Porträt über die FCB-Spielerin Elisabeth Mayr

März
Mittwoch, 25.03.2020 // 09:00 Uhr

Das Porträt stammt aus der aktuellen Ausgabe des Rotblau Magazin.

Einen Schritt zurück, zwei Schritte vorwärts

 

Von München via die USA und Leverkusen nach Basel: Seit dieser Saison geht Elisabeth Mayr für die FC Basel Frauen auf Torjagd. Die 24-jährige deutsch-österreichische Doppelbürgerin tat dies schon für den FC Bayern München und Bayer 04 Leverkusen. Nun will sie mit Basel einen Titel gewinnen. Wenn die Stürmerin mal nicht auf dem Fussballplatz steht, verbringt sie ihre Freizeit gerne in der Innenstadt. Am liebsten erklimmt sie den Münsterturm und geniesst die Aussicht über die Stadt.

 

An ihrem 24. Geburtstag sitzt Elizabeth Mayr im Flugzeug nach Teneriffa. „Ich bin an die Sonne geflogen, es hätte also schlimmer sein können“, sagt sie über den 18. Januar 2020, als sie mit den FC Basel-Frauen ins Trainingslager reiste. Nach der Ankunft geniesst das Team gemeinsam noch einen Kuchen, ehe für eine Woche unter spanischer Sonne hart trainiert wird. Denn Elisabeth Mayr und die FCB-Frauen wollen in der Rückrunde nochmals angreifen. Das sah man bereits beim Rückrundenstart mit dem 3:2 gegen YB.

 

Ich bin zwei Mal hingekommen, habe mir alles angeschaut und war überzeugt.

Elisabeth Mayr

 

Seit dieser Saison spielt die Stürmerin mit der Nummer 31 für den FCB. Nach einer schwierigen vorletzten Spielzeit in der Bundesliga bei Leverkusen, in der das Team gegen den Abstieg kämpfen musste und Mayr als Offensivkraft nicht wirklich zur Geltung kam, kann sich die Stürmerin in Basel endlich wieder mehr in Szene setzen. Durch den Wechsel in die Schweiz sieht Mayr auch die Chance, einen Titel zu gewinnen. Und: „Das Rheinland war schön, aber da fehlten mir die Berge. Ich bin ein Naturmensch und geniesse es deshalb sehr, in der Schweiz zu leben.“

 

Dass Mayr in Basel gelandet ist, hat sie Sabrina Horvath zu verdanken, ihrer Teamkollegin in Österreichs Nationalteam und ehemaligen FCB-Akteurin. Horvath stellte den Kontakt zum FCB her, dann ging alles schnell. „Ich bin zwei Mal hingekommen, habe mir alles angeschaut und war überzeugt“, so Mayr über den Wechsel in die Nationalliga A. Mit der Hinrunde ist sie persönlich mehrheitlich zufrieden, auch wenn sie selbstkritisch gesteht, dass sie als Stürmerin mehr als ihre vier Tore hätte schiessen müssen. Und ganz allgemein hätten sie als Team noch viel Potenzial. Mayr fühlt sich in der jungen Equipe der Baslerinnen wohl und sagt über die eigene Rolle: „Ich gebe meine Erfahrungen gerne weiter, fühle mich als Teamleaderin, aber auch als Spasskanone.“

 

Trägt seit dem vergangenen Sommer das rotblaue Trikot: Elisabeth Mayr

Wohl fühlt sich Elisabeth Mayr – die neben dem Fussball an der Universität Freiburg im Breisgau den Master in Gesundheitspädagogik absolviert – auch in der Stadt Basel. Wenn Familie und Freunde zu Besuch sind, müssen sie mit ihr stets auf den Münsterturm steigen. „Das gehört für mich zu einem Basel-Besuch dazu. Der Ausblick von dort oben ist fantastisch“, schwärmt sie. Nebst Ausflügen in die Basler Innenstadt fährt Mayr oft in die Berge, am liebsten nach Grindelwald.

 

PIZZA UND CHICKEN NUGGETS VOR DEM SPIEL …

 

Basel ist nicht die erste Ausland-Station im Fussball für Mayr, die den deutschen und den österreichischen Pass besitzt. In der Saison 2014/2015 spielte sie in Kansas dank eines Stipendiums ein Jahr lang in der obersten College-Liga und absolvierte nebenbei ein Grundstudium an der Uni. Diese Zeit werde sie nie vergessen, weder fussballerisch noch bezüglich des amerikanischen Lebensstils. Im Sport lebt sie damals ein „gefühltes Profileben“, spielt regelmässig vor 2000 Zuschauenden oder mehr. Abseits des Platzes hatte sie zuweilen mit den örtlichen Gegebenheiten zu kämpfen: „Ich versuchte, mich so gesund wie möglich zu ernähren, aber meine Teamkolleginnen assen vor den Spielen jeweils Pizza oder Chicken Nuggets. Das war unglaublich.“

 

Ich hatte fast mit dem Fussball aufgehört, dann war ich plötzlich Nationalspielerin.

