Helmut Hauser – der „Bomber“ vom Dienst

Portrait
Donnerstag, 28.03.2019 // 09:51 Uhr

Das Porträt über Helmut Hauser stellt die Fortsetzung einer Serie über ehemalige Spieler des FC Basel 1893 dar, die hier auf www.fcb.ch publiziert wird. Eine Auflistung der bisher porträtierten Spieler finden Sie ganz unten.

Anno 1963 wurde in Deutschland mit Pauken und Trompeten die Bundesliga gegründet. Grosse Vereine – heute werden sie Traditionsvereine genannt – nahmen schon bald einmal das Heft in die Hand. 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund, VfB Stuttgart, Hamburger SV, 1860 München, Schalke 04, 1. FC Nürnberg, Hertha Berlin, und andere. Bayern München war noch nicht dabei. Für jeden deutschen Fussballer war der junge Bundesliga-Wettbewerb mit seinen verschiedenen Spielklassen ab diesem Zeitpunkt das Mass aller Dinge. Beim gebürtigen Schopfheimer Helmut Hauser lief das Ganze etwas anders. Denn Hauser, der aufstrebende Stürmerstar vom SV Schopfheim und Torschützenkönig in Südbaden auf Amateurstufe, kam eines schönen Tages mit dem Basler FCB-Präsidenten Lucien Schmidlin in Kontakt. Helmut Hauser lag zu diesem Zeitpunkt ein Angebot des VfB Stuttgart vor. Die Schwaben wollten ihn ins Neckarstadion lotsen, doch der FCB-Präsident war schneller. Er holte den torgefährlichen Mann, der Tore wie am Fliessband erzielte, nach Basel.

 

Start auf dem Landhof

 

Sein erstes Spiel mit den Rotblauen absolvierte Helmut Hauser anno 1964. Gegen den 1. FC Köln verlor man 1:4. Georges Sobotka war Trainer. Helmut Hauser absolvierte in diesen Jahren noch seine Lehre als Maschinenschlosser in Schopfheim und arbeitete auch in Basel auf diesem Beruf. „Wir trainierten auf dem legendären und heute noch bestehenden Landhof. Auch unsere Meisterschaftsspiele fanden dort statt. Wir hatten sehr oft 7000 oder 8000 Zuschauer. Matches gegen GC oder YB waren immer ausverkauft. Aber die Stimmung im Stadion war anders als heute. Irgendwie ging es ruhiger zu, familiärer. Aber es gab schon damals Riesen-Fans, die sich mit rotblauen Kleidungsstücken ausstaffierten.“

 

Helmut Hauser feierte vier Schweizer Meistertitel mit dem FCB.

1965 brach dann in der Stadt Basel fussballerisch gesprochen eine neue Zeitrechnung an – Mick Hauser, wie er von seinen Anhängern genannt wurde, ging begeistert mit. Helmut Benthaus hatte, von Köln her kommend, das Szepter übernommen. Der Spielertrainer setzte auf neue Trainingsmethoden und impfte den Bebbi eine neue Mentalität ein. Gewinnen, gewinnen, gewinnen, hiess fortan die Losung. Benthaus hatte nicht vor hinten in der Tabelle herumzugondeln, er wollte mit seinem jungen Team rund um Karli Odermatt und Helmut Hauser ganz an die Spitze des Schweizer Fussballs. Allen war schon bald klar: Benthaus und Basel, das passte perfekt.

 

Double mit dem FCB

 

