Gerd Strack mit nur 64 Jahren gestorben

Mai
Samstag, 23.05.2020 // 16:52 Uhr

Nur wenige Tage nach dem Tod von Bruno Graf ist ein weiterer FCB-Verteidiger der Achtzigerjahre verstorben. Und wie Graf wurde auch Gerd Strack, der von 1985 bis 1987 in Basel gespielt hatte und durch einen Herzinfarkt sein Leben verlor, nicht alt. Er verschied am 21. Mai 2020 im Alter von nur 64 Jahren.

Gerd Strack war für damalige Verhältnisse ein prominenter Zuzug des FCB, der die bereits einige Jahre zuvor begonnene sportliche Talfahrt im Sommer 1985 mit der Rückholung des langjährigen Erfolgstrainers Helmut Benthaus zu stoppen versuchte. Benthaus war drei Jahre zuvor nach 17-jähriger Tätigkeit in Basel zum VfB Stuttgart gewechselt und hatte den Schwaben nach 32-jährigem Unterbruch 1984 wieder einmal zu einem deutschen Meistertitel verholfen. Ein Jahr danach kehrte er nach Basel, mittlerweile zu seiner Heimatstadt geworden, zurück.

 

Und Benthaus brachte aus der Bundesliga einen namhaften Spieler zum FCB mit, der in jenen Tagen bereits andere starke Spieler wie André Ladner, Marco Schällibaum oder Enrique Mata verpflichtet hatte: Den damals 30-jährigen ehemaligen Nationalspieler Gerd Strack, der zuvor während elf Bundesliga-Saisons 261 Spiele für den 1. FC Köln ausgetragen hatte, dabei als Libero oder Vorstopper immerhin 29 Tore schoss und mit seinem Verein dreimal DFB-Pokalsieger und einmal deutscher Meister wurde, und zwar unter so bedeutenden Trainern wie Zlatko Cajkovski, Hennes Weisweiler und Rinus Michels. Selbst sein Jugendtrainer bei der SpVg Frechen, wohin Strack mit zwölf Jahren von Glückauf Habbelrath-Grefrath wechselte, trug einen prominenten Namen: Reiner Calmund.

 

1982 und 1983 kam Strack unter Jupp Derwall zu zehn Länderspielen. Dass  er in seinem letzten Match mit der DFB-Elf am 20. November 1983 in Saarbrücken kurz vor Spielende per Kopf den 2:1-Siegestreffer gegen Albanien erzielte, ist gewiss einer der Gründe, weshalb er in den zahlreichen Nachrufen in den deutschen Medien als „Legende“ oder „Ikone“ bezeichnet wurde. Denn ohne Stracks  Kopftor im letzten Qualifikationsspiel hätte Deutschland die EM 1984 in Frankreich verpasst. An der EM-Endrunde selbst bekam er von Derwall keine einzige Minute Spielzeit. Deutschland schied nach der Vorrunde aus, Derwall musste gehen und dessen Nachfolger Franz Beckenbauer berief Strack nicht mehr.

 

Für den FCB aber war das irgendwie ein Glücksfall. Denn andernfalls hätte er sich einen Spieler vom Format und Namen wie Strack gewiss nicht leisten können. Zu einer Rückkehr an die Schweizer Spitze hatte dann zwar auch Strack den FCB nicht führen können, aber immerhin verhalf er dem Team zusammen mit anderen durchaus guten Spielern wie René Botteron, Martin Jeitziner, Ruedi Zbinden, Freddy Grossenbacher, Erni Maissen, Adrian Knup, Peter Nadig, Thomas Hauser, Dominique Herr oder Beat Sutter das Herausschieben des 1988 dann nicht mehr vermeidbaren Abstieg in die NLB um ein paar Jahre.

 

In zwei Saisons und 48-NLA-Spielen hatte Strack neben seiner tüchtigen Defensivarbeit auch sechs Tore erzielt. Sein persönliches Basler Highlight muss indes jener auch für viele Fans unvergessliche Cup-Halbfinal vom 15. April 1986 im alten Joggeli gewesen sein. Gegner war der Servette FC, damals ein stark besetztes und teures Team mit Spielern wie Burgener, Geiger, Decastel, Schnyder, Kok, Jaccard und Magnusson. Und tatsächlich zogen die Genfer früh weg: Nach drei Minuten hiess es 0:1, nach 18 Minuten 0:2 und zur Pause 0:3.

 

Das ist üblicherweise weder der Moment noch der Spielstand, um zwei Stürmer für die zweite Halbzeit rauszunehmen und einen Innenverteidiger einzuwechseln. Doch exakt das tat Benthaus. Für Thomas Hauser, den einen der beiden Angreifer, kam Peter Nadig, und für Beat Sutter wechselte der Trainer Gerd Strack ein. Und tatsächlich: Mit drei Kopfballtorenzwischen der 68. und der 90. Minute zum 3:3 erzwang der Kölner die Verlängerung. In der allerdings verweigerte der Schiedsrichter den Baslern mit einem nicht gerechtfertigten Penalty, den Alain Geiger zum 3:4 verwandelte, ein mögliches Happy-End.

 

Nach seiner Basler Zeit kehrte Gerd Strack in seine heimatliche Umgebung zurück. Er unterschrieb in der 2. Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf seinen letzten Profi-Vertrag,  seine Karriere musste er dann aber nach nur noch 17 Spielen wegen Bandscheiben-Beschwerden beenden. Anschliessend betätigte sich Strack zeitweilig in einer Lotto-Annahmestelle, war zudem als freier Trainer bei diversen Jugendfussballschulen aktiv und arbeitete als Repräsentant einer Immobilienfirma.

 

Seit 1976 war er mit Emmy Strack verheiratet  und lebte mit ihr und den drei Töchtern  in Hürth-Hermülheim. Früher auch ein guter Tennisspieler, habe man Strack zuletzt nahezu täglich seine Runden auf dem Velo durch Hürth drehen gesehen, wie der 1. FC Köln auf seiner Website schrieb. Bis zuletzt habe Strack auch regelmässig Spiele der Kölner Nachwuchsmannschaften am Geissbockheim gesehen und sei er Dauer-Ehrengast bei den Bundesligabegegnungen in Müngersdorf gewesen, heisst es auf www.fc.de.

 

Es werden neben seiner hinterbliebenen Familie Tausende von Kölner Fans um einen der Ihren trauern, doch auch im FCB und seiner Fangemeinde wird man Gerd Strack und seine Zeit in Rotblau in bester Erinnerung behalten.

 

Allen, die Gerd Strack vermissen, sei Trost und Kraft auch seitens des ganzen FC Basel 1893 gewünscht.

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