Paul Fischli – vom Angreifer zum Defensivspezialisten

Porträt
Samstag, 28.03.2026 // 11:00 Uhr

Im schönen Glarnerland, gemeinsam mit dem späteren FCZ-Sturmtank Fritz Künzli hat Paul Fischli seine fussballerischen Sporen abverdient. Der Mann mit Jahrgang 1945 hat laut Josef Zindels FCB-Buch «Die ersten 125 Jahre» über 300 Spiele für die Rotblauen absolviert und dabei elf Tore erzielt. Fünf Meistertitel, ein Cupsieg, ein Ligacupsieg und eine Reihe von denkwürdigen Europacupspielen zieren seine Bilanz. Von Helmut Benthaus wurde er vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert – mit grossem Erfolg.

Im Luschniki Stadion von Moskau braute sich anfangs der siebziger Jahre eine grosse Sensation zusammen. Der FCB mit seinem bekannten Anhänger Blueme Fritz, der notabene ohne Billett nach Russland mitreiste, traf auf starke Gegnerschaft aus dem Ostblock. Dennoch liessen sich die Bebbi nicht unterkriegen und zogen mit einigen Chancen ins Rückspiel. Für die Weltöffentlichkeit war Spartak Moskau klarer Favorit, aber Basel vermochte den Sieg davonzutragen. Ajax Amsterdam mischte ebenfalls mit, aber die Holländer rund um Superstar Johan Cruyff erwiesen sich letzten Endes als zu stark. Mit dabei war damals auch Paul Fischli. Der gebürtige Glarner mit der stolzen Zahl von über 300 Matches für die rotblauen Farben wirkte in den grossen FCB-Zeiten der Ära Benthaus im Joggeli. Anfänglich noch als Stürmer, und später auch als Verteidiger.

Glarner Jugendfreunde gegeneinander: Paul Fischli und Fritz Künzli.

Der FCB mit seinen schon damals flotten Fan-Horden war bei den Gegnern gefürchtet. Die Grasshoppers, der FC Zürich, die Young Boys, der FC Lugano, später auch Servette waren in Meisterschaft und Schweizer Cup die grössten Kontrahenten. Immer wieder machte der FC Basel in dieser Epoche auch im Europacup positiv auf sich aufmerksam. Das begann bei den Spielen gegen Atletico Madrid und Athletic Bilbao. Zählbare Resultate gegen solche Spitzenteams wurden damals in der Schweiz als Sensation betitelt. Interessant, dass genau diese Teams heute noch in Spaniens Primera Division die erste Geige spielen. Gut im Rennen – allerdings in Holland – ist nach wie vor Ajax Amsterdam. «Gegen die sind wir im Europacup der Meister ebenfalls angetreten», erinnert sich Fischli. «Mein Gegner Piet Keizer war allerdings ein unangenehmer Kunde für mich.»

Jahrhundert-Hits: Brügge und Celtic Glasgow

Was dann aber in der Saison 1973/74 im Europacup der Meister los war, das gehört heute ins Reich der rotblauen Legenden. Paul Fischli stand im Basler Aufgebot, als der FC Basel in Belgien nach hartem Kampf eine 1:2-Niederlage einsteckte. Im Rückspiel musste infolgedessen also ein Sieg mit zwei Toren Differenz her. Einfacher gesagt als getan. Besagte Aufholjagd vor der überschaubaren Kulisse von 12’500 Zuschauenden gipfelte dann in insgesamt zehn blitzsauberen Toren. Sechs davon gingen aufs Konto von FCB-Spielern. Rudolf Wampfler beispielsweise traf zu zweien Malen. Wenn Paul Fischli heute an diese denkwürdigen Begegnungen zurückdenkt, dann wiegt er seinen Kopf hin und her, denn er kann es selber nicht fassen.

In seiner Zeit im rotblauen Leibchen hat Paul Fischli sieben Titel geholt. Fünfmal die Meisterschaft, einmal den Schweizer Cup und einmal den Ligacup.

Eins ist klar, der FCB hat an diesem Abend gegen Belgiens Vorzeigeclub dank offensiver Feuerkraft immer wieder das gegnerische Tor getroffen und mit dem Endresultat von 6:4 wahrhaft Grosses zustande gebracht. Erfreulich in der Gesamtbilanz war beispielsweise das 3:2 ebenfalls im Joggeli gegen Celtic Glasgow. Karli Odermatt erzielte hierbei vor 25000 Zuschauenden mit einem seiner unnachahmlichen Freistösse das Tor des Jahres. Im Rückspiel verloren die Basler mit 2:4 nach Verlängerung. Damals galt in solchen Spielen noch die Auswärtstor-Regel. 

Zuerst Stürmer, dann Verteidiger

All diese Erfolge erlebte Fischli aus der Perspektive des erfahrenen Abwehrspielers. Begonnen hatte er seine Karriere ja als Stürmer. Und er schoss auch das eine oder andere wichtige Goal, etwa im Alpencup gegen die AS Roma. Gegen die Römer Hauptstädter schaute damals ein 2:2-Unentschieden heraus. Beim FCB tobte damals im Offensivbereich ein heftiger Konkurrenzkampf. Hauser, Hitzfeld, Balmer, Wenger – alle wollten sie spielen. So ernannte Benthaus kurzfristig Paul Fischli als neuen Aussenverteidiger.