In der Saison 1966/67 räumte der FC Basel mit Helmut Hauser dann ganz gross ab. Das Championnat gewann er mit einem Punkt Vorsprung auf den FC Zürich. Das Torverhältnis von 61:20 zugunsten der Basler am Ende dieser Saison sagt alles aus. Als beste Torschützen der Rotblauen erwiesen sich Roberto Frigerio mit 16 Treffern sowie Helmut Hauser mit 14 Treffern. Ins Jahr 1967 fällt auch der denkwürdige Cupfinal zwischen dem FC Basel und dem FC Lausanne-Sports. Basel gewann den Match im Wankdorfstadion zuerst mit 2:1 – und dann mit 3:0 forfait. Wie es dazu gekommen ist, sei hier der Vollständigkeit halber nochmals protokolliert. Kurz vor Spielende beim Stand von 1:1 (das Basler Tor hatte Helmut Hauser mit einem Weitschuss erzielt) pfiff Schiedsrichter Karl Göppel einen Penalty für Basel. Grund dafür war ein eindeutiges, beidhändiges Stossen von André Grobéty im Strafraum an FCB-Stürmer Helmut Hauser. Heute würde ein solches Vergehen mit -zig Kameras gefilmt. Aber es war auch so eine glasklare Geschichte. Grobéty hatte Hauser regelwidrig in den Rücken gestossen und so um eine Torchance gebracht. In der Folge liessen sich die Lausannois auf dem Rasen zu einem „Sitzstreik“ hinreissen, der aus neutraler Sicht als „unwürdige Episode“ (so der damalige Kommentar im Schweizer Fernsehen) bezeichnet wurde. Aber der Elfmeter musste zuerst ja noch getreten und verwandelt werden. Nach minutenlangen, lautstarken Protesten der Welschen trat Helmut Hauser dann mit stoischer Ruhe zum Penalty an. Sein Schuss vom Punkt aus sass, der FCB führte mit 2:1. Anschliessend ging das Absitzen, Streiken und Nicht-mehr-weiterspielen-wollen der Lausannois in eine neue Runde – das Ganze wollte kein Ende nehmen. Der FCB gewann den Match schliesslich nach grossem Tohuwabohu mit 3:0 forfait und konnte sich in der Folge mit dem Cupbecher auf die wohlverdiente Ehrenrunde begeben. Helmut Hauser, dessen Frau Ellen das turbulente Geschehen mit anderen Basler Gästen von der Tribüne her verfolgte, ist sich heute noch sicher, dass er von Grobéty in den Rücken gestossen und um eine klare Torchance gebracht wurde. „Ich stehe heute noch dazu: Es war ein klarer Penalty“, bekräftigt er.

 

Der legendäre –er-Sturm

 

1968 wurde dann der sogenannte –er-Sturm geboren: Balmer-Hauser-Wenger. Die beiden brillanten Flügelstürmer auf der Seite und der schussgewaltige Hauser in der Mitte – das war eine rotblaue Armada, welche aus allen Lagen Tore erzielte. Mit renommierten Gegnern wie Lugano und La Chaux-de-Fonds spielte man Katz’ und Maus, wie sich Helmut Hauser schmunzelnd erinnert. Insgesamt viermal durfte der „Bomber“, wie Helmut Hauser in Basel gerne genannt wurde, den Meisterbecher stemmen. Nach 1966/67 war dies in den Saisons 1968/69, 1969/70 und 1971/72 der Fall. Hinzu kamen zwei wertvolle Finalerfolge im damals sehr bekannten Alpencup gegen die italienischen Serie-A-Teams Bologna und Fiorentina. Gegen Bologna steuerte er ein Tor zum 3:1-Finalsieg bei, ein Jahr später traf er auch gegen Fiorentina. Besonders bemerkenswert: Fiorentina spielte in diesem Final mit Weltmeister Amarildo und Nationalstürmer Chiarugi. Im Rahmen des Alpencups traf Hauser zusätzlich noch gegen Juventus Turin, SPAL Ferrara, 1860 München, 1. FC Köln (zweimal), Schalke 04, Sampdoria Genua, KSV Waregem, Eintracht Frankfurt, Fiorentina (beim 3:3 in der Vorrunde), Hellas Verona und Girondins de Bordeaux.

 

Helmut Hauser war bekannt für seine spektakulären Scherenschläge und Fallrückzieher. Hier sehen wir sein Tor des Jahres gegen den FC Lugano.

Viele zugkräftige Spiele fanden damals bereits im für die WM 1954 gebauten St. Jakobs-Stadion (damaliges Fassungsvermögen 58'500 Plätze) statt – auch Europacupspiele. Helmut Hauser war mittendrin. Gegen Hvidovre Kopenhagen im Europacup der Meister 1967/68 versenkte der kaltblütige Angreifer den Ball zu zweien Malen im gegnerischen Netz. Einmal im Heimspiel (1:2), einmal im Auswärtsspiel (3:3).

 

Der Ball muss hinter die Linie

 

Helmut Hauser lebte immer nach der Devise, dass das Runde ins Eckige muss. Er kannte seine Pappenheimer, hatte den siebten Sinn fürs Positionsspiel und wusste genau, wo der Kasten des Gegners steht. Wenn er dann in der heissen Zone vor dem Tor auftauchte, pflegte er nicht lange zu fackeln. „Besonders gerne schoss ich aus der Distanz, aus 16, 20 oder sogar aus 25, 30 Metern. Ich habe heute noch den Plausch, wenn einer meiner Nachfolger beim FCB aus der zweiten Reihe wuchtig abdrückt und ein Tor erzielt.“ Zu Hausers Spezialitäten gehörten Scherenschläge und Fallrückzieher. Am 26. April 1969 bezwang er beispielweise den Nationaltorhüter Mario Prosperi von Lugano im Joggeli mit einer wunderprächtigen Bicicletta. Das war die hohe Fussballkunst des Schopfheimers – der Basler Anhang war begeistert. Es folgte dann noch eine ganz schöne Geste: Der faire Sportsmann Prosperi eilte nämlich aus seinem Kasten und gratulierte der Basler Nummer 9 zu diesem Treffer. In dieser ganzen erfolgreichen Zeit blieb Helmut Hauser immer treu bei Basel. Er war in der ganzen Stadt populär. Dies belegt auch folgende witzige Anekdote: Als der FCB die Vorstellung des Circus Knie besuchte, durfte Helmut Hauser gemeinsam mit Skirennfahrer Bernhard Russi zum Seilziehen antreten. Als Kontrahenten standen ihnen der Knie-Clown und zwei andere gegenüber.

