Raum Nordwestschweiz.

 

Der Fussball spielte schon immer eine grosse Rolle in seinem Leben. Damals wie heute. 15 Jahre zählte Thomas Hauser, als er bei Schopfheim in den A-Junioren kickte. Tore erzielte er in dieser Epoche fast wie am Fliessband, und so riet ihm sein Vater Helmut Hauser, seinerzeit übrigens ein ganz berühmter Torjäger beim FC Basel 1893, zu einem Wechsel zu eben diesem Club. Bei den Rotblauen trat Thomas Hauser ins A Inter ein, wo bereits Spieler wie Peter Nadig und Dominique Herr aktiv waren.

 

Eines schönen Tages durften diese vielversprechenden Nachwuchstalente zum Final der Junioren A Inter  gegen den Servette FC in Bern antreten – im Wankdorf. In diesem Endspiel erzielte Thomas Hauser zwei Tore, der FCB wurde Junioren-Schweizer Meister. Thomas Hauser avancierte mit 30 Treffern zum Torschützenkönig der gesamten Liga. Obwohl dem kraftstrotzenden Springinsfeld in der Folge verschiedene Angebote ins Haus flatterten, unter anderem von den Junioren der Eintracht aus Frankfurt, blieb er weiterhin beim FCB. Als 17-jähriger absolvierte er sein erstes Spiel fürs Fanionteam: FCB gegen St. Gallen hiess damals die Affiche, der Match endete mit einem 2:2. 

 

Kleine Brötchen bei den Bebbi

 

Anders als heute war der rotblaue Stadtclub in jener Zeit vom Abstieg bedroht. Zwar waren junge, vielversprechende Talente da und einige starke Routiniers, aber irgendwie fehlte das zündende Etwas um nach höheren Weihen zu streben. Oft folgten auf einen Match mit positivem Resultat zwei, drei schwächere Spiele, und so blieben Highlights wie der Cuphalbfinal in der Saison 1985/86 gegen Servette Mangelware.

 

Wirblig, zweikampfstark – und torgefährlich: Thomas Hauser.

An diesem Tag erlebten die Zuschauer im Joggeli eine wilde Berg- und Talfahrt der Gefühle, wie man sie sonst etwa jüngst in der Champions League zwischen der AS Roma und dem CF Barcelona zu sehen bekam. Die Genfer zogen in dieser Begegnung im alten Joggeli alle Register und führten beim Pausentee mit 3:0. Keiner, nicht einmal der legendäre Blueme-Fritz, hätte zu diesem Zeitpunkt noch ein „Zähnerli“ auf den FCB gewettet. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Denn der Deutsche Gerd Strack lief an diesem Abend zu grossartiger Form auf. „Bumm-Bumm-Bumm – der sonst nicht als Knipser bekannte Strack traf dreimal. Plötzlich wankte der Goliath, und wir waren obenauf“, erinnert sich Thomas Hauser an den denkwürdigen Matchverlauf von anno dazumal. Doch leider wurde in der Folge eine penaltywürdige Szene mit einem Foul an Thomas Hauser vom Schiedsrichter nicht sanktioniert. Sei dem wie es sei: Die Servettiens zogen ihren Kopf im allerletzten Moment aus der Schlinge und trafen dann ihrerseits noch zum für den FCB sehr unglücklichen 4:3.

 

Alles in allem war die Basler Zeit für Thomas Hauser eine unruhige Epoche. In finanzieller Hinsicht war bei Rotblau Schmalhans Küchenmeister. Es war schlicht kein Geld da für Verstärkungen. So dümpelte man ohne grosse Perspektive in hinteren Tabellenregionen herum. Der FCB mit seiner schon damals lautstarken und treuen Anhängerschar entwickelte sich zum schlafenden Riesen. Schliesslich wechselte Thomas Hauser mit einem guten Vertrag in der Tasche zu den damals aufstrebenden Old Boys, welche zu der Zeit in der gleichen Liga wie der grosse FC Basel spielten, in der Nationalliga B nämlich.    

 

Der Wechsel nach England

 

Im März 1989 erfuhr Hausers Karriere eine neue spannende Wendung. Er durfte nach England wechseln, zum AFC Sunderland welcher damals in der zweithöchsten Spielklasse agierte. Wie es damals zu diesem Transfer gekommen war, schildert uns der heute 53-jährige knapp 30 Jahre später mit der ihm eigenen Ruhe und Gelassenheit: „Das Angebot wurde durch einen jugoslawischen Mittelsmann an uns herangetragen. Eine englische Agentur lud mich daraufhin zu einem einwöchigen Trainingslager ein.“ Flugs wurde ein Testspiel gegen Sheffield Wednesday anberaumt (dieser Traditionsclub war Jahre später, als es um den UI-Cup-Wettbewerb ging, nochmals Gegner des FCB, Basel gewann 1:0, die Red.). Besagtes Testspiel wurde von Sunderland mit 6:1 gewonnen. Thomas Hauser gelangen vier Tore, zwei mit dem Fuss, zwei per Kopf. Daraufhin war alles klar. Die Teamleitung der Engländer gab Grünlicht für den Transfer – OB wurde mit einer Transfersumme von rund 600'000 Franken getröstet.

