Marco Zwyssig – der Spezialist für alle Fälle im Abwehrzentrum

Portrait
Mittwoch, 21.08.2019 // 11:22 Uhr

In der glorreichen Champions-League-Saison 2002/03 standen beim FC Basel 1893 Leute wie Christian Gimenez, Julio-Hernán Rossi, Pascal Zuberbühler, Scott Chipperfield, Ivan Ergic, und die Yakin-Brüder Murat und Hakan im Scheinwerferlicht. Ebenfalls mit dabei und nicht weniger wichtig war in dieser Phase der Innenverteidiger Marco Zwyssig. Der beim FC St. Gallen 1879 gross gewordene, wechselte vom FC Tirol Innsbruck nach Basel und hat einiges zur Realisierung der rotblauen Champions-League-Träume beigetragen.

Als seinen „absoluten Wunschspieler“ bezeichnete FCB-Cheftrainer Christian Gross am 19. Januar 2002 in der Basler Zeitung den Schweizer Internationalen Marco Zwyssig. In diesen kalten Januartagen hatten der FCB wie auch der Hamburger SV um den in der Ostschweiz aufgewachsenen und damals beim FC Tirol Innsbruck spielenden Defensivstrategen gebuhlt. Doch nachdem die Verhandlungen mit den Hansestädtern letztendlich im Sand verlaufen waren, vermochten die Argumente der Basler Vereinsleitung Marco Zwyssig zu überzeugen. Zwyssig hatte zuvor in Innsbruck nebst einem Meistertitel auch mühsame Zeiten erlebt. Die Lohnzahlungen erfolgten zuerst nicht mehr pünktlich und dann gar nicht mehr. Schliesslich musste der Innenverteidiger gerichtlich gegen die Innsbrucker vorgehen. Nach seinem Abgang wählte er den FCB als seinen neuen Arbeitgeber. 1,5 Millionen überwiesen die Bebbi damals als Transfersumme an die Österreicher. Für den zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung bereits 30-jährigen Marco Zwyssig brach damit eine neue Epoche an. 

 

Start in Basel mit dem Double

 

Mit dem 1.90 Meter grossen Marco Zwyssig verfügte der FCB neben dem Bisherigen Murat Yakin im defensiven Schaltzentrum über ein zusätzliches Abwehrbollwerk. Der Club hatte einen Spieler gewonnen, der robust, zweikampfstark und defensiv stabil daherkam und dank seiner beeindruckenden Kopfballstärke bei Offensivaktionen für Gefahr vor dem gegnerischen Kasten sorgen konnte. „Ein kompletter Abwehrspieler muss nebst dem nötigen Stellungsspiel auch über viel Spielverständnis verfügen“, sagt Zwyssig. „Wichtige Punkte sind eine gewisse Physis sowie ein gutes Kopfballspiel. Von zentraler Bedeutung ist heute der Spielaufbau. Ein Verteidiger muss in der Lage sein, präzise, lange Pässe zu bringen und damit das Spiel der eigenen Mannschaft anzukurbeln.“

 

In der Saison 2001/02 schaffte Marco Zwyssig mit gleich drei Titelgewinnen ein kleines Kunststück. Zuerst wurde er Meister mit Tirol Innsbruck, dann holte er mit den Rotblauen das Double. Am 24. April 2002 eroberten sich Zwyssig und der FCB auf dem Berner Neufeld mit einem klaren 3:0-Sieg über die Young Boys den Meistertitel. Die Treffer für Basel kamen durch Hervé Tum, George Koumantarakis und durch ein Eigentor von YB zustande. Wenige Tage später, am 12. Mai 2002 bezwangen die Basler die Zürcher Grasshoppers in einem epischen Cupfinal dank Toren von Hervé Tum und Murat Yakin (Handspenalty) mit 2:1 nach Verlängerung.

