Beat Sutter – der Mann, der stets wusste, wo das Tor steht

Porträt
Montag, 01.08.2022 // 10:00 Uhr

Vom FC Gelterkinden aus stiess Beat Sutter seinerzeit zum FC Basel 1893. Mit Rotblau bestritt der torgefährliche Angreifer einen Cupfinal und wurde Alpencupsieger. Später erlebte er mit Neuchâtel Xamax gloriose Zeiten – mit den Rouges et Noirs von der Maladière feierte er zu zweien Malen den Titel eines Schweizer Meisters. In der Ära Gress/Facchinetti vermochte er auch auf internationaler Ebene zu brillieren.

Eine lange Mähne trug er zur Schau, als er anno 1981 vom FC Gelterkinden zum FC Basel stiess. Er konnte gut mit dem Ball umgehen, und er hatte stets ein breites Lächeln im Gesicht. Der selbstbewusste Mechaniker-Lehrling Beat Sutter wollte es richtig wissen. Bei seinem Stammclub hatte er einst Tore wie am Fliessband geschossen. Sein fussballerisches Können kam auch dem FCB zu Ohren. Eines schönen Tages kam Helmut Benthaus persönlich vorbei – sein Wechsel in die Rheinstadt war nur noch Formsache.

Beat Sutter entwickelte sich im Lauf der Jahre sukzessive zu einem omnipräsenten, beidfüssigen und kopfballstarken Angreifer. «Wer das Tor treffen will, muss einfach über Durchsetzungsvermögen und über den berühmten Torriecher verfügen», «Als Stürmer muss Du spüren, wo der Ball hinkommt», «Wichtig ist, dass Du am richtigen Ort stehst und Situationen richtig erfasst», betont er, aber auch: «Als Torschütze bist Du auf Mannschaftskameraden angewiesen, die Dir die Bälle zuliefern». Das Kollektiv kommt bei Beat Sutter ganz zuerst – er lebt auch heute noch getreu dieser Devise. Der sympathische Mann mit der Rückennummer 8 auf dem rotblauen Trikot wusste eben immer, worauf es wirklich ankommt. 

Mit Harald Nickel & Co.

Gemeinsam mit Stürmerstar Harald Nickel, Mittelfeldmann Alfred Lüthi, Abwehrchef Bruno Graf und Goalie Thomas Paul wechselte Sutter vor gut 40 Jahren zum FCB. Dieser hatte eine tolle Truppe beisammen mit unter anderem Küng, Müller, Geisser, Duvernois, Hasler, Maradan, Stohler, Gaisser, Demarmels, Mullis, Schär, von Wartburg, Lauscher, Maissen und Stefano Ceccaroni, dem grossen Bruder von Massimo. Im Sommer 1981 gewannen die Rotblauen gegen das französische Profiteam von Sochaux den Alpencup. Bereits in den Vorrundenspielen dieses einst jährlich wiederkehrenden internationalen Wettbewerbs lief es dem FCB nicht schlecht. Drei Siege schauten heraus und nur eine Niederlage.

Die Spielstärke der damaligen Gegner sei durch einige klingende Namen erläutert. Bei Bordeaux agierte der reaktionsschnelle Pantelic im Tor, mit dabei waren auch spielstarke Tenöre wie Trésor, Bracci, Giresse, Tigana und Lacombe. UEFA-Cup-Finalist Bastia rückte beispielsweise mit Torhüter Hiard sowie mit den Feldspielern Papi, Ponte, Orlanducci und WM-Held Milla an. Aber es waren schliesslich die Bâlois, die zuerst fleissig Punkte hamsterten und dann im Grande Finale im Joggeli triumphierten – sie taten dies notabene nach einem dramatischen Penaltyschiessen, bei welchem Beat Sutter bei seinem Versuch souverän blieb.
 

Dieses FCB-Team gewann zwar den Alpencup 1981, in der Schweizer Meisterschaft belegte der FCB aber damals jeweils Plätze im hinteren Mittelfeld. 