 

In Basel staunte man nicht schlecht ob der rasanten Entwicklung dieses jungen Fussballers. „Thomas Hausers Herausforderung – wie ein Kellner, der bei Bocuse kochen darf“, so titelte damals Josef Zindel im Sportteil der Basler Zeitung. Doch Hauser nahm die Herausforderung an, und biss sich trotz Verletzungen wacker durch. Heute darf er sich darüber freuen, mit den Black Cats (so der Spitzname des Teams von Sunderland) weit über 50 Spiele in der obersten und zweitobersten englischen Liga sowie im Ligacup absolviert und dabei elf Treffer erzielt zu haben.

 


Der erste Deutsche, der in England ein Goal in der Premier League erzielt hat: Thomas Hauser.

 

Im Roker Park avancierte er als German Sub (Einwechselspieler aus Deutschland) zu einem der Publikumslieblinge. Er war auch der erste Spieler aus dem Lande Goethes, der in der Premier League ein Tor erzielen konnte. Karriere-Highlight war für ihn der Playoff-Final im mythischen Wembley Stadion. Vor 80'000 Fans verlor sein Sunderland mit 0:1 gegen Swindon Town mit Trainer Osvaldo Ardiles. Die Black Cats aus Sunderland stiegen aber schlussendlich trotzdem auf, weil Swindon Town unerlaubte Zahlungen an Spieler getätigt hatte. Noch heute zählt Thomas Hauser auf seiner persönlichen Facebook-Seite rund 5000 Facebook-Fans aus England und pflegt die verschiedenen Kontakte mit den altgedienten, in rotweisse Trikots gekleideten Sunderland-Anhängern nach bestem Wissen und Gewissen.

 

Holland – und ein neues Leben

 

Die nächste und letzte Fussballstation von Thomas Hauser lag in Holland. Im Oranje-Land, im heimeligen Ambiente von Tulpen, Klompen (Zoggeli), Grachten und Windmühlen liess der Aanvaller (Stürmer) aus Duitsland (Deutschland) seine Karriere als Profifussballer langsam ausklingen. Der von Theo de Jong trainierte SC Cambuur-Leeuwarden, ein Club, der momentan in der Eerste Division, der zweithöchsten holländischen Liga, unterwegs ist, nahm seine Dienste in Anspruch. Aber Thomas Hauser konnte dort aufgrund von Blessures (Verletzungen) als Spitz (Angreifer) im gegnerischen Strafschopgebied (Strafraum) keine grosse Rolle spielen und auch keinen Beslissende Wedstrijd (Endspiel) mehr bestreiten. In Holland gründete er in dieser Zeit eine Familie und blieb als verantwortungsvoller Vater auch dort, bis seine Tochter das Erwachsenenalter erreichte.

 

Thomas Hauser an seinem Lieblingsort in Basel, auf der einstigen FCB-Spielstätte Landhof.

In der Folge kehrte er in die Schweiz zurück und trainierte auf der Schützenmatte in Basel vier Jahre lang die OB-Junioren vom C2 bis zum A (Meister). „Vom C2 von OB von damals haben es mehrere Akteure bis in die U-18 des FC Basel geschafft“, freut er sich.

 

Heutzutage pendelt Thomas Hauser zwischen Rigi Kaltbad und Binningen hin und her. Er leitet das ganze operative Geschäft des Tankstellen-Netzes Ecotank AG, welches den Raum Basel-Landschaft, Aargau und Solothurn mit Diesel, Bleifrei und 98er Benzin beliefert. Mit seinem nach wie vor in Schopfheim wohnenden Vater Helmut Hauser diskutiert er in der Freizeit sehr gerne über König Fussball. Wer ihnen zuhört, erkennt: Die beiden Hausers sind langjährige Beobachter der Fussballszene, sie kennen sich aus in diesem Sport – in der Schweiz, in Deutschland, aber auch auf europäischer Ebene.

 

 

Steckbrief

 

Name: Hauser

 

Vorname: Thomas

 

Geburtsdatum: 10. April 1965

 

Beruf: Kaufmännischer Angestellter, später Fussball-Scout und Trainer, heute im Treibstoff-Handel tätig

 

Position: Mittelstürmer

 

Vereine: 

 

SV Schopfheim Junioren E bis B: bis 1980

 

FC Basel 1893 Junioren A (Schweizer Meister, Torschützenkönig A-Junioren): 1980-1982

 

FC Basel 1893: 1982/83-1988/89

 

BSC Old Boys Basel: 1988/89-1989/90

 

Sunderland AFC: 1989/90-1990 /91

 

SC Cambuur-Leeuwarden: 1991/92-1992/93

 

Erfolge: Cuphalbfinalist 1985/86 mit dem FCB gegen Servette Genf (3:4). Insgesamt zwischen 31 Tore für den FC Basel in 92 Spielen. Aufstieg mit dem Sunderland AFC in die Premierleague und Championsshipmedaille. Beim Final Sunderland AFC vs. Swindon Town FC im Wembley Stadion in London wurde Thomas Hauser in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Tore in der Division 1 gegen Southampton, in der Division 2 gegen Oldham, Shrewsbury Town, Swindon Town, Port Vale, Hull City, Watford, Brighton and Hove Albion (zweimal) sowie im Ligacup gegen Bristol City und gegen Huddersfield Town.

 

Farbfotos: Josef Zimmermann

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