 

Grosse Bewährungsproben

 

In dieser Phase verfügten die Basler vermutlich über die stärkste Mannschaft aller Zeiten. Die bestmöglichen Akteure taten mit und in der Person von Christian Gross hatte der FCB einen Cheftrainer, der als Meister der Motivation wirkte und mit seinen guten Präsentationen und seinem individuellen Gespür für die einzelnen Spieler für Furore sorgte. National hatten die Rotblauen alles dominiert, jetzt – in der Saison 2002/03 – kamen hochkarätige internationale Gegner dran. Die Sternen-Nächte im Rahmen der Champions League waren so nah wie noch nie. Doch für die Champions-League-Qualifikation fassten die Rotblauen mit Celtic Glasgow einen happigen Gegner. 3:1 verloren die Rotblauen mit Zwyssig das erste Spiel vor 58'529 Zuschauern im Celtic Park – doch Christian Gross vermochte ihnen neuen Mut einzuimpfen. „Wir brauchen ein Tor pro Halbzeit, dann sind wir qualifiziert“, erklärte er bei der Mannschaftsbesprechung vor dem Rückspiel in Basel. Die FCBler hielten sich vorbildlich an diesen Gameplan. Christian Gimenez und Murat Yakin hatten vor 30'510 Zuschauern für eine 2:0-Führung gesorgt. Das „Wunder von Basel“ war greifbar nahe. Ganz am Schluss dieses packenden Kräftemessens warfen die verzweifelten Schotten nochmals alles nach vorne. Die ausgebufften Profis aus Glasgow probierten alles, um das für sie eminent wichtige Auswärtstor zu erzielen. Auf Biegen und Brechen wurde gefightet. Dann brach die 92. Minute an. Celtic hatte den Vorwärtsgang eingelegt, wie man es kennt von ihnen. Und dann kam er, jener knallharte Schrägschuss von Celtics Chris Sutton von der Strafraumgrenze aus. Der Ball sauste lange, lange durch die Luft...

 

...und zischte schliesslich wie durch ein Wunder um knappe zwei oder drei Zentimeter am entfernteren Basler Pfosten vorbei. Eins ist klar: Goalie Zuberbühler, die Basler Feldspieler und sämtliche Kiebitze mit rotblauen Herzen auf den Rängen haben nach dieser im Basler Kollektivgedächtnis verankerten Szene hörbar durchgeschnauft. Marco Zwyssig lächelt, wenn er an diese wildbewegten Tage denkt. „Es war so turbulent damals, und es stürzte derart viel auf uns ein. Wir waren plötzlich mittendrin im internationalen Geschäft“, kommentiert er. „Niemand hätte zu hoffen gewagt, dass wir das grosse Celtic Glasgow in zwei Spielen eliminieren könnten. Das war schon einzigartig.“ Die Medien in Helvetien reagierten ungewohnt euphorisch: „Hallo Champions League, darf ich mich vorstellen: Ich bin der Neue, ich bin der FC Basel“, jubelte beispielsweise Sportreporter Beni Thurnheer unmittelbar nach Spielschluss am Mikrophon des Schweizer Fernsehens.

 

Der Hit gegen Liverpool

 

Als dann die Auslosung bekannt wurde, fing für Marco Zwyssig & Co. definitiv der Ernst des Lebens an. Basel fand in einer Gruppe mit dem FC Liverpool, dem FC Valencia und Spartak Moskau wieder. Nach diesem Hammerlos dachten viele Fussballfreunde, dass nach dieser ersten Gruppenphase für den FCB jetzt dann bald Ende Feuer sei mit der Champions League. Doch die mutigen Basler schafften das Husarenstück. In allerbester Erinnerung ist heute noch der Match gegen den Liverpool FC, als Rotblau vor 29’534 Zuschauern nach drei absoluten Traumtoren mit 3:0 in Führung lag. Das „Joggeli“ erzitterte während der ersten Halbzeit in seinen Grundfesten. Christian Gross hatte vor diesem Rencontre gegen die Männer aus der „Beatles“-Metropole von all seinen Spielern in einer eindringlichen Ansprache eine „Night To Remember“ gefordert – einen Match also, an den sie sich das ganze Leben gerne zurückerinnern werden. Die Rotblauen folgten diesem Aufruf mit letzter Konsequenz. Der jederzeit für abgeklärtes Understatement und ruhige Berichterstattung bekannte Marco Zwyssig sagt dazu: „Das war schon speziell, das Ganze. Diese FCB-Tore von Julio Hernán Rossi, Christian Gimenez und Timothée Atouba – alle in der ersten Halbzeit.“ Liverpool agierte damals unter anderem mit millionenschweren Stars wie Vladimir Smicer, Michael Owen, Steven Gerrard, Danny Murphy, Jamie Carragher, John Arne Riise und Jerzy Dudek.

