Riola Xhemaili: Nicht zu bremsen

Portrait
Mittwoch, 10.03.2021 // 18:33 Uhr

Das folgende Porträt über Riola Xhemaili ist im aktuellen "Rotblau Magazin" erschienen.

Sie gilt als das grösste weibliche Talent im Schweizer Fussball: Riola Xhemaili, 17 Jahre jung, aus Biberist im Kanton Solothurn, Mittelfeldspielerin bei den FC Basel Frauen. Auf dem Platz brilliert sie mit Übersicht, Zweikampfstärke und grossem Willen. Neben dem Feld beeindruckt sie mit Reife, Anstand und Disziplin. „Talent zu haben ist schön, aber nicht genug. Man muss immer weiter an sich arbeiten“, sagt Xhemaili. Wer ist diese junge Frau, die nichts zu bremsen scheint?

 

Im Februar 2019 gewinnen die FC Basel Frauen ein Meisterschaftsspiel gegen YB aus Bern mit 2:1. Ein ganz gewöhnliches Spiel eigentlich – tauchte da nicht der Name Xhemaili in der Liste der Torschützinnen auf. Erst 15-jährig ist Riola Xhemaili zu diesem Zeitpunkt, noch spielt sie normalerweise für die U15 des FCB. Doch an dem Abend gibt sie ihr Debüt bei den NLA-Frauen.

 

Wie talentiert sie ist, war bekannt; trotzdem kam das Debüt unerwartet früh. „In jener Woche trainierte ich zwei Mal bei den Frauen. Und dann stand ich am Samstag bereits neunzig Minuten auf dem Platz, erzielte mein erstes Tor und gab ein Interview. Verrückt war das, aber schön“, sagt Xhemaili. „Dieses Spiel wird mir immer in Erinnerung bleiben.“

 

Knapp zwei Jahre sind vergangen. Seither ist viel passiert in Xhemailis Karriere. Als „das grösste Schweizer Talent“ wird sie allerorten bezeichnet, von überall her gibts Lob und Komplimente, für fussballerische genauso wie für menschliche Stärken. „Sie hat einen starken Charakter, der sich vor allem auf dem Platz zeigt“, schwärmt Teamkollegin Kristina Sundov. „Riola gibt immer Gas, sie ist lernwillig, ehrgeizig, motiviert. Sie weiss genau, was sie will. Nichts kann sie bremsen.“

 

Riola Xhemaili stand auch schon viermal für die Schweizer A-Nationalmannschaft im Einsatz.

Unaufhaltsam geht sie ihren Weg. Riola Xhemaili lässt sich von nichts aufhalten. Schon gar nicht von den paar Zentimetern Schnee, welche an diesem Donnerstagabend Mitte Januar die Sportanlagen St. Jakob bedecken. „Es ist zwar ein bisschen kalt, aber für mich spielt es keine Rolle, ob wir im Winter auf Schnee oder im Sommer bei grosser Hitze trainieren – Hauptsache, wir können trainieren in dieser speziellen Situation“, sagt Xhemaili und meint die Pandemie, die auch den Alltag der FCB-Frauen bestimmt. Masken sind sowieso Pflicht, es gibt wöchentlich einen Corona-Test, in der Garderobe dürfen sich nicht mehr als fünf Spielerinnen aufhalten. Und statt ans Mittelmeer geht’s ins Trainingslager nur für wenige Tage nach Lugano. Nach der Hinrunde liegen die FCB-Frauen auf Rang 4, bereits neun Punkte hinter dem souveränen Leader Servette-Chênois. Primäres Ziel der Baslerinnen ist daher Rang 2, der zur Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League berechtigen würde.

 

„Rotblau Magazin“: Riola, wie beurteilst du die bisherige Saison der FCB-Frauen?

Riola Xhemaili: Wir haben die Saison sehr gut begonnen, vieles ist aufgegangen und wir haben sogar einen Heimsieg gegen den FC Zürich gefeiert. Leider haben wir dann ein bisschen nachgelassen, schade. Aber wir entwickeln uns ständig weiter, das ist gut und wichtig. Wir werden uns verbessern, zum Beispiel im defensiven Bereich bei ruhenden Bällen. Solche Situationen müssen wir besser in den Griff bekommen.

 

In welchen Bereichen kannst du dich persönlich noch verbessern?