In der Schweizer Meisterschaft allerdings hatte der FCB in dieser Epoche weniger Erfolg als gewohnt. Achter, Elfter, Neunter, Achter, Zehnter, so lauteten die doch recht bescheidenen Rangierungen der Basler in jener Zeit. Im schon damals allseits begehrten Europacup-Konzert war man demzufolge nirgends vertreten. Nur allzu gerne wäre der torhungrige Forward mit seinen Rotblauen in einem Match im Joggeli gegen grosskalibrige Teams wie FC Liverpool, Real Madrid, Ajax Amsterdam, AC Milan, FC Bayern München oder Olympique Marseille auf den Rasen gelaufen.

Cupfinal und Balets Faust-Attacke

Immerhin vermochten sich die FCBler 1982 für den Cupfinal gegen den FC Sion zu qualifizieren. Im Viertelfinal hatten sie Lausanne-Sports (2:1), im Halbfinal die SR Delémont (3:0) eliminiert. Der Final vor mächtiger Zuschauerkulisse in Bern geriet dann zu einer mühseligen Geschichte für all jene, die ein rotblaues Herz haben. Lange Zeit wogte der Kampf hin und her, ohne dass ein Tor fiel. Rotblau hatte kapitale Chancen, vermochte diese aber leider nicht zu nutzen. Eine weitere bittere Episode war das penaltyreife Foul an Otto Demarmels. Er wurde klar und deutlich umgesäbelt, aber die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm. In der Schlussviertelstunde trat Sions Mittelfeldmotor Fernand Luisier einen Freistoss – derweil der aufgerückte Verteidiger Alain-Emile Balet den bedauernswerten Beat Sutter in der Mitte vor dem Tor mit einem gezielten Faustschlag niederstreckte. Mit dieser hässlichen, unfairen Attacke hatte niemand gerechnet. Umso schlimmer ist, dass aus dieser Spielszene heraus das entscheidende Tor resultierte, denn Balet bugsierte den Ball nach seinem rüpelhaften Foul direkt in die Maschen.

Das Faustschlag-Goal von Balet und ein nicht gegebener Elfmeter verhinderten einen FCB-Triumph im Cupfinal 1982. Hier beobachtet Beat Sutter den Kopfball von Erni Maissen.
© keystone

Beat Sutter sagt heute: «Den Faustschlag habe ich hart gespürt, Balet hat brutal zugeschlagen und voll getroffen. Ich war nach dieser bösen Szene ein Weilchen lang bewusstlos und habe im ersten Moment nicht mitbekommen, dass ein Tor gefallen ist. Entschuldigt hat sich der Sion-Akteur übrigens nie.»

Schöne Zeiten im Welschland

Auf die Saison 1986/87 vollzog Beat Sutter nach 141 Spielen und 51 Goals für den FCB dann den Wechsel in die Westschweiz. Neuchâtel Xamax – der Club mit den rotschwarzen Clubfarben von Trainer Gilbert Gress und Präsident Gilbert Facchinetti – wollte ihn unbedingt unter Vertrag nehmen. Im damaligen Team standen erfahrene Profis zuhauf. Kerle wie Joël Corminboeuf, Don Givens, Claude Ryf, Heinz Herrmann, Robert Lei-Ravello, Philippe Perret, Robert Lüthi und Uli Stielike. ¬Beat Sutter lernte perfekt französisch und fühlte sich in der familiären Ambiance am Neuenburgersee sehr wohl – auch wenn er einmal gegen Uli Stielike einen mittelgrossen Strauss auszufechten hatte. Insgesamt bestritt er 223 Spiele für die Xamaxiens, wurde zweimal Schweizer Meister, erreichte einen weiteren Cupfinal und war auch bei den Europacupspielen gegen Bayern München (2:1-Heimsieg), Real Madrid (1:0-Auswärtssieg) und Celtic Glasgow (5:1-Heimsieg) mit dabei. In seiner besten Zeit gingen bei Xamax für ihn sogar Angebote aus dem Ausland ein. Der holländische Traditionsclub PSV Eindhoven und der damals ambitionierte Elsässer Club FC Mulhouse wollten Beat Sutter verpflichten, doch der umsichtige Xamax-Boss Facchinetti blockte alles ab. Beat Sutter erfuhr erst später davon. «Damals waren wir Schweizer aber auch noch nicht so angesehen im Ausland», hält er fest.
 

