Der frühere FCB-Torhüter Kurt Stettler ist gestorben

Freitag, 11.12.2020 // 17:22 Uhr

Vor rund zwei Monaten veröffentlichten wir auf dieser FCB-Website ein ausführliches Portrait über ihn, sein langes Leben und vor allem über seine Karriere als hervorragender Torhüter beim FCB und der Schweizer Nationalmannschaft. Jetzt ist Kurt Stettler am 8. Dezember 2020 im Waidspital Zürich im Alter von gut 88 Jahren gestorben. Auch ihn verschonte die Pandemie bedauerlicherweise nicht.

Kurt Stettler wirkte von 1957 bis 1964 sieben Jahre lang als höchst zuverlässiger Stammgoalie beim FC Basel 1893, für den er 191 Wettbewerbsspiele bestritt. Sein aufregendster Auftritt in Rotblau war gewiss der ziemlich überraschende Cupsieg des FCB, der am 15. April 1963 vor 40'000 Zuschauern im Berner Wankdorf gegen die favorisierten Grasshoppers in der Besetzung mit Stettler, Stocker, Porlezza, Michaud, Vogt, Weber, Odermatt,  Gatti, Blumer, Pfirter und Ludwig antrat. Mit 2:0 durch Tore von Heinz Blumer und Otto Ludwig holte sich der FCB den dritten Cupsieg seiner Geschichte.

 

Neben dem Gewinn eines Titels dürfte es für Stettler eine zusätzliche kleine Freude gewesen sein, dass in diesem Endspiel im GC-Tor sein Nationalmannschaftsrivale Charles Elsener stand. Elsener, der Tessiner Antonio Permunian und Stettler waren in der Tat die drei Torhüter im Schweizer Kader an der WM-Endrunde von 1962 in Chile. Die Rollen waren dabei allerdings so klar verteilt, dass weder Stettler noch Permunian am gesetzten Elsener vorbeikamen. Damit blieb es neben anderen Aufgeboten, die Stettler als Ersatztorhüter erhielt, bei zwei offiziellen Länderspielen. Das erste verlor die Schweiz im Wembley Stadium zu London gegen England 1:3. Dieses Ergebnis stand schon zur Halbzeitpause fest, ehe Stettler für Permunian in der 46. Minute eingewechselt wurde, womit der damalige FCB-Goalie in seinem ersten Einsatz ungeschlagen blieb. Das allerdings durfte Kurt Stettler rund ein Jahr später nicht mehr in sein Palmarès eintragen. Denn dieses Mal setzte es für die Schweiz eine 1:8-Niederlage ab, wieder gegen England, dieses Mal aber vor fast 50'000 Zuschauern im alten Joggeli in Basel. Zur Ehrrettung von Kurt Stettler: Es ist, wenn eine Mannschaft so viele Tore in einem Spiel kassiert, nie der Torhüter der Hauptschuldige. In der Tat war in diesem Match gegen die Engländer mit ihrer Traum-Offensive Charlton, Greaves und Byrne einiges an Schweizer Fussballprominenz dabei, unter anderem Köbi Kuhn, Heinz Schneiter, André Grobéty, Toni Allemann, Heinz Bertschi, Philippe Pottier und – er allerdings noch nicht als «Promi», sondern als Länderspielneuling, auch Karl Odermatt. Und sie alle konnten dieses unschöne Resultat auch nicht verhindern.

 

Besser, ja genau umgekehrt, war es Kurt Stettler ein paar Jahre zuvor bei seinem allerersten Wettbewerbsspiel mit dem FCB gelaufen. Da gewann er als Hintermann von Teamkollegen wie die Hügi-Brüder Hans und Seppe, wie Pierre Redolfi, Hans Weber, Hans-Ulrich Oberer, Rudolf Burger, Hermann Suter oder Gottlieb Stäuble das Auftaktspiel zur Saison 1957/58 vor 7000 Zuschauern im Landhof gegen den FC Winterthur mit … ja, eben mit 8:1.

 

Auf Weltreise mit dem FCB

 

Neben den vielen Spielen gehörte die berühmteste Weltreise des FCB zu Kurt Stettlers Basel Erinnerung. Diese unglaubliche Reise führte die Mannschaft innerhalb eines Monats unter anderem nach Karatschi, Kalkutta, Bangkok, Hongkong, Kuala Lumpur, Singapur, Sydney, Melbourne, auf die Fidschi, nach Tahiti, Honolulu, San Francisco, Los Angeles, Mexiko, New York und London. Nicht weniger als 19 Mal bestieg der FCB in dieser „Vorbereitung“ auf die Rückrunde ein Flugzeug, um zehn Testspiele zu bestreiten, und das mit einem Kader, das nur 16 Spieler umfasste, von denen drei im Verlauf der Tournée dann auch noch verletzt ausfielen. So richtig überrascht dürfte niemand gewesen sein, wenn er jetzt das liest: Als Tabellenführer zur Winterpause war der FCB auf diese Reise gegangen, das erste Spiel der Rückrunde verlor er dann gegen den FCZ gleich 0:5, am Ende der Meisterschaft stand der 8. Rang zu Buche. 