 

Der Rest dieser historischen und denkwürdigen Partie, mit der ebenfalls sensationell anmutenden Aufholjagd der Liverpudlians bis hin zum 3:3, ist bekannt. Marco Zwyssig und seine Gefährten Bernt Haas, Murat Yakin und Timothée Atouba hatten in diesen Minuten, die ihnen wie Stunden vorkamen, Arbeit in Hülle und Fülle. Unzählige Bälle mussten sie in höchster Not klären und wegspedieren. Aber mit vereinten Kräften wurde der grosse Coup geschafft. Schlusspfiff, Jubelgesänge, tanzende Fans: Basel war drin, Liverpool war draussen. Auch in der Zwischenrunde, gegen Juventus Turin, Manchester United und Deportivo la Coruña machte der FCB in der Folge eine gute Figur. 2:1 gegen Juve, 1:0 gegen La Coruna, 1:1 auswärts gegen Manchester United – das sind wertvolle Resultate fürs Geschichtsbuch. Diese Partien bleiben „Zwyss“, wie er von seinen Kameraden genannt wurde, in lebhafter Erinnerung.

 

Natürlich haben Marco Zwyssig und seine Teamkameraden zwischendurch mitunter happige Rückschläge erlebt – etwa die 2:6-Pleite gegen Valencia, das 0:4 gegen Juventus (mit Gianluigi Buffon, Alessandro Del Piero, David Trezeguet und Pavel Nedved) auswärts in der Champions League 2002/03, oder das 0:1 gegen Heart of Midlothian im UEFA-Cup 2004/05, welches erst ganz am Schluss zustandekam – aber solche Dinge gehören im Fussballbusiness auf internationaler Ebene mit dazu. Insgesamt überwiegen für Marco Zwyssig sicher die bereits erwähnten magischen Nächte.

 

Nicht missen möchte der Ostschweizer aber auch die anderen Erfolge mit dem FCB in Meisterschaft und Cup. „Es war eine wunderbare Zeit in Basel. Ich schaue heute speziell auf alle meine ehemaligen Vereine und verfolge mit, was sie national und international zu bieten haben“, bekräftigt er. „Richtig mitleiden bei wichtigen Partien tue ich allerdings nicht, das wäre zu viel gesagt. Ich wünsche mir einfach das Beste für sie.“

 

Erwachsenenbildung und Frauenfussball

 

Seit seinem aus freien Stücken bestimmten Rücktritt vom Profifussball im Mai 2005 wohnt der ehemalige FCB-Spieler mit seiner Familie in der Ostschweiz. Er ist in der Erwachsenenbildung tätig und wirkt zum zweiten Mal als Coach der Frauenfussballmannschaft des FC St. Gallen 1879. Seine Kinder sind beide von Haus aus FCB-interessiert. Die Tochter, die selber beim FCSG Frauenfussball spielt, ist sogar ein richtiger FCB-Fan. Wenn es die Zeit erlaubt, kommen die Zwyssigs auch immer wieder gerne aus der Olmastadt ins „Joggeli“ zu Besuch, um eine Partie des FCB zu verfolgen.

 

 

Steckbrief

 

Name: Zwyssig

 

Vorname: Marco

 

Geburtstag: 24. Oktober 1971

 

Position: Innenverteidiger

 

Vereine:

 

Nachwuchs FC St. Gallen 1879: 1979-1992

FC Gossau: 1992-1996

FC St. Gallen 1879: 1996-2001

FC Tirol Innsbruck: 2001-2002

FC Basel 1893: 2002-2005

 

Erfolge: Schweizer Meister mit dem FC St. Gallen 1879, österreichischer Meister mit dem FC Tirol Innsbruck, dreimal Schweizer Meister mit dem FC Basel, zweimal Schweizer Cupsieger mit dem FC Basel.

 

Insgesamt 23 Spiele in Champions League und UEFA-Cup mit dem FCB. 20 Länderspiele mit der Schweizer Nationalmannschaft.

 

Bisher porträtierte Spieler: Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017), Hervé Tum (21. Juni 2017), Arthur von Wartburg (7. September 2017), Scott Chipperfield (15. November 2017) und Reto Baumgartner (11. Februar 2018), Walter Mundschin ( 29. März 2018), Thomas Hauser (3. Juni 2018), Stefan Huber (8. August 2018), Adrian Knup (13. Oktober 2018), Alex Nyarko (28. Dezember 2018), Helmut Hauser (28. März 2019) und Peter Bernauer (9. Juni 2019).

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