Elisabeth Mayr

 

Aufgewachsen im Süden von München, spielt sie bis im Alter von 14 Jahren beim TSV Brunnwald, ehe der Wechsel zum grossen FC Bayern München folgt. Insgesamt neun Jahre spielt sie bei Bayern, von den Jugendteams bis zu sechs Jahren in der zweiten Mannschaft. Mayr ist eine Teamstütze und nie verletzt. Doch dann gibt es in Deutschland 2018 eine Regeländerung. Die besagt, dass das zweite Frauen-Team eines Bundesligaclubs zu einer U21 umfunktioniert werden müsse. Bayern tut dies und streicht Mayr altershalber aus dem Kader. Von einem Tag auf den anderen. Ein Schock: „Ich wurde richtiggehend aussortiert. Das war schlimm und hat mich nach all den Jahren schwer getroffen.“ Zudem ist sie unter Zeitdruck. Es ist bereits April 2018, und Mayr steht kurz vor Saisonende plötzlich ohne Verein da. So macht sie aus der Not eine Tugend, wird selbst aktiv und bewirbt sich mittels selbst geschnittenen Videos bei zwei Bundesligisten. Mit Erfolg. Bayer 04 Leverkusen verpflichtet Elisabeth Mayr für eine Spielzeit. Das Ende bei Bayern war also der berühmte Schritt zurück, um danach zwei nach vorne zu machen und in der obersten deutschen Liga zu spielen.

 

DEUTSCHE NATIONALSPIELERIN FÜR ÖSTERREICH

 

Und es gibt noch einen Schritt nach vorne für die Offensivspielerin: Seit Januar 2019 ist Elisabeth Mayr österreichische Nationalspielerin. Ihr Vater stammt aus München, die Mutter kommt aus der Steiermark in Österreich. Lange hat Tochter Elisabeth nur einen Pass, den deutschen. Sie besitzt mehr als ein Dirndl und sagt von sich selbst: „Ich bin stolz, ein bayerisches Mädel zu sein.“ Doch als der deutsche Pass abläuft und Mayr ihn auf der Gemeinde erneuern muss, wird sie vorher von einer Bekannten beiläufig gefragt, ob sie denn wisse, dass sie auch zwei Pässe beantragen könne. Nein, das weiss Elisabeth Mayr nicht, findet aber Gefallen an dem Gedanken, auch den österreichischen Ausweis zu beantragen. Zumal ihre Kolleginnen aus dem österreichischen Fussball den Kontakt zum Nationaltrainer Dominik Thalhammer herstellen. Im Dezember 2018 folgt prompt dessen Anruf bei Mayr, im Januar des neuen Jahres das erste Aufgebot für den „Zypern Cup“. Und dort gibt sie ihr Debüt für das Heimatland der Mutter. Für Mayr, die einst in Deutschlands U17 gespielt hat, geht ein Traum in Erfüllung: „Ich hatte fast mit dem Fussball aufgehört, dann war ich plötzlich Nationalspielerin. Es kam alles so überraschend. Meine Mutter ist fast durchgedreht beim ersten Spiel – und ich natürlich auch“, sagt sie und lacht.

 

DIE SACHE MIT DEM GELD UND DEN STRUKTUREN

 

Mit den Österreicherinnen – die sich an der Europameisterschaft 2017 sensationell bis in den Halbfinal gespielt haben – möchte sich Mayr unbedingt für die EM 2021 in England qualifizieren. Das ist das grosse Ziel. Nicht nur, weil für sie in England derzeit der grösste Frauenfussballboom herrscht und sie deswegen ein grossartiges Turnier erwartet, sondern auch, weil sie erstmals überhaupt an einer Endrunde dabei sein möchte. Zuerst spielt sie allerdings Anfang März zwei weitere Test-Länderspiele – ausgerechnet gegen die Schweiz. Was die Herausforderungen in den beiden Ländern betrifft, vergleicht Mayr den Frauenfussball in Österreich mit demjenigen in der Schweiz: „In beiden Ländern fehlt es grundsätzlich vor allem an guten Strukturen und auch an Geld.“

 

Die österreichische Nationalspielerin fand über München und Leverkusen den Weg nach Basel.

Angesprochen auf ihre Ziele als Fussballerin sagt Elisabeth Mayr: „Ich möchte weiterhin Nationalspielerin bleiben und sowohl dort als auch beim FC Basel gute Leistungen zeigen und möglichst viele Tore schiessen.“ Mit dem FCB möchte sie zudem unbedingt den Cup gewinnen. Am 29. März spielen die FCB-Frauen auswärts gegen die Young Boys (Anpfiff um 14:30 Uhr) um den Einzug in den Cupfinal.

 

Nicht nur Ziele hat Elisabeth Mayr bezüglich Fussball, sondern auch einen Wunsch: Sie fühlt sich wohl in Basel und möchte länger als die eine Saison beim FCB bleiben – vor allem, weil es ihr im Club und in der Stadt so gut gefällt und weil sie nicht schon wieder den Verein wechseln möchte. Und vielleicht auch, weil sie so auch ihren nächsten Geburtstag im Trainingslager an der Sonne verbringen kann.

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