 

Ist heute noch regelmässiger Matchbesucher im St. Jakob-Park: Helmut Hauser.

Als Stürmer genoss Helmut Hauser europaweit einen sehr guten Ruf. Zwei weitere Bundesligisten klopften bei ihm an, wollten ihn unter Vertrag nehmen. Der Karlsruher SC meldete sich, Hauser winkte ab. Das Wildparkstadion reizte ihn weniger als das Joggeli. Er widerstand schliesslich sogar dem Lockruf des 1. FC Kaiserslautern, der ihn auf den legendären Betzenberg locken wollte. „Ich hätte dort Vollprofi werden können“, berichtet der Topskorer, „aber ich hatte gerade 14 Tage vorher meinen Vertrag beim FCB verlängert. Damals hielt man sich noch an Verträge“.

 

Karriereende bei Aarau

 

Nach sagenhaften 107 Toren in insgesamt 215 Auftritten im rotblauen Trikot (er figuriert derzeit unter den Top Ten der besten FCB-Torschützen aller Zeiten auf dem achten Platz) erlitt Helmut Hauser im Jahre 1971 einen Bandscheibenvorfall. Eine Operation wurde fällig. So musste der berühmte Angreifer in seinem 32. Altersjahr mit dem Fussball kürzertreten. Doch ganz aufhören, das hätte er nicht übers Herz gebracht. Deshalb wechselte er 1972 zum FC Aarau, wo es etwas beschaulicher zu und her ging. Fünf Jahre lang spielte er noch in Aarau, auf dem Brügglifeld. Ottmar Hitzfeld, ein damals junger Stürmer aus Lörrach, wurde beim FCB sein Nachfolger. Wir wissen es: Ottmar Hitzfeld machte seine Sache ausgezeichnet bei den Rotblauen, auch er war ein Topskorer der alten Schule, der oft Spiele im Alleingang entscheiden konnte. Mit Ottmar Hitzfeld pflegt Helmut Hauser heute noch eine grosse Freundschaft. Als er einmal einen wichtigen Match Dortmund-Stuttgart schauen wollte, hatte Hitzfeld für ihn vier Tribünenplätze reserviert, nach dem Motto „Einmal Basel immer Basel“. Nach wie vor ist der Altstar aus Schopfheim bestens über das sportliche Geschehen beim FCB informiert. Mit seinem Sohn Thomas Hauser, auch er ein Fussballer mit Stationen in ganz Europa (beispielsweise in Sunderland), geht er auch immer wieder gerne an Heimspiele im Joggeli. Und natürlich verfolgt er jeden Schritt, jede Bewegung und jede Aktion von Albian Ajeti, Ricky van Wolfswinkel und Konsorten mit Kennerblick. „Je mehr Tore die FCB-Stürmer schiessen, desto grösser ist meine Freude“, schmunzelt Helmut Hauser.

 

Steckbrief:

 

 

Name: Hauser

 

Vorname: Helmut

 

Geburtsdatum: 7. März 1941

 

Position: Mittelstürmer

 

Vereine:

 

SV Schopfheim: bis 1963

 

FC Basel 1893: 1964-1972

 

FC Aarau: 1972-1976

 

Erfolge:

 

Viermal Schweizer Meister und einmal Cupsieger mit dem FC Basel 1893.

Zweimal Alpencupsieger mit dem FC Basel (3:1 gegen Bologna und 3:2 gegen Fiorentina).

215 Spiele, 107 Tore für den FCB.

Torschützenkönig von Südbaden.

 

Bisher porträtierte Spieler: Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017), Hervé Tum (21. Juni 2017), Arthur von Wartburg (7. September 2017), Scott Chipperfield (15. November 2017) und Reto Baumgartner (11. Februar 2018), Walter Mundschin ( 29. März 2018), Thomas Hauser (3. Juni 2018), Stefan Huber (8. August 2018), Adrian Knup (13. Oktober 2018) und Alex Nyarko (28. Dezember 2018).

 

Schwarz-Weiss-Fotos: Kurt Baumli

Farbfoto: Josef Zimmermann

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