Im physischen Bereich. Ich muss an Kraft zulegen. Auch mein linker Fuss muss besser werden. Ich arbeite auch regelmässig im mentalen Bereich. Da muss ich noch lernen, besser mit Drucksituationen umzugehen. Zum Beispiel, wenn es in der Ausbildung viel zu tun gibt, ich aber auch auf dem Platz meine Leistung bringen muss. Das möchte ich in Zukunft noch besser balancieren.

 

Gerade der Januar war diesbezüglich eine Probe für Riola Xhemaili, die sich im letzten von drei Ausbildungsjahren zur Bankkauffrau bei der Basler Kantonalbank befindet. Am Tag des Gesprächs mit dem „Rotblau Magazin“ gab sie ihre Abschlussarbeit ab, entsprechend gelöst und glücklich war ihre Stimmung. Die Tage mit Arbeit, Schule und Training sind jeweils lang, aber die 17-Jährige hat einen Weg gefunden, damit umzugehen: „Ich freue mich immer so fest auf das Wochenende und zähle die Tage bis zum nächsten Match. Das motiviert mich während der ganzen Woche.“

 

Bis zum Lehrabschluss im Sommer wird Xhemaili im Beratungscenter arbeiten, ohne Kundenkontakt. Es gefällt ihr, wenn sie per Telefon Kundenwünsche erfüllen kann – auch, weil sie dann in Alltagskleidern im Büro sitzen kann. Zu Beginn der Lehrzeit habe sie noch einige Fehler gemacht, das sei ihr richtig eingefahren, sagt Xhemaili: „Einmal kam ein Kunde zu mir und sagte, es sei jetzt schon das zweite Mal, dass ich einen Fehler mit den Zahlen gemacht hätte. Das ist mir geblieben, und ich habe viel daraus gelernt. Danach prüfte ich immer alles mehrmals. Der Effekt war also, dass ich verstand, wie es ist, mit fremdem Geld zu arbeiten.“

 

Was kann man dank einer Banklehre für das Leben lernen?

Ich glaube, dank der Lehre habe ich gelernt, richtig mit dem Geld umzugehen. Als junger Mensch denkst du wow, jetzt verdiene ich mein erstes Geld und gibst es – zack! – gleich wieder aus. Meistens für Dinge, die du gar nicht wirklich brauchst. Aber genau das habe ich eben nicht gemacht, sondern gespart. Weil man nie weiss, was kommt – und irgendwann ist die sportliche Karriere vorbei, dann brauchst du Geld auf der Seite. Gerade als Frau. Und das habe ich von Anfang an getan und glaube, dass ich deshalb einen vernünftigen Umgang damit habe.

 

Wenn du trotzdem einmal Geld ausgibst, wofür?

Für Schuhe! Das ist vielleicht das einzig Unvernünftige. Ich habe etwa 20 Paar Turnschuhe. Schöne Schuhe machen mir Freude. Fussballschuhe habe ich aber noch mehr, etwa 30 Paar. Es gibt jedoch auch vernünftige Dinge, für die ich Geld ausgebe. So gönne ich mir regelmässig eine Massage. Das ist gut investiertes Geld.

 

Verblüffend an dieser jungen Frau ist, wie  abgeklärt sie spricht, wie reflektiert und reif ihre Haltungen sind – zumal für eine Jugendliche im Teenageralter. Sie hat sich aber auch Unbekümmertheit bewahrt. Während des Gesprächs ist Xhemaili entspannt, freundlich, gut gelaunt. Und wohlerzogen: Mehrmals klingelt ihr Mobiltelefon – doch auf den Hinweis, sie könne ruhig rangehen, sagt sie: „Nein, sicher nicht.“ Sie sei hochanständig, pflege mit ihren Mitmenschen einen respektvollen Umgang, das hört man von allen Seiten.

 

Ich wollte immer mithalten mit den Jungs und habe gelernt, mich durchzubeissen.

 

 

Lobeshymnen gibt es natürlich auch für ihre fussballerischen Qualitäten: Sie habe eine ausgeprägte Eleganz am Ball, sei technisch stark, spielintelligent, kopfballstark, mit grossem Willen ausgestattet und noch mehr Leidenschaft, sie wolle immer gewinnen, sagen Teamkolleginnen und Trainer. Kurzum: Riola Xhemaili ist in jungen Jahren bereits eine Leaderin, die weiss, was sie will. Sie verfolgt nicht nur einen klaren Plan, sondern ist auch klar in ihren Aussagen. Beeindruckend für ihre Jugend. Es überrascht nicht, dass die Solothurnerin als „das grösste Schweizer Talent“ gilt.