61 Mal hat Beat Sutter das Trikot der Schweizer Nationalmannschaft getragen. Hier trägt er es in einem Spiel gegen Italien im November 1986.
© freshfocus

Nach acht wunderbaren Jahren auf der Maladière liess der Oberbaselbieter seine Karriere in der Folge bei Yverdon-Sport und bei St. Gallen ausklingen. Später wirkte er auch als Trainer bei Affoltern am Albis. Heute wohnt er in Zürich und ist Aussendienstmitarbeiter bei der Firma Swisslos. Sein Gebiet sind die Kantone Zürich und Aargau sowie mehrere Kantone in der Innerschweiz. Täglich rüstet der ehemalige Fussballer neue Verkaufssstellen mit Lotto und Losen aus und wirkt auch mit bei der Einführung von neuen Produkten.
Beat Sutter lebt seit 20 Jahren mit seiner Partnerin Antoniella zusammen.

Fussball findet bei Familie Sutter heute vor allem zuhause am Fernsehen statt.

Noch heute verfolgt Beat Sutter gerne die Spiele und die Resultate seiner Mannschaften. Er hofft, dass der FCB in der Conference League mit der Zeit wieder bekannte und dementsprechend zugkräftige Gegner erhält, denn die sind ihm persönlich, wie er bekennt, lieber als die Clubs der zweiten Garde. Selber ins Stadion pilgert er allerdings eher weniger. «Ich schaue mir das Ganze gerne zuhause am Fernseher an, da habe ich meine Ruhe», betont er. Und da ist es wieder, das breite Lachen auf seinem Gesicht.


Steckbrief

Name: Sutter
Vorname: Beat
Geburtsdatum: 12. Dezember 1962
Nationalität: Schweizer
Beruf: Aussendienstmitarbeiter bei der Swisslos
Position: Stürmer
 

Vereine:

Junioren und 1. Mannschaft FC Gelterkinden: Bis 1981
FC Basel 1893: 1981-1986
Neuchâtel Xamax: 1987-1994:
Yverdon-Sport FC 1994 bis 1995
FC St.Gallen 1879: 1995 bis 1996:
Yverdon-Sport FC: 1996 bis 1997:

141 Spiele, 51 Tore für den FCB in der Nationalliga A

Erfolge:

Cupfinalist mit dem FC Basel
Alpencuppartien mit dem FC Basel gegen Bordeaux, Bastia, Sochaux, Auxerre und Metz Alpencupsieger mit dem FC Basel 1981
Zweimal Schweizer Meister mit Neuchâtel Xamax 
Cupfinalist mit Neuchâtel Xamax 
Europacuppartien mit Neuchâtel Xamax gegen Bayern München, Real Madrid und Celtic Glasgow
223 Spiele, 67 Tore für Neuchâtel Xamax in der Nationalliga A
61 Länderspiele mit der Schweizer Nationalmannschaft, 13 Tore.

Beat Sutters Leistungsdaten beim FCB: Hier klicken​


Bisher porträtierte Spieler

Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017), Hervé Tum (21. Juni 2017), Arthur von Wartburg (7. September 2017), Scott Chipperfield (15. November 2017), Reto Baumgartner (11. Februar 2018), Walter Mundschin ( 29. März 2018), Thomas Hauser (3. Juni 2018), Stefan Huber (8. August 2018), Adrian Knup (13. Oktober 2018), Alex Nyarko (28. Dezember 2018), Helmut Hauser (28. März 2019), Peter Bernauer (9. Juni 2019),  Marco Zwyssig (21. August 2019) Lars Olsen (15. Oktober 2019), Ottmar Hitzfeld (16. November 2019)z, Thimotée Atouba (30. Januar 2020), Franco Costanzo (22. April 2020), Jörg Stohler (16. Juli 2020), Kurt Stettler (9. Oktober 2020), Mike Speidel (29. Dezember 2020), Örjan Berg (15. April 2021), Hakan Yakin (4. Juni 2021), Jean Müller (7. September), Mile Sterjovski (19. November 2021), Behrang Safari (20. Dezember 2021), Peter Marti (16. April 2022) und Walter Geisser (6. Juni 2022).

Text: Lukas Müller

Fotos: Manuel Geisser (Farbfotos), freshfocus und zVg sowie keystone (Schwarzweiss-Foto)

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