Paul Fischli – er wurde durch den Erfolgstrainer Helmut Benthaus vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert.

Aussenback spielte er etwa im Alpencup gegen Eintracht Frankfurt (mit Jürgen Grabowski) und gegen Schalke 04 (mit Stan Libuda). Später wurde er als Innenverteidiger nominiert, an der Seite von Walter Mundschin. Der zuverlässige mannschaftsdienliche Spieler schickte sich in seine neue Rolle, obwohl er an sich gerne noch weiter im Sturm gespielt hätte. Happig war für Fischli insbesondere der Tag, an dem er gegen seinen Jugendfreund Fritz Künzli antreten musste. Erfolgstrainer Helmut Benthaus hatte das so verfügt. Er sagte in seiner unverwechselbaren Art: «Ich will jetzt einmal sehen, welcher von beiden Glarnern der bessere ist.»

Unzählige Anekdoten

In all den Jahren hat Paul Fischli unglaublich viel Schönes erlebt. «Der Fussball hat mir viel gegeben», resümiert er. Neben den fünf Meisterfeiern und der Feier nach dem Sieg im Cupfinal gegen Winterthur folgte viele Jahre später eine Stadtrundfahrt der FCB-Legenden auf Waggiswagen zur Feier des FCB-Jubiläums. Da waren auch die Pokale mit auf den Wagen. Ausserdem durfte Paul Fischli beispielsweise mit Karli Odermatt, Seppi Kiefer & Co. ans Zürcher Sechstagerennen gehen, wo die extravertierten FCBler als sportliche Vertretung der Stadt Basel gute Figur machten.

«Einmal FCB – immer FCB», Paul Fischli drückt auch heute noch Rotblau die Daumen.

Heute ist der mit seiner Frau Charlotte in Frick wohnhafte Heimweh-Glarner nicht mehr so oft zu Besuch im Joggeli, aber er fiebert mit, wenn dort ein packendes Heimspiel der Rotblauen ansteht. Bei Begegnungen wie Basel-Zürich ist Paul Fischli mit sichtbaren Emotionen mit dabei. «Einmal FCB – immer FCB», lacht er in seinem sympathischen Glarner Dialekt.


Steckbrief

Name: Fischli
Vorname: Paul
Geburtsdatum: 6. Mai 1945
Nationalität: Schweizerisch
Position: Stürmer, Aussenback, Innenverteidiger

Vereine:
FC Glarus: vor 1964
FC YF/Juventus Zürich: 1964-1968
FC Basel 1893: 1968-1979
FC Aarau: 1979-1980

300 Spiele 11 Tore für den FCB.


Erfolge:

Fünfmal Schweizer Meister und einmal Cupsieger mit dem FCB.
Zweimal Alpencupsieger mit dem FCB.
Zweimal Ligacupsieger – einmal mit dem FC Basel als Spieler und einmal mit dem FC Aarau als Trainer.
Zahlreiche Europacupspiele mit dem FCB, unter anderem gegen Spartak Moskau, Ajax Amsterdam, Real Madrid, Club Brugge KV, Celtic Glasgow, Athletic Bilbao, Atletico Madrid und SSW Innsbruck.

Paul Fischlis Leistungsdaten beim FCB: Hie​r klicken


Bisher porträtierte Spieler

Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017), Hervé Tum (21. Juni 2017), Arthur von Wartburg (7. September 2017), Scott Chipperfield (15. November 2017), Reto Baumgartner (11. Februar 2018), Walter Mundschin ( 29. März 2018), Thomas Hauser (3. Juni 2018), Stefan Huber (8. August 2018), Adrian Knup (13. Oktober 2018), Alex Nyarko (28. Dezember 2018), Helmut Hauser (28. März 2019), Peter Bernauer (9. Juni 2019),  Marco Zwyssig (21. August 2019) Lars Olsen (15. Oktober 2019), Ottmar Hitzfeld (16. November 2019), Thimotée Atouba (30. Januar 2020), Franco Costanzo (22. April 2020), Jörg Stohler (16. Juli 2020), Kurt Stettler (9. Oktober 2020), Mike Speidel (29. Dezember 2020), Örjan Berg (15. April 2021), Hakan Yakin (4. Juni 2021), Jean Müller (7. September), Mile Sterjovski (19. November 2021), Behrang Safari (20. Dezember 2021), Peter Marti (16. April 2022), Walter Geisser (6. Juni 2022), Beat Sutter (1. August 2022), René Hasler (27. September 2022), Sèbastien Barberis (7. Dezember 2022), Peter Nadig (31. Dezember 2022), Otto Demarmels (28. März 2023), Mario Frick (18. Juni 2023) Martin Mullis (20. September 2023) und Alfred Lüthi (22. November 2023), Matías Emilio Delgado (27.12.2023), Admir Smajic (26. März 2024), Marek Suchy (13.6.2024), Jean-Pierre Maradan (11. September 2024), Serge Gaisser (19. November 2024), Birkir Bjarnason (29. Dezember 2024), Cetin Güner (8. Juni 2025), Reto Zanni (7. September 2025), Roland Schönenberger (15. November 2025) und Samir Tabakovic (28. Dezember 2025).

Text: Lukas Müller

Farbfotos: Manuel Geisser

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