 

Wie ist es, wenn alle sagen, man sei das grösste Talent?

Das ist natürlich sehr schön. Du kannst kein schöneres Kompliment bekommen, als jenes, du seist eines der grössten Talente des eigenen Landes. Von dort, wo du aufgewachsen bist, das ist schon unglaublich. Es motiviert mich auch, noch mehr zu arbeiten und zu trainieren. Wenn ich solche Komplimente höre, spornt es mich an, mich weiter zu verbessern.

 

Siehst du dich denn selber auch als grosses Talent?

Wie soll ich sagen …!? Natürlich musst du ein gewisses Talent haben. Aber die harte Arbeit, die ich investiere, um immer noch besser zu werden, die sieht niemand. Deshalb sage ich: Talent zu haben ist schön, aber nicht genug. Man muss immer weiterarbeiten.

 

Xhemailis Entwicklung ist bemerkenswert. Denn die Biberisterin spielt erst seit rund sieben Jahren vereinsmässig Fussball. Vorher war Volleyball Trumpf, auch dafür hatte sie viel Talent. „Nach dem Volleyballtraining ging ich immer direkt nach Hause, um noch ein bisschen mit meinem Vater und meinem Bruder zu kicken.“ Und so tritt Riola Xhemaili elfjährig dem FC Solothurn bei, bei den Jungs in der U11, wo auch ihr Zwillingsbruder Rion spielt.

24.08.2019

5 Fotos

Bald schon gelten sie als die „Fussball- Zwillinge aus Solothurn“, sind immer mit einem Ball unterwegs. Gemeinsam sorgen sie im Mittelfeld für Furore, von der U11 bis zur U15 stets im gleichen Team. Es folgt für beide der Wechsel zum FC Basel, wo Riola als einziges Mädchen überhaupt in einem männlichen FCB-Nachwuchsteam spielt und bei der U15 gar Captain ist. Zwillingsbruder Rion spielt aktuell in der U18, er verfolgt jedes Spiel seiner Schwester.

 

Habt ihr so ein typisches Zwillings- Verhältnis, unzertrennlich?

Wir haben eine sehr enge Verbindung, ja. Er brachte mich zum Fussball, ohne ihn wäre ich wahrscheinlich beim Volleyball geblieben. Nun motiviert er mich jeden Tag, erinnert mich an meine Träume und Ziele, sagt mir aber auch immer, dass ich den Spass am Fussball nicht verlieren dürfe.

 

Inwiefern hast du davon profitiert, bis zur U15 zusammen mit Jungs zu spielen?

Davon habe ich sehr stark profitiert! Erst diese Erfahrungen haben mich so weit gebracht. Der Ehrgeiz, die Zweikämpfe, auf die Zähne beissen … All das hat mich stark gemacht. Ich wollte immer mithalten mit den Jungs und habe gelernt, mich durchzubeissen. Das kommt mir heute bei den Frauen zugute.

 

Hart arbeiten und nie aufgeben, diese Attribute verkörpert auch Xhemailis Vorbild Cristiano Ronaldo. Nebst dem Star aus Portugal hat sie aber auch ein Idol aus der Schweiz: die Nationalspielerin Ramona Bachmann. Vor einigen Jahren war Bachmann für eine Autogrammstunde in Solothurn, die kleine Riola ging hin und machte ein Foto. Und ein paar Jahre später, im September 2020, bekam Xhemaili ihr erstes Aufgebot fürs A-Nationalteam der Frauen. Plötzlich stand sie als neue Schweizer Nationalspielerin neben ihrem Idol auf dem Rasen.

 

Steckbrief

 

 

Name: Riola Xhemaili

Geburtsdatum: 5. Marz 2003

Geburtsort: Solothurn

Nationalität: Schweizerin

Position: Aufbauerin

Rückennummer: 10

Beruf: Ausbildung zur Bankfachfrau im letzten Jahr

Karriere:

     

  • 2013–2018 FC Solothurn
  • Seit 2018 FC Basel 1893
  •  

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