 

Zur Welt kam Kurt Stettler am 31. August 1932 in (sic!) Stettlen im Berner Worbtal. Seine ersten fussballerischen Schritte tat er in einer Schülermannschaft der Young Boys und dann bei den Junioren des SC Ostermundigen. In dieser Zeit absolvierte er seine Lehre als Bäcker-Konditor, verliess dann die elterliche Umgebung und ging aus beruflichen Gründen in den Kanton Tessin, wo er für den FC Lugano und den FC Locarno spielte, ehe er als 20-jähriger in die Deutschschweiz zurückkehrte und vor seinem Wechsel zum FCB im Jahr 1957 für den FC Bern und den FC Luzern das Tor gehütet hatte.

 

Letzer Einsatz als 45-Jähriger

 

Seine fussballerische Laufbahn mit über 300 Spielen beendete er mit einem Engagement als Goalie der Zürcher Young Fellows, für die er von 1964 bis 1967 in der NLB und nach dem Aufstieg wieder in der NLA zwischen den Pfosten stand. Dann beendete er im Alter von 33 Jahren seine Torhüterkarriere. Oder fast! Denn diese Schmonzette passt ja wohl auch in die spannende Laufbahn des Kurt Stettler – denn deutlich über zehn Jahre nach seinem Rücktritt stand er notfallmässig nochmals für ein Spiel im Goal der Young Fellows, und das als 45-jähriger!

 

Kurt Stettler war während seiner ganzen Karriere Amateur. In der Tat machte er in Basel neben dem Fussball Karriere im Einkaufszentrum Bläsi, in dem er sich vom Verkäufer zum Geschäftsleiter hocharbeitete. Danach war er bis zu seiner Pensionierung Inspektor bei der Sport-Toto-Gesellschaft.

 

Kurt Stettler genoss den Ruhestand in Au am Zürichsee mit seiner Frau Margrit Stettler-Christen.

Nach rund 35 Jahren bei diesem Arbeitgeber nahm Kurt Stettler in Au am Zürichsee Wohnsitz und genoss mit seiner Frau Margrit Stettler-Christen den Ruhestand – mit sehr viel Aufmerksamkeit weiterhin für den Fussball und insbesondere auch für den FCB. Mit Margrit Stettler war er über 65 Jahre lang verheiratet – und auch zur Frage, wie sich die beiden kennen gelernt hatten, gibt es eine hübsche Anekdote: In seiner Zeit beim FC Luzern organisierte der Club einen Gala-Abend für seine Mannschaft. Es spielte das Orchester von Hazy Osterwald. Margrit Christen war an diesem Abend im Service tätig und kam so mit den Spielern ins Gespräch, auch mit Kurt Stettler. In der Pause kam Bandleader Hazy Osterwald zu ihnen. Er sagte zu Margrit: „Dä Stettler, dä muesch im Aug bhalte, dä wurd guet zu Dir passe“. Der Interpret des legendären „Kriminal-Tango“ lag mit dieser Feststellung goldrichtig…

 

Neben der zurückgebliebenen Ehefrau trauern jetzt auch Tochter Ursula Stettler mit Familie und Sohn Bruno Stettler mit seiner Familie um Kurt Stettler. „Er hat ein gutes Leben gehabt, mein Vater“, sagte Bruno Stettler am Telefon mit dem FCB. „Er war lange gesund und hatte finanziell einen gesicherten Lebensabend“. Gerne nahm Kurt Stettler – zusammen mit anderen Ex-Spielern – auch einige Einladungen als Ehrengast bei FCB-Heimspielen an und blieb ein aktiver Senior, bis auch ihn das Schicksal vieler Menschen traf: Er musste am 5. Dezember 2020 an Covid19 erkrankt ins Spital eingeliefert werden, wo ihn nur drei Tage danach der Schlaf friedlich und entspannt in den Tod begleitete.

 

Die Gedanken des gesamten FCB gehören den Hinterbliebenen, allen voran der betagten Gattin, den Familien und dem Freundeskreis von Kurt Stettler, der in ganz anderen Zeiten dem FCB viel gegeben und die damalige rotblaue Zeit stark mitgeprägt hat.

Dieser Inhalt wurde automatisch von einem alten System migriert. Auffällige Fehler bitte an newsroom@fcb.ch schicken.

 

Mehr zum Thema

Ihr Browser ist veraltet.
Er wird nicht mehr aktualisiert.
Bitte laden Sie einen dieser aktuellen und kostenlosen Browser herunter.
Chrome Mozilla Firefox Microsoft Edge
Chrome Firefox Edge
Google Chrome
Mozilla Firefox
MS Edge
Warum benötige ich einen aktuellen Browser?
Sicherheit
Neuere Browser schützen besser vor Viren, Betrug, Datendiebstahl und anderen Bedrohungen Ihrer Privatsphäre und Sicherheit. Aktuelle Browser schließen Sicherheitslücken, durch die Angreifer in Ihren Computer gelangen können.
Neue Technologien
Die auf modernen Webseiten eingesetzten Techniken werden durch aktuelle Browser besser unterstützt. So erhöht sich die Funktionalität, und die Darstellung wird verbessert. Mit neuen Funktionen und Erweiterungen werden Sie schneller und einfacher im Internet surfen können.